BERLIN FASHION WEEK FALL/WINTER 2018/2019

Schluss mit erzwungen anders: Odeeh inszeniert Mode, wie es ihr gebührt

18.01.2018 / 00:03 Uhr

Zwischen staubigen Lüftungsrohren baumeln feine Drahtseile wie Bindfäden von der Decke. Schmale, unzählige Stahlträger reihen sich aneinander, angestrahlt von kalt weißen Scheinwerfern. Drei der vier Wände der quadratischen Fläche des Ho Berlin an der Jannowitzbrücke säumen graue Bierbänke in Zweierreihen. An der Rückwand erstreckt sich der einfache Schriftzug in schwarzen Versalien, mehrere Meter breit über die fahl weiße Wand: ODEEH. Die leere, vor ewiger Zeit noch weiß geflieste DDR-Kaufhalle gilt als Museumstypologie, die gerade das Minimum des Notwendigen hergibt. Fragt sich, ob die Herbst/Winter 2018/19 Pre-Kollektion von Odeeh dem künstlerischen Anspruch der 1000 qm großen Location gerecht wird.

Odeeh präsentiert seine Herbst/Winter 2018/19 Per-Kollektion in einer ehemaligen DDR-Kaufhalle.   Copyright: Andreas Rentz/Getty Images

Bereits vor Beginn der Show kristallisiert sich einmal mehr heraus: Der Berliner versteht sein Understatement. So trudelt das Publikum in typischer Hauptstadtmanier mehr in Sneakers als Stilettos, Athleisure statt Anzug und Sweatshirt statt Seidenkleid ein - Ausnahmen bestätigen die Regel. Mit willkürlich blinkenden Downlights, einem undurchsichtigen Sternenhimmel gleichend, beginnt die Runwayshow. Swing-Musik haucht der industriellen Atmosphäre warmen, entschleunigenden Charakter ein. Die Models laufen im Quadrat an den Front Rows entlang. Schnell wird klar: In dieser Show liegt der Fokus endlich wieder auf der Mode selbst und nicht etwa auf imposanten Locations, mystischen Klängen oder extravaganten Inszenierungen.

Vielfältigkeit in Material, Farbe und Schnitt

Das Designerduo Otto Drögsler und Jörg Ehrlich beweist einmal mehr seine Vielschichtigkeit in Form facettenreicher Kreationen. Die Kollektionsstücke durchziehen verschiedenste Materialien von Kord und Samt über Stepp und Strick bis hin zu Seide und Federn. Gleiches gilt für die Farbpallette. Ohne überladen zu wirken, spielen die Kreativköpfe Odeehs in ihrer Herbst/Winter 2018/19 Pre-Kollektion mit dunklen Nuancen aus Petrol, Nachtblau und Flaschengrün in Kombination zu Erdtönen wie Rostbraun mit herausragenden Farben wie Orangerot, Erdbeerrosa und dem diesjährigen Pantone Trend Ultra Violett. Schnitttechnisch etabliert Odeeh eine Hommage an die weibliche Taille, sei es in Form von klassischen Zweiteilern im Vierziger Jahre Look, eleganten Oversize-Trenchcoats oder körperumspielenden Karottenhosen.

Die Kollektion zeichnet sich durch eine facettenreiche Farb- und Materialwahl aus.   Copyright: Andreas Rentz/Getty Images

„In dieser Stadt war ich mal zu Haus“

Volants und Folkloreelemente greifen aktuelle Modetrends auf, ebenso wie die facettenreichen Formen des Mustermixes. Das Designerduo setzt für die kommende Herbst/Winter Saison auf Camouflage und florale Muster ebenso wie Prints von Pfauenfedern, geometrisches Patchwork und Glencheck jeder Größe. Zu einem Design Highlight der Show mausert sich ein tannengrünes Shiftkleid im Zwanziger Jahre Stil. Während der Oberkörper des Models durch aufwendige Bestickungen glitzert und glänzt, schwingen von der Taille bis zu den Oberschenkeln herab farbabgestimmte Federn im Takt der Musik auf Schritt und Tritt mit. Nach einem weiteren Einsatz mit besticktem Stoff und darauffolgenden Federfransen runden mehrere Zentimeter auberginefarbenen Saums eines seidenen Unterkleides den Look ab.

Die jüngste Kollektion von Drögsler und Ehrlich brilliert durch die Vielseitigkeit der unterschiedlichen Looks, von denen keiner allzu sehr heraussticht. Stimmig und rund präsentiert Odeeh eine gar nicht so typische Berliner Runwayshow, unverschämt passend zum finalen Swing-Gesang. „In dieser Stadt war ich mal zu Haus“ - doch bricht Odeeh mit der gezwungenen Andersartigkeit der Hauptstadt durch Stil und Eigenständigkeit.

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