MBFW Sommer 2018

Schnittvirtuose Vladimir Karaleev komponiert ein dekonstruktives Meisterwerk

Von Bettina-Isabelle Müller
07.07.2017 / 14:29 Uhr

Fotos von Cosima Scholz

Längst etabliert als Meister der Entfremdung enttäuscht Vladimir Karaleev die Erwartungen seiner treuen Fangemeinde auch mit seiner neuesten Kollektion nicht. Der Wahlberliner mit bulgarischen Wurzeln ist ein leidenschaftlicher Kunstfanatiker. So lässt er in seine dekonstruktive Mode gern experimentell-abstrakte Formen einfließen. Gewissenhaft setzt er sich mit gängigen Schnitttechniken auseinander, um sie zu entfremden oder gar ganz aufzulösen, um dann etwas völlig Neues und Eigenes zu schaffen.

Auch dieses Mal erwartet den Zuschauer eine orgiastisch anmutende Schnittexplosion, die für Damen wie Herren gleichermaßen gilt. An blass und fast kränklich geschminkten Models mit Frisuren im Undone-Look sind wie willkürlich zusammengesetzte Stoffkonstruktionen in wilden Materialmixen drapiert. Hier werden herkömmlich geltende Modegesetze ganz neu aufgestellt: Hohe und/oder asymmetrisch versetzte Taillenbündchen, gewollt inakkurat hochdrapierte Röcke, die an der Hinterseite lang herunterhängen, in Kontrastfarbe angenähte, einseitige Brust- und Ärmelteile. Erlaubt ist, was expressiv aus dem Rahmen fällt.

Karaleev konstruiert dynamische Blazer-Mantel-Kombinationen mit einseitig hochgeklapptem Ärmelsaum, kombiniert zum leichten Seidenkleid mit ausgefransten Saum plastikartige Blusenverschnitte mit semitransparentem Streifen und Cut-Outs. Überhaupt durchbrechen partiell angebrachte, halbrunde Saumabschnitte immer mal wieder die ansonsten strenge und kantige Geometrie. Wir bewundern üppige Drapierungen im Oberkörper- und Taillenbereich, weite, komfortable Schnitte und auffällige Asymmetrien, die die feminine Körpersilhouette verschwimmen lassen.

Designer Vladimir Karaleev bleibt seinem Titel als Meister der Entfremdung treu.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Mit Vorliebe layert der Schnittvirtuose das, was er vorher noch nicht scheinbar konzeptionslos aneinander genäht hat. Zwei One Shoulder-Tops mit umgeklappten oder wirr herabhängenden Stoffbahnen und abgerundeter Taille zur weit geschnittenen, überlangen Jeanshose ergeben ein abstrakt architektonisch geprägtes Karaleev'sches Sommeroutfit. Apropos Sommer: Bunte und fröhliche Farben halten sich hier eher bescheiden im Hintergrund. Einzig ein paar leuchtend gelbe Stücke haben sich zwischen den blassen Naturtönen und schlichtem Schwarz-Weiß versteckt. Wer genau hinsieht, erkennt leichte Musterungen wie schmale Streifen oder Glencheck.

Vielleicht sticht einem der tragbare Effekt und Nutzen dieser Stücke nicht unbedingt ins Auge, aber Karaleev hat in seiner Kollektion auf bekannt virtuose Weise seine ganz eigene Linie weiterverfolgt und eine kreativ hochanspruchsvolle Leistung vollbracht.

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