Modetrend

High Fashion-Kooperationen: Top-Designer für Jedermann?

styleranking
Von styleranking
17.09.2017 / 09:00 Uhr

Von Caroline Macaraig und Franziska Gajek

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Diese Worte von Chanel-Designer Karl Lagerfeld tönen uns noch immer in den Ohren. Der Mann, der den Pferdeschwanz auch bei Männern salonfähig macht, gilt als Inbegriff von High Fashion und noch höheren Ansprüchen. Und doch war er der Erste, der 2004 eine Kollektion für die schwedische Modekette H&M entwarf und damit den Weg für eine wahre Welle an Kooperationen ebnete. Seinem Vorbild folgten Stella McCartney, Roberto Cavalli und Jimmy Choo - um nur einige zu nennen. Auch andere Brands zogen nach und brachten ihre eigenen Designerkooperationen auf den Markt. Bis heute bleibt uns dieser Trend erhalten und erlebt derzeit seinen absoluten Höhepunkt. Wir haben das einmal genauer unter die Lupe genommen und zeigen euch die aktuell angesagtesten Kollaborationen.

Oops!... He did it again!

Genau 13 Jahre nach seinem Design-Ausflug zu H&M wagt es Karl Lagerfeld erneut: Er entwirft eine Kollektion für das Streetwear-Label Vans. Je sechs Sneaker sowie weitere Kollektionspieces hat der Modezar exklusiv mit seiner Handschrift versehen. Alle Modelle sind in Schwarz-Weiß gehalten, ganz nach dem Stil von Lagerfeld, der selbst ausschließlich diese Farben trägt. Zudem hat der Designer das Vans-typische Schachbrettmuster neu interpretiert und die Vierecke in winzige Karl-Silhouetten umgewandelt. Ob Karl Lagerfeld hier allerdings wirklich selbst am Werk war, bleibt fraglich. Der gebürtige Hamburger designt jährlich acht Kollektionen für das Label Chanel, vier für die eigene Linie Karl Lagerfeld sowie zwei weitere Prét-a-porter-Kollektionen für Fendi. Fashion-Design auf höchstem Niveau, das eine Menge kreativer Ausdauer erfordert. Wie viel Kreativität da noch für die zahlreichen Designkooperationen übrig bleibt, lässt sich an dem beinahe langweiligen Design der Vans-Kollektion recht gut ablesen. Eine der vielen Kollaborationen, bei der es um den berühmten Namen und nicht um das innovative Design des Produkts geht.

H&M gibt Partner für Designerkooperation 2017 bekannt

Trommelwirbel…. Der diesjährige Gast-Designer des schwedischen Modehauses heißt: Erdem! Der Brite wird erstmals neben der Damen- auch eine Herrenkollektion für H&M entwerfen. Beide werden ab November erhältlich sein. Seit 2004 bringt die schwedische Modekette jedes Jahr eine exklusive Kollektion mit wechselnden Designern auf den Markt und hat die Designerkooperation zu einer festen Institution in der Modewelt etabliert. Vor allem H&M profitiert von den großen Labels auf den Etiketten ihrer Mode: Balmain, Versace, Marant. Namen, die zahlreiche Fashion-Victims in die Stores locken. Bereits Stunden vor Ladenöffnung wartet die Modemeute, um eines der begehrten Stücke zu ergattern. Ist diese Hürde geschafft, sind die Kunden gern bereit, deutlich mehr Geld auszugeben, als es für Mode von H&M üblich ist. Wer doch zu spät kommt, dem bleibt oft nur der Blick auf Ebay, wo die Teile zu einem Vielfachen der Ladenpreise feilgeboten werden. An dieser Stelle ein kleiner Geheimtipp: H&M verfügt auch über ein Bestellhotline. Wenn bei der nächsten Kooperation also mal wieder der Onlineshop zusammenbricht, versuche es per Telefon. Da stehen die Chancen, eines der begehrten Teile zu ergattern, gar nicht so schlecht.

