Shooting

Shoecial Media - So sehen Facebook, Instagram & Co. als Schuhe aus

Daniel Verovic
Von Daniel Verovic
31.12.2016 / 11:00 Uhr

Mit Julia Schichler (Text), Lara Schwitalla und Silky Sohal (Bilder)

Blicken wir auf das Jahr 2016 zurück, manifestieren sich etliche Bilder in unseren Köpfen: Protestierende Menschenmassen zur US-Präsidentschaftswahl, jubelnde Landsleute bei der Fußball-Europameistermeisterschaft, erschütternde Aufnahmen von Krieg, Zerstörung und Terror. Aber auch lustige Memes, virale Fotos und Videos sowie persönliche Erinnerungen aus dem Urlaub oder von Partys mit Freunden bringen unser Kopfkino auf Hochtouren. 2016 ist ein schillernder Bildband. Betrachten wir diese Bilder genauer, sehen wir sie von unterschiedlichen Farben umhüllt: Ein dunkles Blau, tiefes Rot, fluoreszierende Farbverläufe, leichtes Himmelblau, sattes Grün oder ein grelles Gelb. Die Farben der sozialen Medien. Facebook, Twitter, Instagram und Co. erreichen in diesem Jahr einen nie da gewesenen Stellenwert.

Wir wachen am Morgen auf, greifen mit verkniffenen Augen nach unserem Smartphone und scrollen schlaftrunken durch Facebook. Plötzlich sind wir hellwach. Denn hier suchen wir längst nicht mehr nur nach Neuigkeiten von unseren Freunden, sondern finden die News aus aller Welt. Alle großen Medien verbreiten ihre aktuellen Nachrichten blitzschnell über das Netzwerk. Informieren so Millionen Facebook-User. Hier erfahren wir als erstes vom Tod der Sänger David Bowie, Leonard Cohen oder George Michael. Auch im Fall der Kultdesignerin Sonia Rykiel oder zuletzt Star Wars-Star Carrie Fisher verwandelte sich Facebook innerhalb von Sekunden in ein Kondolenzbuch, in dem die ganze Welt seiner Trauer kundtut. In anderen Fällen weichen Millionen Profilbilder Regenbogenfarben oder den Farben Schwarz und Rot. In den Posts vieler großer Medien wie Stern oder BILD wird die Kommentarfunktion zum Ballungszentrum für persönliche, politische Unzufriedenheit, Sprachrohr der Ungehörten und zum virtuellen Stammtisch der Internetgesellschaft. Plötzlich besitzt jeder zu jedem Thema eine Meinung. Das war bereits früher so. Durch Soziale Medien können wir unsere geistigen Ergüsse öffentlich kundtun, verbreiten, pöbeln, diskutieren. Das hat zur Folge, dass auch wir von anderen Meinungen regelrecht penetriert werden. Alles eine neue Art uns, unseren Charakter sowie den Menschen, den wir nach außen darstellen wollen, zu repräsentieren. Genauso schnell reagieren die User des Kurznachrichtendienstes Twitter. Nutzer aus der ganzen Welt interagieren: Jeder Mensch reagiert auf das Weltgeschehen, hat seine Meinung und trägt sie nach außen. Wir haben die Möglichkeit, über unser Smartphone immer und überall mitzumischen oder uns zurückzuhalten, wenn wir nur stiller Beobachter sein möchten. " Brangelina hat sich getrennt? Aber sowas, Retweet!" Eine Sache von Sekunden. Das Jahr 2016 zeigt, in welchem Maße die Sozialen Medien alle Facetten unseres Alltags bestimmen.

