Luxuslabels

​Was ist denn bloß mit Gucci los?

11.02.2015 / 18:13 Uhr

Das Luxuslabel Gucci sorgte in jüngerer Vergangenheit für einige Schlagzeilen. Höhepunkt war sicher die Nachricht, dass Alessandro Michele neuer Kreativdirektor des Labels wird. Er ist ein wenig beschriebenes Blatt der Branche. Michele folgt auf Frida Giannini, unter deren kreativer Führung das Label wohl zu viel Schaden nahm - zumindest im Nachhinein betrachtet.

Den Entscheidern bei Kering, der französischen Mutter von Gucci, haben die Arbeiten von Giannini zuletzt wohl immer weniger geschmeckt. Jetzt soll es der Mann richten, der bislang den Bereich Accessoires verantwortete. Dass man sich bei einer solchen Top-Personalie aus der eigenen Linie bedient, ist bei Gucci nichts Ungewöhnliches. In der Nach-Tom-Ford-Ära ist dies sogar die Regel gewesen. Gleichwohl habe man sich auch auf dem Markt nach größeren Namen umgeschaut, wie der neue Gucci-Chef Marco Bizzarri, der zu Jahresbeginn Patrizio die Marco beerbte, gegenüber dem Fachblatt Womens’s Wear Daily erläuterte. Gucci ist dann aber doch in den eigenen Reihen fündig geworden.

Allessandro Michele stellt seine erste Kollektion für Gucci als neuer Kreativdirektor vor.   Copyright: Vittorio Zunino Celotto / Getty Images

Die Umsätze Guccis sind zuletzt in dem sonst weiter boomenden Luxussegment rückläufig gewesen. Die Arbeiten Gianninis wurden von der Fachwelt eher kritisch beäugt. Zu trivial sei die Mode gewesen, zu wenig exklusiv, heißt es. Ende Februar nun wird die erste Damenmode-Kollektion unter Alessandro Michele vorgestellt. Die Spannung ist groß, den Druck dürfte der neue Kreativchef deutlich spüren. Für seine Arbeit im Bereich der Accessoires hat er viel Lob einstreichen können, aber kann er auch Mode? Im Herrenmodebereich hat er kürzlich bereits einen kleineren Achtungserfolg eingeheimst.

Der Tanker Gucci fährt in schwerer See, angeschlagen ist er aber noch lange nicht. Der Aktivismus des Mutterkonzerns ist eher damit verbunden, dass Gucci die Melkkuh des Konzerns Kering (früher PPR) ist, zu dem Labels wie Bottega Veneta, Balenciaga und auch Puma gehören. Deutlich über die Hälfte des operativen Gewinns des Konzerns steuert nämlich Gucci bei. Das soll selbstverständlich so bleiben. Und auch wenn Alessandro Michele der vielleicht notwendige Glamour noch fehlen sollte, wird sich Gucci mit seiner großen Tradition und seinem großen Namen im Luxussegment weiter behaupten können.

Alessandro Micheles Premiere: Die Gucci Männerkollektion für den Herbst/Winter 2015/2016.   Copyright: Vittorio Zunino Celotto / Getty Images

Das aber schließt nicht aus, dass auf Kostenseite auch die eine oder andere Veränderung angestrebt wird. Und das könnte vor allem die Shopexpansion betreffen. Eine Verkleinerung des Ladennetzes, auch im deutschsprachigen Raum, ist in jedem Fall denkbar und möglich. Wird das die Begehrlichkeit nach Mode und Accessoires aus dem Hause Gucci schmälern? Sicher nicht. Und die Positionierung im Luxusmodebereich wird sicher auch nicht aufgegeben. Ganz im Gegenteil: Die Macher werden alles dafür tun, Guccis Luxus-Profil zu schärfen und so wieder in die Erfolgsspur zurückzukommen.

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