Influencer Interview

Carmushka: "Ich finde den Begriff Influencer sehr abwertend"

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
08.02.2020 / 12:00 Uhr

Carmen Kroll arbeitet als Content Creator, schreibt einen Blog, führt ihre Modemarke, setzt sich für den Austausch unter Influencern ein, verkauft eigene Presets und engagiert sich sozial. Ihre Follower kennen dieses Multitalent als Carmushka. Täglich teilt sie auf Instagram ihr Leben, macht auch vor Tabuthemen nicht halt und erarbeitet sich damit eine sehr gute Engagement Rate von 4,7 Prozent bei stetig wachsenden 839k Followern. Dabei beweist Carmushka ein Händchen bei der Auswahl von Kooperationspartnern.

Wir treffen Carmen und ihren Mann Niclas im Rahmen der Berlin Fashion Week. Gemeinsam mit Schwarzkopf besucht sie die VIP Beauty & Fashion Lounge im Hotel de Rome. Was Schwarzkopf zu einer attraktiven Marke für sie macht, was Instagram zu ihrem sozialem Engagement sagt und welche Geschäftsidee mal so richtig daneben gegangen ist, verrät sie uns im Interview.

Carmen Mercedes baut unter dem Namen Carmushka eine beachtliche Community auf. Die hat einen eigenen Namen. Carmen nennt ihre Follower Carmushkis.   Copyright: Carmushka

styleranking: Wer dich in den sozialen Netzwerken verfolgt, bekommt das Gefühl: Was du anfasst, wird zu Gold. Welche deiner Eigenschaften spielen die entscheidende Rolle für deinen Erfolg?

Carmushka: Ich bin sehr dankbar, dieses Leben führen zu dürfen und da zu stehen, wo ich jetzt bin. Mein Ehrgeiz hilft mir, die Dinge umzusetzen, die ich mir in den Kopf setze.

styleranking: Welche Fuck-up Story kannst du mit uns teilen?

Carmushka: Auf Ibiza hatte ich gemeinsam mit Freunden die brennende Idee, den Instagram Kanal “Pot with a view” zu eröffnen, bei dem uns die Follower ihre Aussichten von der Toilette zuschicken. Das haben wir zwei Tage lang durchgezogen. Das Ganze fällt aber eher in die Kategorie Urlaubs-Geck, aus diesem Projekt ist tatsächlich nichts geworden (lacht).

"Ich möchte Botschaften auf meine Art und Weise vermitteln"

styleranking: Wonach suchst du deine Kooperationspartner aus?

Carmushka: Im ersten Schritt überlege ich, ob ich das Produkt überhaupt bewerben möchte. Es muss sich um Marken handeln, deren Produkte ich testen möchte und die mir die Freiheiten überlassen, das Produkt authentisch und auf meine Art zu bewerben. Die Vorgaben sollten überschaubar sein und nicht zu sehr ins Detail gehen.

styleranking: Welche Bedeutung spielt kreatives Mitspracherecht in Kooperationsbriefings für dich?

Carmushka: Ich möchte Kooperationen authentisch angehen. Deswegen will ich darauf verzichten können, das gleiche zu zeigen, wie andere Influencer mit dem gleichen Briefing. Schließlich handelt es sich um meinen persönlichen Content. Ich möchte Botschaften auf meine Art und Weise vermitteln.

styleranking: Warum passt die Marke Schwarzkopf zu dir?

Carmushka: Den Sprühkleber von got2be benutzen Niclas und ich zusammen. Als die Kooperationsanfrage von Schwarzkopf kam, habe ich direkt zu Niclas gesagt: “Das sind doch die vom Sprühkleber. Das mache ich auf jeden Fall!”. (lacht) Die Marke passt außerdem sehr gut, weil sie mein einziger Kooperationspartner im Bereich Haare ist. Zuvor habe ich alle anderen Anfragen aus dieser Branche abgelehnt.

styleranking: Du hast das Carmushka Summer- und Winterhouse ins Leben gerufen. Warum kooperieren Brands mit dir und was sind deine USPs?

Carmushka: Meine authentische Art zählt sicher als USP. Ich lasse mir keine Worte in den Mund legen und kommuniziere alles, wie ich es meine. Ich möchte meine Kunden und meine Follower zufriedenstellen. Meine Follower sollen sich glücklich fühlen, wenn sie Produkte nach meiner Empfehlung kaufen.

"Der Markt ist nicht gesättigt"

styleranking: Du engagierst dich auch sozial. Gibt es dazu Kritik auf Social Media?

Carmushka: Ich habe in den vier Jahren, die ich als Content Creator arbeite, nie so viel positives Feedback erhalten, wie für die Carmushka Primary School. Die Leute haben das unglaublich positiv aufgefasst und mitgeholfen. Zusammen mit ihnen haben wir die Schule aufgebaut.

styleranking: Glaubst du, dass es noch Platz für neue Stars und erfolgreiche Kanäle im Social Media-und Influencer-Business gibt?

Carmushka: Der Markt ist nicht gesättigt. Ansonsten würde das Summer- und Winterhouse gar nicht veranstalten. Meiner Meinung nach haben viele Content Creatoren die Chance und das Potential, in diesem Business bekannt und erfolgreich zu werden.

styleranking: Welche Eigenschaften braucht es, um das Business professionell aufzubauen?

Carmushka: Du musst lernen, Aufgaben abgeben zu können. Das Team gilt als A und O jedes erfolgreichen Unternehmens. Trotzdem gehe ich jede Station selbst durch, sodass ich im Ernstfall alles alleine stemmen könnte. Was Aspekte wie BWL und Steuern angeht, sollte man sich unbedingt eine Profi an die Seite holen. Ich informiere mich selbst und lese mich ein, habe aber immer jemanden an meiner Seite, den ich bei bestimmten Angelegenheiten fragen kann.

styleranking: Du nennst dich selbst Content Creator. Kannst du dir vorstellen, dass es einen Shift vom Begriff Influencer zur Berufsbezeichnung Content Creator geben wird?

Carmushka: Das fände ich schön. Ich sage jedem, der mich Influencer nennt, dass ich Content Creator bin. Das meine ich nicht böse. Ich finde den Begriff Influencer sehr abwertend, weil er ausdrückt, dass Personen ständig von anderen Personen beeinflusst werden. Meiner Meinung nach besitzen die Follower aber eine eigene Meinung und können selbst entscheiden, was sie denken, sagen und tun.

styleranking: Was würdest du dir für das Influencer-Business wünschen?

Carmushka: Ich würde mir wünschen, dass mehr Personen ihre Reichweite nutzen, um etwas Gutes zu tun. Ich finde sehr wertvoll, was ich zusammen mit einer Community erreichen kann. Außerdem sollte sich das Business professionalisieren. Jeder in diesem Business sollte sich hinterfragen, ob er nur für sich oder die Branche arbeitet. Mit jeder nicht ernst gemeinten Kampagne, mit jedem “Ich mache das nur des Geldes wegen ” schadet man seinem eigenen Image, und der gesamten Branche. Das Resultat: Die Social Media-Welt wird nicht ernst genommen. Wir müssen zusammenhalten und noch mehr zusammenrücken - so wie in jeder kleinen Branche.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Carmushka.

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