Auf Instagram treffen sich stattdessen die Liebhaber der Ästhetik. Mit dem Auge für die perfekte Bildsprache, die schönen Dinge des Lebens. Besonders Fashion-Fans kommen hier auf ihre Kosten. Der Hashtag #ootd zählt über 100 Millionen Beiträge, akribisch arrangierte Flatlays mit Blumenbouquet erzielen Tausende Likes, #foodporn, ganz langweilig auch Mittagessen genannt, bringen hunderttausende Like-Herzchen und Kommentare. Sie werden so zu einer Art Währung, die den Wert eines Profils und des Menschen dahinter festlegt. Die Fotoplattform trägt entscheidend dazu bei, dass der Begriff des Influencers endgültig als eine ernstzunehmende Berufsbezeichnung anerkannt wird. Unternehmen nutzen die Reichweite der Instagram-Stars und des Mediums, buchen Werbung oder engagieren Digital Leader. Und wir baden in der Informationsflut: Die neue Tasche von Super-Bloggerin Chiara Ferragni schon gesehen? Kim Kardashians frisches Nackt-Selfie bereits geliket?

Erratet ihr, um welches Soziale Medium es sich hier handelt?   Copyright: styleranking

Kreative Inspiration finden wir auf Pinterest - dem selbst ernannten "Katalog unendlicher Ideen". Hier stellen wir uns ein Meer von eigenen Pinnwänden voller persönlicher Interessen, Träume und Ziele zusammen. Unerreichbare und erreichbare Ideale vereinen sich hier. Hochzeit in Aussicht? Dann habt ihr doch sicherlich ein Wedding Planning-Board auf der digitalen Pinnwand dazu angelegt, oder? Wir planen nicht nur persönliche Ereignisse im Netz, sondern gleich unsere ganze Karriere. Über die Business-Plattform XING erhalten wir Jobangebote, Networken, schrauben hier mit Voraussicht an unserer beruflichen Zukunft.

Von Fotos, Bildern und Gifs abgesehen, gewinnen bewegte Bilder in 2016 immer mehr an Relevanz. Wir halten alles Mögliche in Videoform fest. Das Videoportal Youtube ersetzt mit frischen, eignen Formaten der User zunehmenden das TV-Programm. Hilfreiche Make-up- oder DIY-Tutorials der internationalen Beauty-Vlogger, die lustigsten Pannenvideos des Jahres oder Follow-me-around-Clips - täglich werden laut YouTube Videos mit einer Gesamtdauer von mehreren Millionen Stunden hochgeladen. 2016 hat sich außerdem ein weiterer Social Media-Star ganz nach oben katapultiert: Snapchat entwickelt sich rasant. Im April 2016 zählt der Video-Chat-Dienst bereits neun Millionen Nutzer. Die Plattform, die kurze Videos beinahe in Echtzeit für die Follower bereitstellt, steht als App-Sinnbild unserer schnelllebigen Gesellschaft. Wir produzieren oder konsumieren Informationen, sehen und verarbeiten sie und vergessen sie - auf Snapchat innerhalb von 24 Stunden, dank des Selbstzerstörungsmodus. Was ich gerade erlebe muss jetzt ins Netz. Leben am Limit vom Puls der Zeit.

Auf der internationalen Schuh- und Accessoiremesse GDS hält styleranking-Chefredakteur Daniel einen Vortrag über die Sozialen Medien Instagram und Snapchat.   Copyright: Mareike Daennart für styleranking

Im Juli 2016 veranstalteten wir auf der internationalen Schuh- und Accessoiremesse GDS eine offene Social Media Consulting-Runde. Umgeben von Tausenden Schuhpaaren, Trends und Tretern und dem für uns allgegenwärtigen Thema Social Media, entwuchs aus einem fixen Gedanken eine Idee. Unter der Prämisse "Auf Schritt und Tritt durch die Sozialen Medien" hat sich die styleranking-Redaktion gefragt: Welches modische Accessoire trägt uns täglich durch unser Leben? Die Antwort war schnell gefunden - Schuhe. Darüber hinaus haben wir uns die Frage gestellt, was wäre, wenn Soziale Medien wie Facebook und Co. Schuhe wären? Welcher Trendtreter würde das jeweilige Medium am besten repräsentieren? Die Antwort in Form von arrangierten Flatlay-Shootings ganz im Stil des modischsten aller Social Media Instagram findet ihr in unserer Bildergalerie. Errätst du, welcher Schuh welches Soziale Medium darstellt? Und viel wichtiger die Frage: Warum?

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