MBFWB Sommer 2016

Skulpturale Stoffstudien bei Pearly Wong

Von Moritz Lindert
07.07.2015 / 17:47 Uhr

Von Moritz Lindert (Text) und Cosima Scholz (Fotos)

Pearly Wong ist zurück in Berlin. Bereits zum zweiten Mal zeigt die junge Designerin ihre Entwürfe auf der Mercedes-Benz Fashion Week, zuletzt noch in der kleineren Stage. Die Venue ist größer, das Publikum bunter, die Kleider aber nicht. Pearly Wong frönt dem Minimalismus und bleibt einer monochromen Palette treu. Von Mitternachtsschwarz bis Wolkenhimmelweiß forscht sich Pearly Wong durch Materialien, Muster und Schnitte – eine Stoffstudie zwischen Nineties-Streetwear und Futurismus.

In Badelatschen und ledernen Beinschonern kommen die ersten Models zu berstenden Bässen den Runway herunter und legen gleich zu Beginn fest, welche Silhouette Pearly Wong das gesamte Defilee über verfolgen wird. Hosenröcke und Crop-Tops fallen im Schrägschnitt von der Schulter und werfen bewegte Falten. Minidresses werden wie statische Hüllen um den Körper gewickelt, mit festen Satinstoffen gelayert und in Kontrastfarben bedruckt. Ein geometrischer Pinstripe-Print und ein stellarisch anmutendes Muster brechen die unifarbenen Looks.

Neopren und Satin, plissierte Seide, Leder und Nylongürtel kommen in der Kollektion zum Einsatz. Pearly Wong, so scheint es, probiert sich durch die vielseitigen Materialien ihres Studios und verbindet vermeintlich unvereinbare Stoffe. Säume werden verkürzt oder verlängert, Ärmel bis zur Abstraktion ausgestellt und wieder eingenäht. Ihre Entwürfe bekommen eine spielerische Leichtigkeit, die auch von den gefütterten Nylonjacken der Kollektion nicht gebrochen wird.

Dieses Spiel gelingt oft, aber nicht immer. Wenn fließendes Plissee unter dem gegürteten Saum eines weißen Parkas hervorblitzt, geht Pearly Wongs Rechnung auf. Oder beim Rückenausschnitt eines tief sitzenden Tops mit Culotte, der von einer schwarzen Gurtschnalle zusammen gehalten wird. Ihr bodenlanges Kleid aus schwarzem Baumwollstoff wirkt aber zu schwerfällig und erdrückend. Es erscheint, als ginge der Innovationswille der jungen Designerin manchmal zu Lasten der Qualität. Bei Pearly Wongs Kollektion für Sommer 2016 ist es wohl wie mit jeder Studie: Manche Ergebnisse sind bahnbrechend, aber manches Experiment führt auch in eine Sackgasse.

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