Nachruf

So reagiert die Modewelt auf den Tod von Sonia Rykiel

26.08.2016 / 11:11 Uhr

„Wie kann man das High Life leben, ohne hohe Absätze zu tragen?" – Sonia Rykiel liebte das Avantgardistische, das Auffällige, die Kontraste. Dafür war sie bekannt, die Modeszene feierte sie seit Jahrzehnten für die entsprechende Umsetzung in ihrer modischen Vision. Zweifellos gehört die "Königin des Strick" zu den großen Designern unserer Zeit. Ihre Kreationen bedienten sich grundlegend ihrer Lieblingsfarbe Schwarz, zu dem sie selbst mit ihrer feuererroten Mähne Kontraste setzte. Bunte Querstreifen auf Strickkleidern prägten ihren bekannten Signature Style. Die französische Modedesignerin verstarb am 25. August 2016 im Alter von 86 Jahren in Folge ihrer schweren Parkinson-Erkrankung. Die internationale Modewelt reagiert betroffen auf den Verlust der modischen Ikone Sonia Rykiel und verabschiedet sich.

Wer an Sonia Rykiel denkt, denkt an das Modegenie mit der knallroten, auftoupierten Mähne. Das Elle Magazin aus ihrer Heimat Frankreich gedenkt der Designerin mit einer Illustration, die an eben diesen eigenwilligen Look erinnert. Die große Modezeitschrift spielte in der Designerkarriere Sonia Rykiels eine ganz besondere Rolle. Als die Elle Ende der Sechziger spontan einen Pullover der bis dahin noch unbekannten Modeschöpferin auf dem Cover zeigte, verhalf ihr das über Nacht zur Bekanntheit. Sonia Rykiel war im Pariser Chic angekommen, wobei sie selbstbewusst mit Strickkollektionen und sichtbaren Nähten bestehende Designregeln brach. In den folgenden Jahren baute die Designerin schnell ein internationales Modeimperium auf. Zu ihren berühmten Kundinnen zählten Stilikonen wir Brigitte Bardot, Catherine Deneuve und Audrey Hepburn.

Nachdem Rykiel Strickkleider in den Siebzigern salonfähig machte, ernannte das Magazin Women's Wear Daily die Designerin zur "Queen of knitwear". Strick sollte in ihren Kollektionen durchgehend eine herausragende Rolle spielen. Der Ursprung: Als sie zum ersten Mal schwanger war, verzweifelte die Designerin bei der Suche nach bequemer, aber modischer Umstandsmode. Die Lösung: Kurzerhand designte sie sich selbst komfortable Teile, die ihren modischen Ansprüchen genügten. So launchte Sonia Rykiel bereits 1962 ihre erste Strickkollektion. In den Siebzigern gelang ihr der Durchbruch dann endgültig. Zu ihren bekanntesten Teilen gehören bis heute edle, gestreifte Strickkleider. Designerkollege und Freund der Modeschöpferin Jean Paul Gaultier erinnert auf Twitter an den Signature Style von Sonia Rykiel. Neben anderen Größen des Modedesigns wie Karl Lagerfeld und Christian Lacroix präsentierte Jean Paul Gaultier zum 40. Designerjubiläum Sonia Rykiels einen eigenen Entwurf als Hommage an ihr Werk.

Sonia Rykiel pflegte freundschaftliche Beziehungen zu vielen bekannten Designern und Künstlern wie Andy Warhol und Karl Lagerfeld. Die Kunst war ihr Zuhause. Und sie inszenierte nicht nur die Mode auf dem Laufsteg kunstvoll, sondern auch sich selbst in vielen Portaitaufnahmen berühmter Fotografen. Der Onlineshop Outnet.com erinnert an die vielen Portraits, die von der Designerin bekannt wurden. Selbstbewusst und fast divenhaft posiert sie in der Aufnahme. Ihr Ausdruck spiegelt auch die politische Überzeugung der Designerin. Die Mode Sonia Rykiels war mehr als ein Konsortium schnelllebiger Trends, von denen sie im Übrigen nicht viel hielt. Die Designerin macht mit ihren Entwürfen nicht nur modische, sondern auch politische Statements. In den 60ern bezeichnet die Szene ihre Entwürfe als Protestmode, die Frauen zu Selbstbewusstsein verhalf. Nach Sonia Rykiel sollten Frauen das tragen, worauf sie am meisten Lust hatten, ganz ohne gesellschaftliche Zwänge. Die Verbindung von Komfortabilität und Eleganz zieht sich wie ein roter Faden durch die Kollektionen der Designerin. 2009 und 2010 waren ihre Entwürfe im Rahmen einer Designkooperation bei H&M erhältlich.

Der Tod des kreativen Modekopfes löst eine Welle von Reaktionen aus der Mode- und Kunstszene aus. Künstler verarbeiten ihre Trauer und ihr Mitgefühl in bewegenden Kunstwerken. Die Illustratorin Stephanie Lezziero postete auf Twitter eine Illustration, die so viele bekannte Merkmale Sonia Rykiels vereint. Wieder finden der rote Lockenkopf und das bekannte Streifendesign Platz in den Trauerbekundungen. Das große Herz steht für die Liebe zur Mode und zu Menschen. "Ich hoffe, dass meine Kreationen ein bisschen Freude bereiten", sagte Sonia Rykiel einst. Jede ihrer Shows endete mit einem Laufsteg voll von tanzenden und feiernden Models.

Erst 2012, 15 Jahre nach der Diagnose, sprach Sonia Rykiel in ihrer Autobiografie "N'oubliez pas que je joue" (übersetzt "Vergessen Sie nicht, dass ich spiele") über die Krankheit Parkinson, an der auch bereits ihre Mutter litt. Den Posten als Präsidentin des Modeimperiums gab die Modeschöpferin 2007 an ihre Tochter ab. Nathalie Rykiel übernimmt das Geschäft, als ihre Mutter krankheitsbedingt aus der Firmenleitung aussteigt. In ihrem Instagram-Profil postet sie am Todestag eine Schwarz-Weiß-Aufnahme ihrer Mutter, ganz ohne Kommentar. Das Portrait spricht für sich.

Am 25. August 2016 verstarb Sonia Rykiel im Alter von 86 Jahren in Paris. Ihr modisches Erbe wird bleiben, die internationale Designerszene verliert eine ihrer ganz großen Figuren.

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