MBFWB Winter 2016

Prinzip Patchwork bei Riani: Flohmarkt-Fashion, 90s-Revival und am Ende David Bowie

Von Katrin Völkner
20.01.2016 / 11:09 Uhr

Eine warme Palette an Rottönen von Rost bis Burgunder, verpackt in unifarbene Rollkragenshirts, lange Strickkleider und Lederröhren, wallende Röcke und Overalls mit Ikatmuster – die ersten Looks, die Riani am Dienstag über den Laufsteg schickt, versprechen viel. Sie könnten eine Kollektion ankündigen, die von gut geschnittenen Basics lebt, durchzogen von Elementen des Seventies-Revivals der letzten Saisons. Was dann folgt, erinnert jedoch mehr an Momentaufnahmen einer modernen Hippie-Kommune, die bei ihrer Kleidung auf alternative Materialien und fernöstliche Einflüsse setzt, als an eine Modenschau auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin.

Wie gewohnt setzen Chefdesigner Ulrich Schulte und sein Team auch in der Herbst/Winter-Saison auf Separates und kombinieren sie zu Ton-in-Ton-Outfits. Auf die Rotpalette folgt Grün, dann Creme und schließlich Braun. Keypieces wie ein langes Strickkleid mit seitlichen Schlitzen oder Shirt-Hose-Ensembles aus gestanztem Leder begeistern zu Beginn der Show noch durch ihre Tragbarkeit, verbreiten jedoch Langeweile, nachdem sie auch in der letzten Farbe heruntergebetet wurden. Die langen Silhouetten und Details wie mit silbernen Perlen bestickte Gürtel sind indisch inspiriert, während melierte Stoffe, Patchwork-Stücke mit Gold und lange Halsketten mit Quastenanhängern zu rufen scheinen: Seht her, wir lieben Natürlichkeit, Flohmärkte und Lagerfeuer! Da können auch die 90er-Jahre-Einflüsse nichts dran ändern, die sich in Form von Lurexhosen und Kapuzenpullovern materialisieren. Selbst Ausbrennerstoffe holt Riani aus dem Sumpf des Vergessenen hervor und präsentiert Blumenkleider aus eben diesen.

Tragbare Keypieces, durchmischt mit einem Hauch Seventies und fernöstlichen Einflüssen – so präsentierten sich die ersten Outfits bei Riani.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Modische Highlights bleiben aus, es sind die Showeinlagen und Models, die den meisten Applaus ernten. So schickt Riani der Show eine Gesangseinlage des Rihanna-Songs "Diamonds in the Sky" voraus und unter den Models findet sich eine breit aufgestellte Riege an ehemaligen Germany's Next Topmodel-Teilnehmerinnen. Für Begeisterung sorgt Drag-Queen Olivia Jones, die mit erhabener Brust über den Laufsteg stolziert, auf dem Kopf blonde Locken, über die Schultern ein Stück lurexartigen Stoff geworfen. Die Medienaufmerksamkeit ist Riani gewiss, als das Label die Show nicht etwa mit einem typischen Brautkleid beendet, sondern ein blasses, hellblondes Model im weiten Gewand über den Catwalk schickt, dem ein farbiger Blitz ins Gesicht gemalt wurde. Es stellt sich die Frage, warum der kürzliche Tod David Bowies hier thematisiert wird, obwohl die Musiklegende doch während des Schaffensprozesses augenscheinlich keine Rolle spielte. Die Fashion-Show, die stellenweise tosenden Applaus erntete, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und ein großes Fragezeichen.

Follow us