MBFWB Winter 2016

So weit die Kleider tragen: Moderne Nomadinnen bei Nobi Talai

Von Moritz Lindert
20.01.2016 / 19:30 Uhr

Der Weg ist das Ziel. Nie war dieser Leitspruch so zutreffend wie bei dem Berliner Label Nobi Talai. Gelobt als begabte Ästhetin, gepriesen als neue deutsche Modehoffnung, bleibt Designerin Nobieh Talaei ihrer ruhigen Linie treu und zeigt eine Kollektion, die vor allem durch Schlichtheit und Konzeption überzeugt. In fließenden Stoffen und gewickelten Silhouetten sendet sie ihre Models auf eine nomadische Wanderung, bei der nicht nur die Wüste, sondern auch die Berliner Modelandschaft aufblüht.

Die Nomadin der Moderne ist das Leitbild hinter NT.02, der neuen Kollektion von Nobi Talai. Inspiriert von Talaeis persischen Wurzeln finden sich zahlreiche vorderasiatische Referenzen in der puristischen Mode, von schwingenden Capes und Kaftanen bis zu vergoldeten Statementohrringen. Mäntel und Blusenkleider werden mit traditionellen Wickeltechniken geschlossen und Talaieis Nomadinnen tragen hauchzarte Turbane aus Seide und Organza um das Haar geschlungen. Ponchos werden zur Wickelhose kombiniert und in markanter Überlänge über Westen und Palazzopants gelayert. Was wirkt, wie zufällig übergeworfen, folgt im Detail einer genauen und sehr architektonischen Schnittkunst.

Es sind organisch wirkende Materialien die Talaei verwendet, samtiges Cashmere, strukturierte Wolle, Lammfell und luxuriöses Kalbsleder, die den Schnitt in jedem Kleidungsstück hervor heben und gerade dann an Wirkung gewinnen, wenn sie in Bewegung geraten. Überhaupt ist die Mode von Nobi Talai nicht für den Stillstand gedacht, er würde viel zu viel von ihrer Magie verbergen. Die Mäntel, Hosen und Kleider werden dann spannend, wenn Bewegung in die präzise konstruierten Falten und Lagen gerät, wenn Veränderung passiert - eine modische Metapher auf das Nomadentum.

Luxuriöse Materialien in präzisen aber bewegten Schnitten prägen das Bild der modernen Nomadin bei Nobi Talai.   Copyright: Stefan Kraul

Doch auch in ganz sachlichem Licht betrachtet ist Nobi Talai wegweisend für andere Berliner Designer. Talaei hat ganz offensichtlich profitiert vom Förderprogramm des German Fashion Council, an dem sie zusammen mit Marina Hoermanseder als erste Designerinnen teil haben durften. Nun, nach der erfolgreichen Runwayshow im Kronprinzenpalais, ist sie stilistisch weiter, als es manch anderer Jungdesigner nach mehreren Jahren ist. So wird Nobieh Talaei, vielleicht unbeabsichtigt, selbst zum Sinnbild für ein Nomadentum in der deutschen Mode und den großen Gewinn, der sich aus Talent und Veränderung ergeben kann. Es lohnt sich eben doch, an deutsches Modedesign zu glauben. Schnell Berlin, mach ein Foto! Denn das ist deine schimmernde Zukunft.

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