Meinung

Wie eine Jeansjacke das Leben sicherer macht

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
26.11.2017 / 11:00 Uhr

Levi's hat gemeinsam mit Google Jacquard eine intelligente, Verzeihung, smarte Jacke auf den Markt gebracht. Diese ermöglicht uns, beim Radfahren zu kommunizieren. Eine Technologie, die sicher viel kann, außer den angeblichen Grund für ihre Entwicklung glaubhaft umzusetzen.

Googles Argument für das smarte Kleidungsstück mit dem sperrigen Namen Levis Commuter Trucker Jacket: Unser Verkehr soll gefahrlos verlaufen. Gott sei Dank, dass sich endlich eine kompetente Institution um unsere Sicherheit kümmert.

Jeansjacken, die einfach nur gut aussehen? Damit ist jetzt Schluss.   Copyright: Shutterstock

Google möchte das Wissen der Welt sortieren und nutzbar machen. Der logisch nächste Schritt: Die Menschheit retten. Zunächst im Straßenverkehr. Mit der smarten Jacke sollte das in Zukunft kein Problem mehr darstellen. Nur kurz die Hand bewegen, dann liest die Jacke Nachrichten vor. Sie überträgt Musik ins Ohr. Und der Träger bedient kinderleicht Navigations-Apps. Damit zählt die Jacke zum gigantisch wachsenden Bereich der smarten Kleidung.

Unsere Kleidung gibt sich bereits heute intelligenter als ihr Träger. Sie weiß mehr, sie kann mehr, sie arbeitet effektiver und die Akkulaufzeit überschreitet die einiger menschlicher Wesen auch deutlich. Vor langer Zeit bereits ersetzten wir reale Kommunikation durch virtuelle. Wir begannen Konzert-DVDs zu schauen, anstatt Live-Events zu besuchen. Wir fragten nicht mehr nach dem Weg, sondern warfen Google Maps an. All das klingt heute irgendwie banal. Warum also sollen wir nicht auch Absteigen und Nachschauen durch Weiterfahren und wild Gestikulieren ersetzen. Ist ja eh viel sicherer, wenn man mit einem Arm am Lenkrad und dem anderen in der Luft versucht, eine unsichtbare Macht zu kontrollieren, die irgendein Nerd Bluetooth genannt hat. Wo ist eigentlich Luke Skywalker wenn man ihn braucht?

Radfahren und dabei aufs Handy schauen gehört ab sofort der Vergangenheit an. Die smarte Jacke kommuniziert für dich.   Copyright: Shutterstock

Die Frage ist: Warum fahren wir überhaupt noch mit dem Rad? Oder bewegen uns fort? Home Office ist schon lange kein feuchter Traum von Agoraphobikern mehr (das ist die Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln). Warum radeln, um am Waldrand ein Picknick zu machen? Bitte, an welcher Stelle kommt da Netflix vor?

Besser hätte Google also gleich das ganze Fahrrad digitalisiert, statt eine simple Jeansjacke. Das wäre wirklich sicher. Virtuelles Radfahren. Morgens 20 Minuten vor dem Beginn der Arbeitszeit im Home Office und am Wochenende auch mal länger. Mit integriertem Puls-Messgerät natürlich, das einen aus Algorithmen zusammengebastelten Herzschlag beisteuert. Digital versteht sich, also virtuell, also nicht echt! Währenddessen haben wir genug Zeit, unsere Daten an Google zu senden. Und zu kaufen. Ganz viel. Das ist online ohnehin sicherer. Und erwartungsgemäß werden unsere Käuferprofile um ein vielfaches besser funktionieren als die Bluetooth gesteuerte Commuter Trucker Jacket. Die brauchen wir ohnehin nicht mehr, wenn wir nur noch virtuell existieren. Auch keine andere Kleidung mehr. Aber was sollen wir dann kaufen?

Google konzerntriert sich mit Google Jacquard auf den riesigen Markt der smarten Kleidung.   Copyright: Uladzik Kryhin / Shutterstock.com

Vielleicht war es also doch gut, dass Google nicht gleich das ganze Fahrrad ersetzt hat. Was allerdings das Thema Sicherheit betrifft, bleibt folgende Idee zu prüfen. Wäre es nicht zielführender, Google hätte eine Kampagne für das Tragen von Fahrradhelmen finanziert? Für sicheres Radfahren wäre das sicher ein größerer Erfolg gewesen.

Die mit Shutterstock gekennzeichneten Bilder stammen aus der Datenbank Shutterstock.

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