Mercedes-Benz Fashion Week Berlin 2017

Sorry not sorry: Julian Zigerli zeigt modische Ironie bis zum Exzess

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
11.07.2016 / 10:49 Uhr

Is it too late now to say sorry? Was nach einem Bieberschen Dancefloor-Dauerbrenner klingt, ist eigentlich Ironie pur. Genauer gesagt: Modische Ironie von Julian Zigerli. Der Schweizer Designer kreiert Sportswear für Männer und Frauen, die so schonungslos und karikierend anders ist, dass er sich mit seinem Kollektionstitel schon im Vorfeld dafür zu entschuldigen scheint. Natürlich nur ironisch – Sorry!

Oder sollten wir besser „YRROS“ schreiben? So druckt es Zigerli nämlich rückwärts auf seine Sweatshirts und gibt damit den Startschuss für seine Show. Denn die beginnt mit dem Finale. Der Designer verbeugt sich, alle Looks werden präsentiert, der Musictrack spielt rückwärts. Es dauert einen Moment bis das routinierte Fashion-Publikum versteht, was hier passiert. Doch dank des klugen Kunstgriffs Zigerlis befinden wir uns sofort mitten in seiner etwas verschobenen Modewelt. Hier werden die Dinge rückwärts erlebt, auf Links gedreht, auseinandergedacht.

Ein Spiegel seiner Mode: Von funktionaler Outerwear über edel bedruckte Seidenhemden bis hin zu fluoreszierenden Rucksäcken zeigt Zigerli ein Kaleidoskop an Inspirationen und Eindrücken. Wer hindurchblickt, fühlt sich ein bisschen wie auf einem Day-Rave in Ost-Berlin. Nicht zuletzt wegen des Soundtracks, in dem sich abrupt und chaotisch Electro an Hip Hop und Reaggeton reiht.

Julian Zigerli Frühjahr/Sommer 2017 auf der Mercedes-Benz Fashion Week   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Ein wiederkehrendes Thema in der Arbeit des Wahl-Berliners sind seine großflächigen Digitaldrucke. Cartoonhafte Wolkenmotive, abstrahierte Naturfotos und kindliche Schattenspiele zieren Hemden und Blusen. Keypieces in knalligen Eiscremefarben durchbrechen gedeckte Töne, ein aberwitziger, pinker Ballonblazer und Converse-Schuhe mit Kugelschreiber-Krickelei mischen sich in das Defilée. Dazu kommen Two Piece Looks aus Hemden, Safari-Jacken und übergroßen Bermudas mit Kellerfalte und Slumberparty-mäßige Zweiteiler aus weichem Feinripp.

Alles ähnelt einer Karikatur etwas bereits Bekanntem, keiner der Looks nimmt sich selbst zu ernst. Jedes Teil von Julian Zigerli wirkt wie ein kleines Augenzwinkern. Das tut der Mode und auch der Berliner Fashion Week gut. Oder wann mussten wir das letzte Mal bei einer Runway-Show so richtig grinsen?

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