MBFWB Winter 2017

Schön und gut: Das Öko-Label Philomena Zanetti zeigt, wie schick nachhaltige Mode aussehen kann

Von Gabriela Keller
19.01.2017 / 12:14 Uhr

Die aktuelle Herbst-/Winter-Kollektion des Labels Philomena Zanetti ist wie ein Sack voller Puzzleteile, bei dem man nie weiß, zu welchem Bild sie sich als nächstes zusammensetzen: Die Kellerfalte da, die gerade noch an einer weiten Marlenehose zu sehen war. Nun taucht sie vorne an einem Mantel auf. Dieser wattig weiche, gesteppte Stoff ist vor ein paar Sekunden als Rock eines Abendkleids vorbeigeweht, und jetzt erscheint er als seitlich aufgesetzte Schärpe an einem transparenten Pullover. Das 2014 gegründete Berliner Newcomerlabel setzt auf minimalistische Schlichtheit und nachhaltige Slow Fashion.

Als die Show im me Collectors Room beginnt, sind die Bänke rappelvoll. Alle Plätze sind besetzt, dahinter reckt das Stehpublikum die Köpfe. Aus den Lautsprechern kleckert eine Art elektronisches Wassertropfen, die ethnisch sehr gemischten Models tragen ihre Haare locker zurückgekämmt, auf ihren Lidern schimmert orangerote Farbe. Das reduzierte Styling fügt sich bestens zu der sehr leisen, aufgeräumten und zeitgemäßen Kollektion. Designerin Julia Leiferts Stil wirkt auf den ersten Blick nicht nur sauber, sondern porentief rein. Beim zweiten Hinsehen aber entdeckt man überall unerwartete, kleine Spielereien.

Berückend schön ist vor allem die eher enge Farbauswahl, die Julia Leifert getroffen hat: Ein dunkles Smaragdgrün, ein silbriges Grau, satte rostrote Schattierungen, Mitternachtsblau – ein Spektrum wie ein strahlender Herbsttag, abgesetzt durch viel intellektuelles Schwarz. Ein enger Turtleneck-Pullover mit schnurgerader Bügelfalten-Hose, schimmernde Schluppblusen aus perlgrauer Seide, ein ärmelloser Wollmantel, dessen doppelreihige Goldknöpfe erst unterhalb des Gürtels ansetzen, kuschelige Wollpullis, komplex drapierte Röcke. Bei Philomena Zanetti kommen hochwertige, natürliche Materialien wie Wolle und Seide mit einer fast yogahaften Konzentration aufs Wesentliche daher. Besonders furios: Ein messerscharf kalkuliertes Corsagenkleid aus einem eng gefaltetetem schwarzen Stoff. Mit drapierten Schärpen, über die Schulter geworfen wie Felle erlegter Beutetiere, kernig geknoteten Gürteln und einem dicken Steppstoff, der an eine warme Bettdecke erinnert, ist der moderne Großstadtnomade sozusagen in eine Art textile Komfortzone gehüllt.

Das nachhaltige Label Philomena Zanetti bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin.   Copyright: Bon Parinya Wongwannawat

Damit hat Designerin Leifert Stammeskleidung für die Jäger und Sammler von Berlin Mitte geschaffen. Sie verwendet weder Leder noch Pelz und nur „gewaltfreie“ Wolle und Seide. Sie hat sich ökologischen Standards verpflichtet und lässt nur in kleinen Manufakturen in Deutschland und Polen fertigen, natürlich zu fairen Bedingungen. Benannt hat sie das Label nach ihrer Urgroßmutter – mehr Wertebewusstsein geht kaum, und damit passt das Label perfekt in ein Biotop wie Berlin, wo das landlust-lesende Bürgertum vom Urban Gardening träumt und vegan ernährte, Craftbeer-trinkenden Szeneleute, die aussehen, wie ihr eigenes Instagram-Selfie, verantwortungsvolle Kaufentscheidungen treffen. Schön und gut – Philomena Zanetti zeigt, wie sich beides mühelos in Einklang bringen lässt.

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