Influencer Interview

Betty Taube: „Ich mag es nicht, wenn mich jemand als Influencer bezeichnet"

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
22.06.2018 / 14:05 Uhr

Betty Taube kann mit dem Begriff Influencer nicht viel anfangen. Das überrascht. Immerhin verzeichnet ihr Instagram-Account über 950.000 Follower, Tendenz steigend. Doch um den perfekten Feed, wirkungsvolle Hashtags oder bearbeitete Bilder macht sich Betty keine Gedanken. Sie begeistert sich fürs Fliegen, plant sogar an Wettkämpfen teilzunehmen. Sie postet unregelmäßig, ohne Konzept und zeigt einen bunten Mix aus Ehe, Modelleben und Flugschule.

Gerade das lieben ihre Fans. Alles an Betty wirkt natürlich. Ihr Lachen, ihre unbedarfte Art, ihre Einstellung zu Ruhm und Geld. Als wir uns anlässlich ihrer Kooperation mit Garnier in Düsseldorf zum Interview treffen, spielt sie so lange an ihren bunten Holzarmreifen herum, bis einer bricht. Lachend sagt sie “Huch, jetzt ist er kaputt”, und plaudert munter weiter über Social Media, Fans die Angst vor ihr haben und die Schattenseiten des Model-Business.

Betty heißt eigentlich Taube-Günter mit Nachnamen, nachdem sie 2016 den Fußballspieler Koray Günter heiratet. Auf Instagram finden wir sie aber noch unter ihrem Mädchennamen.   Copyright: Thomas Niedermueller / Getty Images

styleranking: Warum passt du zu Garnier?

Betty: Die Marke präsentiert sich sehr natürlich. Außerdem verkörpert Garnier Jugend und Frische. Ich mag es schnell und unkompliziert. Das passt super zu Garnier.

styleranking: Worauf legst du wert bei Kooperationen?

Betty: Ich möchte zu der Marke passen. Deswegen würde ich keine Werbung für Mode oder Pflegeprodukte machen, die ich selbst nicht trage oder verwende. Ich setze nur um, worauf ich Bock habe.

styleranking: Wirst du häufig von Fans und Followern angesprochen?

Betty: Die sind eher verhalten, wenn sie mir begegnen. Auch wenn meine Follower mich erkennen, trauen sich viele nicht, mich anzusprechen. Manche Fans rennen eine halbe Stunde hinter mir her, ohne nach einem Foto zu fragen. Ich weiß nicht woran es liegt. Ob ich böse aussehe? Die Mädels, die sich doch trauen, zittern ganz doll, wenn ich sie umarme. Das finde ich süß.

„Die Zahl der Follower hatte nie eine große Bedeutung für mich"

styleranking: Du hast fast 1 Million Follower auf Instagram. Wie fühlt sich das an?

Betty: Tatsächlich kann ich das nicht realisieren. Es ist eben nur eine Zahl im Internet. Wenn ich meinen Mann im Stadion besuche, frage ich immer: „Schatz, wie viele Leute sitzen hier?“ Dann versuche ich mir vorzustellen, wie viele Stadien meine Follower füllen würden. Da wird mir bewusst, wie viele Menschen meinem Leben online zuschauen.

styleranking: Bekommst du dieses Jahr die Million voll?

Betty: An Silvester habe ich meine 900.000 geknackt. Es wird eng. Aber die Zahl der Follower hatte nie eine große Bedeutung für mich. Wenn bei Instagram 1M stehen würde, wäre das natürlich krass.

styleranking: Was macht deinen Erfolg aus?

Betty: Ich unterscheide mich von anderen Instagramern und Influencern. Influencer posten täglich ein Bild, manchmal auch mehr. Ich veröffentliche vielleicht alle zwei Wochen ein Foto. In meinem Leben passiert nicht jeden Tag etwas Aufregendes, sowie bei den anderen. Ich frage mich, wie die das machen. Aktuell mache ich meine Flugschule und da tun mir meine Follower schon leid, weil ich immer Sachen vom Fliegen poste. Aber genau dahinter steckt mein Erfolgsgeheimnis. Ich versuche nicht zwanghaft irgendwas Cooles zu machen. Mein Content entsteht nicht für Instagram. Ich nehme Instagram einfach mit.

„Ich habe gelernt, dass man es nicht allen Menschen recht machen kann"

styleranking: Beschreibe einem Nicht-Follower deinen Account.

Betty: Abenteuerlich, farbig, unregelmäßig. Mein Account präsentiert sich ganz natürlich. Allein schon, weil ich keine Fotos bearbeiten kann. Wenn ich beim Essen neben meinen Instagram-Freundinnen sitze, muss ich fünf Minuten warten, bis ich endlich essen darf. Anschließend bearbeiten die die Bilder oder schneiden Sachen raus. Ich habe keine Ahnung wie das funktioniert. Ich finde es toll, wenn ein Feed ein richtiges Konzept hat und alles in Rosa getaucht ist. Aber ich bekomme das nicht hin. Bei mir ist alles durcheinander.

styleranking: Wie gehst du mit negativen Kommentaren auf deinen Accounts um?

Betty: Zur Zeit von Germany's next Topmodel habe ich mir die Kritik echt zu Herzen genommen. Wenn jemand meine Haare hässlich fand, habe ich geglaubt, dass meine Haare tatsächlich hässlich aussehen. Mittlerweile muss ich darüber lachen. Ich habe gelernt, dass man es nicht allen Menschen recht machen kann. Ich gehe Fliegen und die Menschen meckern, weil ich die Umwelt verschmutze. Aber es handelt sich um meinen Instagram-Kanal und mein Leben.

styleranking: Hast du auf deinem Kanal mit Body Shaming zu tun?

