MBFWB Sommer 2016

Siebziger bei Riani: Mehr Fun als Fashion

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
08.07.2015 / 10:45 Uhr

Von Moritz Lindert (Text) und Cosima Scholz (Fotos)

Die Siebziger sind wieder da. Das sind eigentlich keine großen Neuigkeiten für jeden, der die letzten zwei Laufstegsaisons nicht in einer Höhle ohne WLAN verbracht hat. Bei der Fashion Show von Riani wird der überpräsente Trend in den Sommer 2016 gerettet und mit reichlich Glamour und Promi-Power zum Jetset-Look aufpoliert - Mode mit reichlich Eventcharakter und wenig Pioniergeist.

Die Fotografen im Zelt der Mercedes-Benz Fashion Week wissen gar nicht, wohin sie ihre Kameras zuerst richten sollen. In der Front Row und auf dem Laufsteg strahlt die deutsche C-Prominenz um die Wette und als Model Rebecca Mir mit ihrem frisch angetrauten Ehegatten Massimo Sinato tanzend die Show eröffnet, tobt die klatschfreudige Menge zum ersten Mal. Die Finalistinnen der letzten Topmodel-Staffel, Vanessa, Anuthida und Aysa, folgen zu flockigen Party-Beats, ihre Kolleginnen Stefanie Giesinger und Luisa Hartema reihen sich ein. Es ist ein Reigen aus strahlend dahin schreitenden Klum-Sternchen und selig schunkelnden Schauspielergattinnen, bei dem die Mode schon mal in Vergessenheit geraten kann.

Bei der Show von Riani lief ein GNTM-Model nach dem anderen über den Laufsteg.   Copyright: Cosima Scholz/styleranking

Dabei hat die Show durchaus einige starke Looks zu bieten. Neben den üblichen Kleidvariationen in weißer Lochspitze werden vor allem weite Kaftane und fließende Abendkleider mit geschlitzten Ärmeln gezeigt. Die Show ist inspiriert vom Jetset-Glamour der Seventies, der mit glänzenden Halsketten und Trompetenärmeln fast ein bisschen zu offensichtlich in Szene gesetzt wird. Besonders gelungen ist ein All-White-Look mit wadenlanger Spitzenculotte und leichter Seidentunika. Auch bei kurzen Jacken in bunt durchbrochenem Tweed ist es dem Design-Team um Ulrich Schulte gelungen, den Siebziger-Look in eine zeitgemäße Mode zu übersetzen, statt ihn nur zu adaptieren. Vieles bleibt aber zu einfach gedacht. Die Kollektion ist sehr detailverliebt, allzu oft wählt Riani aber „the obvious choice", den direkten Weg im Design. Und es ist nicht zu leugnen, dass an vielen Stellen bekannte Influencer-Kollektionen von Chloé, Prada und Burberry Pate für den Entwurf standen.

Im Interview mit styleranking vor der Show machte Chefdesigner Ulrich Schulte bereits klar, dass Berlin vor allem den nötigen Spaß-Faktor für Riani darstelle: „Hier in Berlin steht der Unterhaltungswert im Vordergrund." Den, immerhin, kann man seiner Kollektionspräsentation für Sommer 2016 nicht absprechen. Wohl aber den modischen Innovationsgedanken, der bei dieser Show zu oft auf der Strecke bleibt.

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