Platform Fashion

Thomas Rath lässt Design-Innovation vermissen

02.02.2015 / 17:50 Uhr

von Jana Löbbermann und Roland Schweins

Schon im Eingangsbereich zeigt sich der Unterschied eines Events von Thomas Rath im Vergleich zu anderen Modepräsentationen. Gatte Sandro Rath begrüßt jeden Gast mit Namen und Handschlag. Die Modemeute drängt sich in den Saal. Es ist proppenvoll. Dann erlöscht das Licht.

Trommelwirbel. Dudelsackspieler betreten den Laufsteg und spielen lautstark die schottische Nationalhymne. Wenn Thomas Rath zur Modenschau lädt, dann liegt die Betonung auf Show. Sängerin Sua Amoa schmettert lauten Gesang, RTL-Moderatorin Katja Burkard läuft als Model mit und in der Front Row nehmen Farbenfabrikant Hans-Georg Muth samt Gattin Gisela Muth oder Jades-Chefin Evelyn Hammerström Platz. Zu den Songs von Sua Amoa wird geschunkelt und geklatscht.

Thomas Rath setzt bei seiner Herbst/Winter 2015/2016 Kollektion vorwiegend auf gedeckte Farben. Grau, Schwarz und vereinzelte Nude-Töne prägen die Stücke. Die Kollektionsteile zeigen sich von Hosen über Röcke bis hin zu Kleidern vielfältig aber leider vor allem gleichförmig. Einen kleinen modernen Touch erhält die sonst eher gesetzte Kollektion nur durch zwei Capes und Taschen im verspielten Ombré-Look. Kontroverse Pelz-Applikationen finden sich vor allem an den Jacken und Mänteln aber auch vereinzelt an Krägen der Kleider.

Schwarz geht immer - die Kollektion von Thomas rath setzt auf die "Nummer sicher".   Copyright: ​Getty Images for PLATFORM FASHION

Ein besonderes Augenmerk legte Thomas Rath auf seine Hosen-Kollektion "Thomas Rath Trousers". Skinny-Schnitte, floralen Muster und hochwertige Handwerkskunst decken eine große Bandbreite an Möglichkeiten ab. Der Designer spielt mit Gegensätzen von modern und klassisch: Neben annähernd zeitgemäß wirkenden Röhren-Hosen mit Beschichtung sind vor allem klassische Beinkleider mit Bügelfalte und altmodischen Blumen-Prints zu sehen.

Das Highlight fast jeder Show ist das Brautkleid als krönender Abschluss. Bei Thomas Rath empfinden wir dies als Low-Light: Das Kleid aus Creme-Weiß schimmerndem Stoff wirkt durch den matten Effekt des floralen All-Over-Prints eher gelblich und schafft es damit nicht, über den wenig mutigen Schnitt hinwegzutäuschen.

Bei der Männermode von Thomas Rath gibt es wenig Hoffnung für moderne Fashion-People. Das Aufregendste, was über den Laufsteg läuft, ist das oberkörperfreie Männer-Model Jeremy Williams in einfachen Jeans. Ansonsten lassen vor allem klassische Jacketts und Stoffhosen mit Bügelfalte grüßen. Grau und Dunkelblau sind die vorherrschenden Farbwelten, die den alt-englisch wirkenden Looks leider auch keinen modernen Touch verleihen. Die Männerkollektion charakterisieren wir als konsumtauglich.

Leider blieb dieser junge Mann der einzige Hingucker der Show...   Copyright: ​Getty Images for PLATFORM FASHION

Die Thomas Rath Herbst/Winter Kollektion macht einen eher unspektakulären Eindruck. Klassische Schnitte, klassische Prints und klassische Farben. Angesichts der reifen Zielgruppe hat dieses Konzept aber durchaus seine Daseinsberechtigung und wird wohl vor allem für den Designer selbst eine lukrative Angelegenheit sein. Eben eine Kollektion für die vermögende Mutti und den Vati von nebenan, die nichts gegen Pelz und ganz besonders klassische Mode einzuwenden haben. Was man vermisst? Einfach einen Hauch mehr Jugendlichkeit, die auch eine jüngere Zielgruppe anspricht, denn schließlich verfügt der Designer mit Entertainer-Qualitäten über einen hohen Bekanntheitsgrad bei Jung und Alt.

Als die Show beendet ist, regnet es goldenes Konfetti von der Decke, Thomas Rath verteilt Küsschen in der Front Row, strahlt über beide Ohren und herzt seine Lieblingsgäste. Die Party ist gelungen, die Kollektion lässt Design-Innovation vermissen. Das ansonsten so stringente Rath-sche Konzept - durchdesignt vom Motto "Schottland" über die Inszenierung und die Gestaltung der Einladungskarten bis zur schicken Website - all das kommt in der Kollektion viel zu wenig raus.

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