Interview

Sopopular-Designer Daniel Blechman: "Es ist immer Luft nach oben"

Von Moritz Lindert
02.08.2015 / 16:33 Uhr

Daniel Blechman mag Schwarz. Das weiß jeder, der sein Menswear-Label Sopopular kennt. Monochrome Looks und architektonische Formen, das ist Blechmans Handschrift, die in Berlin immer mehr begeisterte Anhänger findet. Fotografiert werden mag Daniel Blechman hingegen nicht. Lieber glänzt er mit seiner Mode im Rampenlicht. Kurz nach seinem Showauftakt bei der Mercedes-Benz Fashion Week treffe ich ihn im exotischen Ambiente der Westwing-Lounge. In marokkanischem Interior-Flair erzählt er von seinen Inspirationen, von militärischen Uniformen und japanischen Einflüssen, aber auch von seinen Wünschen und Träumen für das eigene Label. Und warum dabei ein runder Kreis und die Luft nach oben eine wichtige Rolle spielen.

In der Westwing-Lounge trifft Redakteur Moritz den Designer Daniel Blechman kurz nach seiner Show zum Gespräch.   Copyright: Westwing

styleranking: Lieber Daniel, Glückwunsch zur Show. Fällt nach so einem Fashion Week Auftakt erst einmal der Stress von dir ab?

Daniel Blechman: Nicht wirklich, ich sage immer: Nach der Show ist vor der Show. Heute bauen wir unsere Präsentation auf der Premium Trade Show auf und ich schaue mir vielleicht noch die Modenschau von Kilian Kerner an. Ich bin also noch voll im Fashion Week Stress.

styleranking: Auf dem Laufsteg haben wir viel vom typischen Sopopular-Purismus gesehen, aber auch kernige Utility-Wear. Wie bist du an die Kollektion für Sommer 2016 herangegangen?

Daniel Blechman: Am Anfang steht immer die Idee. Dieses Mal kam sie ganz zufällig. Ich war in einer Ausstellung in Paris, in der alle Kunstobjekte aus filigranen Fäden gemacht waren. Das fand ich unheimlich faszinierend. Darüber hinaus bin ich immer sehr beeinflusst von Uniformen, Workwear und militärischer Kleidung. Das martialische Styling der Models ist wiederum durch den aktuellen Kinofilm Mad Max inspiriert. Und ich habe viel gelesen über japanische Kultur und Tradition. All diese Ansprüche vermischen sich in der Kollektion. Zum Beispiel die sehr martialischen, klaren Schnitte, die in der Show auf feine Strickteile treffen.

Zwischen Mode und Architektur? Daniel Blechman erklärt, warum beides doch vereinbar ist.   Copyright: Westwing

styleranking: Und was muss passieren, damit aus deinen Ideen ein Runway-taugliches Kleidungsstück wird?

Daniel Blechman: Zunächst erstelle ich ein Moodboard mit all meinen Inspirationen und beginne die ersten Skizzen zu zeichnen. Es wird Neues hinzugefügt, Altes überarbeitet, bis die Kollektion einen runden Kreis ergibt. Für die Produktion müssen technische Zeichnungen und Schnittproben gemacht werden, es gibt Fittings und Veränderungen. Die letzten Teile der Kollektion sind erst kurz vor der Show fertig gewesen.

styleranking: Bist du als kreativer Kopf auch in all diese Prozesse involviert?

Daniel Blechman: Ja, ich gebe eigentlich nichts ab. Natürlich mache ich nicht alles alleine, aber von der ersten Nesselprobe bis zum finalen Make-up in der Show bin ich beteiligt. Alles muss den runden Kreis ergeben – das ist mir wirklich wichtig.

styleranking: Beschert dir das als Designer auch mal schlaflose Nächte?

Daniel Blechman: Ja, Stress hat man auf jeden Fall genug. Am Samstag nach der Berlin Fashion Week muss ich erst einmal ausschlafen. (lacht)

styleranking: Du zeigst bereits seit mehreren Saisons in Berlin, dieses Mal durftest du die Schauen der Mercedes-Benz Fashion Week sogar eröffnen. Was bedeutet dir der Modestandort Berlin?

Daniel Blechman: Ich bin in Tel Aviv geboren, aber bereits als kleiner Junge nach Berlin gezogen. Ich fühle mich wie ein Berlin Local, ein echter Berliner. Zwischenzeitlich habe ich auch in London gelebt, aber Berlin bleibt immer meine Basis. Nicht nur persönlich, sondern auch geschäftlich.

styleranking: In London hast du Architektur studiert, ungewöhnlich für einen Modedesigner. Sind Kleider und Baukunst nicht etwas völlig unterschiedlich?

Daniel Blechman: Nicht unbedingt, es gibt durchaus Parallelen. Ich habe neben dem Studium bereits als Stylist und Einkäufer gearbeitet. Und ich mag sehr gradlinige Passformen und derbe Stoffe. In der aktuellen Kollektion haben wir Stücke aus gewachstem Leinen dabei, das sich fast wie Leder anfühlt. Diese festen Materialien, die geometrische Konstruktion von Schnitten – das finde ich schon sehr architektonisch an der Mode. Selbstverständlich ist die Kleidung in der Verarbeitung ein ganz eigenes Element.

Zwischen Palmen und Perserteppichen erzählt Daniel Blechman von seinen Inspirationen für die Kollektion Frühjahr/Sommer 2016.   Copyright: Westwing

styleranking: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? Wirst du bald mit Sopopular die internationalen Märkte und Fashion Weeks erobern?

Daniel Blechman: Im asiatischen Raum sind wir bereits vertreten, Amerika und Europa sind auch total spannend. Ehrlich gesagt: Am Liebsten will ich weltweit expandieren. Aber alles Schritt für Schritt. Tatsächlich habe ich die Sommermode gerade auf den Männermodenschauen in Paris präsentiert. Und für die nächste Saison überlegen wir nach London zu gehen. Das Männersegment ist dort noch stärker. London wäre schon ein Traum von mir, ein Ziel.

styleranking: Wird es vielleicht auch einmal eine Sopopular-Frau geben?

Daniel Blechman: Darüber habe ich schon oft nachgedacht. Aber ich möchte erst einmal eine Sache wirklich gut machen, bevor ich die nächste angehe. Ich bin zufrieden mit meiner Mode, aber noch lange nicht da, wo ich sein will. Es gibt immer Luft nach oben.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

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