MBFWB Winter 2015

Riani: Viel Hund, wenig Biss

Gabriela Keller
Von Gabriela Keller
21.01.2015 / 13:48 Uhr

Da steht ein Königspudel auf dem Laufsteg. Schneeweiß, groß wie ein westfälisches Kaltblut. Und daneben trippelt Anna Ermakova in den Showroom des Fashion-Week-Zelts, die 14 Jahre alte Tochter von Boris Becker. Ja, richtig. Die, deren Zeugung in der Besenkammer eines Londoner Hotels vollzogen wurde. Und nun führt sie im kurzen Glitzerkleidchen einen überdimensionierten Pudel mit Tüllpelz über den Laufsteg; dazu gibt es Lichtkonfetti und den Queen-Gassenhauer „It’s a Kind of Magic.“

Das alles zählte natürlich zu den Gesprächsthemen des Tages; dieser tanzende Riesenpudel und das Debüt des Becker-Mädchens, ach ja, und: Die Goodie-Bags, die waren nämlich leer. „Typisch Schwaben“, soll da Presseberichten zufolge der eine oder andere Gast gemosert haben. Über die aktuelle Riani-Kollektion dagegen wurde weniger gesprochen – die bot freilich auch weniger interessante Inhalte als das Brimborium ringsum: Damit bestätigte ausgerechnet das grundsolide Traditionsunternehmen aus Schorndorf bei Stuttgart, was Kritiker der Berliner Fashion Week seit je her vorhalten, nämlich dass es mehr um den Zirkus im Zelt geht als um die Mode, mehr um das Promi-Gehabe als um wegweisende neue Trends.

Riani-Chefdesigner Ulrich Schulte jedenfalls hat tief in die Klamottenkiste der frühen Siebziger gegriffen und sich vom lässig-coolen Sex-Appeal der Stones-Muse Anita Pallenberg inspirieren lassen. Was dabei herauskam, war allerdings eher Stuttgarter Fußgängerzone als Rock’n’Roll, gediegene, hippiesk verbrämte Langeweile: Kurze Shiftkleider mit großer Schluppe am Hals, kurze Shiftkleider voll silberner Pailletten, kurze Shiftkleider aus einem flokatihaften Plüschstoff, alles in Rauchblau, Petrol, Sand oder Taupe. Nach und nach kamen bodenlange, leichte Maxikleider aus Jacquard mit Kaleidoskopdruck dazu, Mäntel mit Pelzkragen, Miniröcke aus vielfarbigem Tweed und Kleider mit großen, applizierten Blumen am Kragen, etwas Leder, etwas Pelz, Stickereien.

Seventies-Flair auf dem Laufsteg bei Riani.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Alles in allem eine runde Sache, ein paar richtig hübsche Sachen waren auch dabei, zum Beispiel die Jacken, eine Art Hybrid zwischen Sakko und Cape, das sich hinten wie ein Umhang bauschte und vorne die Arme freiließ. Allerdings funktionierte nicht alles: Gerade die sehr aufwendig verarbeiteten Brokatteile schlitterten ins Altbackene; schön dagegen die mitternachtsblauen Fransenkleider am Ende. Am Ende kehrte übrigens der Pudel noch einmal zurück, in kleinerem Maßstab und voller Glitzer, wie eine Handtasche unter dem Arm getragen.

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