MBFWB Sommer 2016

The Big Bang: Schockierend-coole Looks bei Sadak

08.07.2015 / 13:57 Uhr

Von Moritz Lindert (Text) und Cosima Scholz (Fotos)

Berlin steht am Abgrund. Die Modeszene der Hauptstadt ist gespalten, nie war das so deutlich wie heute im Zelt der Mercedes-Benz Fashion Week am Brandenburger Tor. Auf der einen Seite: Niedlich-naive Kaufhaus Kollektionen, die auf verkäufliche Styles und Nummer-sicher-Mode setzen. Und dann gibt es Präsentationen wie die des Männerlabels Sadak, die so progressiv ist, dass es knallt.

Das Label des jungen, serbischstämmigen Designers Saša Kovačević zeigt bereits zum zweiten Mal auf der Berliner Modewoche und setzt auch dieses Mal auf einen Look, der polarisiert. Bei Sadak mischen sich moderne Hiphop-Referenzen und urbane Sportswear mit Bildern und Inspirationen aus der islamischen Kultur.

Männern in Kaftanen, Kimonos und Niqabs aus bedruckter Seide, dekonstruierte Blazer, die den Oberkörper nur mit Nylongurten bedecken und goldene Choker zum weißen Rollkragen-Shirt. Sadak trägt die arabischen Traditionen ins 21. Jahrhundert, bricht sie auf und macht sie zu digital beeinflusster Streetwear. Gender werden verdreht und Konventionen überworfen. „Error" druckt er auf die Träger eines fließenden Mantels in Rosa, Violett und Himmelblau, dazu der Print zwei verschleierter Frauen.

Sadak provoziert gerne und tut dies auch mit der neuen Kollektion.   Copyright: Cosima Scholz/styleranking

Eine Portion politische Botschaft schwingt mit, wenn Kovačević ein Männermodel mit Gesichtsschleier über den Laufsteg schickt. Der Designer reißt die religiöse Fassade ein, indem er den Rücken des Kleidungsstückes provozierend offen lässt. Vor allem nutzt er die fließenden Stoffe und knalligen Farben aber, um eine neue, irritierende Art der Urbanwear zu etablieren. Weiße Tennissocken und schwarze Plateau-Creepers bringen 90er-Flair in die Show, asymmetrische Jersey- und Frottee-Materialien machen die Kollektion lässig und streetsmart.

Sadaks Entwürfe sind nicht immer tragbar, noch weniger treffen sie den Geschmack des Mainstreams. Aber Designer Saša Kovačević gelingt es, das gleichförmige Modebild zu stören. Das ist laut, bunt, schockend und hat einen Knall-Effekt, der auch nach dem Finale noch nachklingt wie Hiphop-Beats in den Ohren.

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