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Young, wild and free: Die Impuls_03 Graduate Fashion Show der HTW Berlin

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
10.07.2015 / 12:14 Uhr

Von Moritz Lindert (Text) und Cosima Scholz (Fotos)

Berlins Design ist jung, neugierig und innovativ. In der Hauptstadt schlummert so viel modisches Potenzial, das gefördert werden will. Das schreiben sich nicht nur namenhafte Branchengrößen wie Vogue-Chefin Christiane Arp und Designer Zac Posen auf die Fahnen, sondern auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion zeigt die Einrichtung die besten Abschlusskollektionen aus ihrem etablierten Studiengang Modedesign. Mit dabei in der Impuls_03 Graduate Fashion Show: 15 frisch gebackene Modedesigner und ihre Entwürfe - Tragbares, Streitbares und Wunderbares.

15 Designer und 15 verschiedene Inspirationen: Was bei der Graduate Fashion Show gezeigt wird, ist fast so breit wie die Berliner Modewoche selbst. Experimente mit netzartigen Stoffen, voluminöse Farbevolutionen und stiller, zurückhaltender Minimalismus gehen am Donnerstag Abend im Fashion Zelt am Brandenburger Tor Hand in Hand. Dabei ist nicht jede der präsentierten Abschlussarbeiten Streetstyle-tauglich. Die Absolventen probieren sich und ihr Handwerk aus, erfinden neue Materialien und setzen diese extravagant ein.

Ein Thema, das dabei immer wieder präsent wird, ist die digitale Welt. Vereinsamung und die Suche nach Heimat und Zuflucht in einer hypermobilen Umwelt beschäftigen die Mode der Digital Natives. Dana Kanin sucht nach neuen Ausdrucks- und Inszenierungsformen im Netz und bedruckt weite Kaftane und Roben mit dichten HTML-Codes. Saskia Juliane Kummle will mit ihren Entwürfen eine Form des portablen Heimathafens schaffen. Ihre Models tragen voluminöse Pullover und Mäntel in Waffelstrick, die den Körper umschließen wie ein wohliges Zelt gegen die Welt. Ihre Kommilitonin Wiebke Lebus treibt die Suche nach dem Zuhause sogar ins Materielle und setzt ihren Looks ein stilisiertes Puppenhaus auf den Kopf - keine tragbare, aber eine deutliche Aussage.

Dach über dem Kopf: Wiebke Lebus nähert sich der Suche nach Heimat experimentell.   Copyright: Cosima Scholz / styleranking

Doch auch die leiseren Inszenierungen finden bei der Graduate Fashion Show ihren Wert und überzeugen mit einer klaren und dennoch innovativen Gestaltung. Annika Putscher überträgt in ihrer Abschlusskollektion technologisch anmutenden Linienmuster auf weit geschnittene Hosenanzüge und Jumpsuits mit tiefen Kellerfalten. Von körpernahen zu körperfernen Formen bewegt sie sich fließend und schafft so einen Look, der tragbar aber dennoch ausdrucksstark ist. Sarah Försterkombiniert in ihrer Kollektion "Misanthrop" pudrige Farben mit gekonntem Layering und geometrischen Accessoires. Sie setzt klassische Kleidungsstücke, wie den Reitermantel in ungewohnten Materialien wie Kautschuk um und präsentiert dazu verkürzte, mehrlagige Pullover und Blusen - eine Kollektion, die wir uns so bereits auf der Straße vorstellen können.

Lea Semmels "Aura Soma" arbeitet mit geometrischen Lasercuts auf skulpturalen Schnitten.   Copyright: Cosima Scholz / styleranking

Besonders stark ist auch die Abschlussarbeit von Absolventin Lea Semmel, die in ihrer Kollektion "Aura Soma" technisch ausgefeilte Laser-Cut-Outs verwendet, um Tiefe zu erzeugen. Gerade geschnittene Mäntel und in scharfe Falten gelegte Onepieces werden gerafft und mit feinen Schriftzügen veredelt. Lea Semmel beherrscht nicht nur die cleane Gestaltung, sondern auch die hochwertige Umsetzung. Wir sind bereits gespannt, ob wir sie oder einige ihrer 15 Kommilitonen in der nächsten Saison mit einer eigenen Show auf der Mercedes-Benz Fashion Week begrüßen können.

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