Der britische Designer Erdem Moraliglu designt exklusiv für H&M. Die Kollektion ist ab November 2017 erhältlich. Copyright: Getty Images   Copyright: Stuart C. Wilson/ Getty Images

Fashion goes Art

Um sich in der großen Flut der Designerkooperationen abzusetzen, gehen die Brands immer exklusivere Kollaborationen ein. Gleich zwei Modelabels, die unterschiedlicher nicht sein könnten, bringen jetzt Kunst auf Ihre Produkte: Der französische Luxus-Konzern Louis Vuitton kollaboriert mit dem US-amerikanischen Künstler Jeff Koons. Dieser verziert die exklusiven Handtaschen mit der Mona Lisa oder Werken von Van Gogh. Kunst und Mode gleich Mona Lisa auf Handtasche? Hört sich nach dem ersten Griff an und sieht leider auch so aus. Ob die Mona Lisa mit einem kleinen LV-Logo auf dem Gesicht durch die Straßen der Modemetropolen spazieren getragen werden sollte, ist für Kunstliebhaber sicher eindeutig zu beantworten. Bei dieser Kooperation scheint es nicht um die Verbindung der vor Vielfalt sprühenden Welten Kunst und Mode zu gehen. Denn warum sonst finden sich auf den It-Bags Kopien großer Gemälde, statt Kunstwerke von Jeff Koons selbst? Ganz einfach. Die Mona Lisa und Van Gogh verfügen über einen deutlich höhreren Bekanntheitsgrad. Für die kommerzielle Nutzung sind sie damit bedeutend besser geeignet als Jeff Koons und seine eigenen Werke.

Dass es auch feinsinniger geht, zeigt die britische Kult-Schuhmarke Dr. Martens. Gemeinsam mit dem Londoner Museum Tate Britain entstand die Special EditionWilliam Blake“, die nach dem gleichnamigen Künstler benannt ist. Auf zwei Modellen sind die Werke des Dichters und Malers aus dem 19. Jahrhundert abgebildet. Der gebürtige Londoner Blake hatte zeitlebens mit der Ablehung seiner Kunst zu kämpfen, wurde aber im 20. und 21. Jahrhundert zahlreich in Pop-und Rocksongs von Bands wie The Verve oder den Pet Shop Boys zitiert und gewürdigt. Neben seiner Tätigkeit als Dichter interpretiert er als Maler mythische Geschichten und erweckt diese mit bedrohliche Farblichkeit zu Leben. Eine Kooperation, bei der Produkt und Kunst eine harmonische und aufregende Symbiose eingehen. Und eine Kollaboration, die die Kunst vergangener Zeiten in den Mittelpunkt stellt und das Design des eigentlichen Dr. Martens damit wesentlich beeinflusst.

Kunststücke aus der Dr. Martens Special Edition „William Blake“. Copyright: Dr. Martens

Jetzt gibt’s was auf die Ohren

Music meets Style: Das High-Fashion-Label Balmain realisiert ein gemeinsames Projekt mit Beats by Dr. Dre! Testimonial Kylie Jenner präsentiert die exklusiv von dem französischen Modehaus designten Kopfhörer in der neuen Kampagne. „Da Beats meine Lieblingskopfhörer sind, bin ich besonders aufgeregt Teil dieser Kampagne zu sein. Musik bedeutet mir sehr viel. Wenn du einen Song spielst, den du liebst, kann das deine komplette Laune beeinflussen. Ich denke viele Menschen können dieses Gefühl nachempfinden. Ich liebe die Wirkung, die Musik auf uns haben kann,“ erklärt Jenner. Die Kopfhörer gibt es in den Trendfarben Olive und Rosé. Eine Kooperation, die einmal mehr das Gefühl von Zugehörigkeit verkauft. Zugehörigkeit zu einem elitären High-Fashion Zirkel, der sonst nur mit dem nötigen Kleingeld zu betreten ist. Ein Balmain-Kleid kostet gern mal 2.000 Euro und mehr, die Kopfhörer gibt's für 600 Euro. Immer noch viel Geld, aber schließlich steht Balmain drauf und Kylie Jenner persönlich liebt die Kopfhörer. Der Haben-Wollen-Prozess könnte kaum besser angekurbelt werden.

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Kooperationen von High Fashion Designern mit anderen Labels ermöglichen es uns, an der großen weiten Welt der Designermode teilzuhaben. Sie ermöglichen es uns, mit günstigen Alternativprodukten einen Lebenstil, der unerreichbar scheint, in unserern eigenen zu integrieren. Sie machen großes Design erlebbar für jedermann. Dennoch ist bei all diesen Produkten zu beachten: Auch wenn Lagerfeld seine Finger mit im Spiel hat, tragen wir Vans. Auch wenn Erdem im Etikett steht, kaufen wir ein Kleid bei H&M. Auch wenn Balmain die Farben für die neuen Kopfhörer ausgesucht hat, hören wir unsere Musik mit Beats Kopfhörern. Wir sollten also vor allem darauf achten, dass uns das Produkt gefällt. Unabhängig davon, welches Label es trägt. Dann macht nicht nur das Shoppen Spaß: Die Freude an dem neuen Lieblingsteil hält auch bedeutend länger an.

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