Betty: Nein. Die Leute sagen nur, dass meine Füße extrem groß aussehen. Aber das entspricht der Wahrheit. Ansonsten lade ich auch nicht so viele Bilder von mir hoch. Andere Influencer zeigen sich ständig auf Selfies, aber ich nehme die Welt auch aus meiner Perspektive auf.

styleranking: Was rätst du Newcomer-Models, die gerade in die Branche einsteigen?

Betty: Das Model-Business präsentiert sich echt hart. Du gehst zu einem Casting und die Verantwortlichen sagen dir ins Gesicht, was ihnen nicht passt. Zu Beginn habe ich geschluckt und gedacht, ich sei hässlich. Während der Fashion Week geht es nur um mein Aussehen. Da fühle ich mich immer ein bisschen geläutert. Deswegen sollten junge Models auf dem Schirm haben, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt. Aber dieser Prozess dauert. Jedes Model muss den gleichen Weg gehen.

„Als Influencer muss ich Dinge verkaufen"

styleranking: Bist du ein Influencer?

Betty: Ich mag es nicht, wenn mich jemand als Influencer bezeichnet. Ich arbeite als Model. Aber tatsächlich habe ich mich zur Influencerin entwickelt. Das liegt auch an der Veränderung im Model-Business. Früher haben sie dich gefragt, ob du in den Katalog willst. Heute fragen sie nach einem Instagram-Post. Das fällt in die Kategorie leicht verdientes Geld. Die Arbeit ist überschaubar. Deswegen will ich mich nicht beschweren und lasse mich gern als Influencer bezeichnen.

styleranking: Wie wirst du deiner Vorbildfunktion auf Instagram gerecht?

Betty: Die Vorbildfunktion auf Social Media zu erfüllen, gestaltet sich schwierig. Wie andere morgens ihre Brötchen verkaufen, arbeite ich als Model und Influencer. Bäcker wissen, dass Zucker und Weizen in ihren Backwaren enthalten ist. Sie verkaufen sie trotzdem, weil’s schmeckt. So muss ich als Influencer auch Dinge verkaufen. Das ist mein Job. Natürlich kann jeder Influencer selber entscheiden, hinter welchem Produkt er steht. Ich weiß, dass ich eine Vorbildfunktion habe. Aber ich muss auch von irgendwas meine Miete bezahlen.

Betty liebt Latzhosen und zeigt auf der Fashion Week in Berlin, wie stilsicher sie jede Form von Einteiler kombiniert.   Copyright: Andreas Rentz / Getty Images

styleranking: Beschreibe deinen Modestil.

Betty: Ich finde meinen Style langweilig. Oft versuche ich, etwas daran zu ändern. Das fällt mir jedoch schwer. Wenn man das Mode Gen nicht hat, dann hat man’s nicht. Aber ich ziehe gern verrückte Schuhe an. Ich trage zum Beispiel neonfarbene oder gelbe Schuhe oder kombiniere Gummistiefel zu meinen Looks.

styleranking: Hat Mode die Kraft, sich auf deine Stimmung auszuwirken?

Betty: Für mich existieren zwei Arten von Mode. Haute Couture fällt für mich in die Kategorie Kunst. Dann existiert Mode, die für den Alltag gedacht ist. Darin fühle ich mich wohl. Ich besitze zum Beispiel eine schwarze Lederhose, die ich zu allem kombiniere. Dieses Kleidungsstück verleiht mir ein Gefühl von Sicherheit. Ansonsten gibt es Tage, an denen ich mich morgens schön fühle. An anderen Tagen wiederum kann mich nicht mal das schönste Kleid der Welt retten.

styleranking: Welchen Look trägst du an einem solchen Tag?

Betty: Ich liebe Latzhosen. Die ziehe ich an, ohne dass mich interessiert, was die Leute über mich sagen.

„Niemals würde ich einem Star Sachen nachkaufen"

styleranking: Verrate uns deine absoluten Fashion No-Gos.

Betty: Ich finde Socken in Sandalen schlimm. Als Ausnahme gelten nur süße Pumps in Kombination mit Rüschen Söckchen. Blümchenkleider mag ich auch nicht. Außerdem kann ich Choker nicht leiden. Wenn ein Trend umgeht, den alle aufgreifen, wird dieser Trend uninteressant für mich.

styleranking: Welcher Star dient dir als modisches Vorbild?

Betty: Ich habe keine Vorbilder. Niemals würde ich einem Star Sachen nachkaufen. Bei den ausgefallenen Looks von Rihanna oder Gigi Hadid denke ich immer: Ihr könnt das auch nur tragen, weil ihr berühmt seid.

styleranking: Was gehört in deine tägliche Routine?

Betty: Mascara. Ich kann nicht ohne aus dem Haus gehen. Von Natur aus besitze ich zum Glück sehr lange Wimpern, die ich dann gerne betone. Meine Wimpern sind das einzige, was ich zu 100 Prozent an mir mag.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Betty.

Betty Taube wird 1994 in Eberswalde geboren. Bekannt wurde sie durch die Teilnahme an Heidi Klums Castingshow Germany’s next Topmodel im Jahr 2014. Betty erreichte das Halbfinale und arbeitet seitdem hauptberuflich als Model, unter anderem für Designer Guido Maria Kretschmer. Der kennt sie auch aus ihrer Teilnahme bei Promi Shopping Queen. Betty erreicht Platz 1 des Outfitwettbewerbs. Seit 2016 ist Betty mit dem Fußballstar Koray Günter verheiratet.

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