Internet Trends Report 2019

Content für die Ohren: Podcast als neue Budget-Quelle für Influencer

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
21.08.2019 / 11:09 Uhr

Schnell durch den Feed scrollen. Hier ein Like, da ein Kommentar. Geht die digitale Zukunft auch tiefgründig? Ja. Podcasts liefern den Beweis. Hier werden Hörer manchmal gleich über eine Stunde lang an ein Thema gefesselt. Doch wie den Trend für sich nutzen? Wir wissen, welche Inhalte ankommen und was Influencer bei eigenen Podcast-Formaten beachten sollten.

Die geringe Aufmerksamkeitsspanne von Social Media Usern beschäftigt Influencer und Werbetreibende gleichermaßen. Laut einer Studie liegt die Aufmerksamkeitsspanne im Facebook News Feed bei gerade einmal 1,7 Sekunden. Die Lösung: schneller Content mit maximaler Informationsdichte, um Inhalte und Werbebotschaften an die entsprechende Zielgruppe heranzutragen. Bis jetzt. Podcasts erobern die Social Media Welt, stellt auch Mary Meeker in ihrem Internet Trends Report 2019 fest.

Podcasts: Noch viel Luft für innovative Formate.   Copyright: Shutterstock

Mit dem Hype um Podcasts büßt das Argument Aufmerksamkeitsspanne an Schlagkraft ein. In den USA steigt die Anzahl derer, die regelmäßig Podcast konsumieren, auf 70 Millionen Menschen, wie Mary Meeker publiziert. Mehr als jeder fünfte Amerikaner hört also regelmäßig Audiodateien über das Netz. Deutschland entwickelt sich in eine ähnliche Richtung. 22 Prozent aller Deutschen konsumieren Podcasts.

Inzwischen bringt das Metier eigene Influencer hervor. Max und Jakob von Beste Freundinnen verzeichnen 40.000 Abonnenten auf Spotify und 32,7 k auf Instagram - obwohl sie für ihre Zuhörer optisch anonym bleiben. Sie touren mittlerweile durch Deutschland.

Auch Unternehmen nutzen die zielgruppengerechte Ansprache inzwischen. Die ersten Marketingbudgets werden für Spots und in eigene Podcast-Produktionen investiert. Max und Jakob etwa werben für Schranksysteme oder Hörbuch-Anbieter. In den USA soll das Budget für Werbung im Bereich Podcast bis 2020 auf 400 Millionen Dollar ansteigen.

Leuchtfeuer der deutschen Podcast-Szene: Fest und Flauschig von Satiriker Jan Böhmermann und Musiker Oli Schulz. Der Podcast steht auf Platz eins der erfolgreichsten Spotify Podcasts weltweit. Ines Anioli und Leila Lowfire stehen mit ihrem Podcast Besser als Sex auf Platz neun des deutschen Spotify Rankings. Auch sie sind längst zu Influencern avanciert. Leila folgen mehr als 222 k bei Instagram, Ines verzeichnet 189 k Follower.

Internet-Queen Mary Meeker veröffentlicht jährlich ihren Internet Trends Report.   Copyright: Bond Internet Trends 2019


Jetzt springen immer mehr Instagram-Influencer auf den Zug auf. Sie veröffentlichen Podcasts, um sich abseits von Instagram ein Standbein aufzubauen. Kreativwunder Ana Johnson und Ehemann Tim nehmen Die Johnsons auf, Nina Schwichtenberg zeichnet den Fashiioncarpet Blogcast auf und Social Media Expertin Ann-Katrin Schmitz aka himbeersahnetorte startet vor wenigen Wochen mit dem Format Baby got Business auf Spotify. Early Adopter wie Masha Sedgwick und Lisa Banholzer haben ihre ersten Podcast-Gehversuche unter Matcha Latte zwar schon wieder beendet - wir gehen aber davon aus, dass alsbald neue Formate der beiden folgen werden.


Bei Familie Johnson, Nina Schwichtenberg, Masha und Lisa geht es um Real Talk. Die Influencer sprechen über private Lebenskrisen, prägende Ereignisse und Beziehungen. Diese Formate bieten wenig Business- oder Influencernutzwert, stärken aber die Verbindung von Influencer zu ihren Followern ungemein. Ann-Katrin Schmitz geht einen anderen Weg. Sie berichtet von den Hintergründen der Social Media-Marketingwelt und erzählt von ihrer Arbeit für den Kanal und Blog Novalanalove. Von diesen Insights und Erfahrungen können auch Marken lernen.

Keines dieser Influencer-Formate steht aktuell auf den Podcast-Bestenlisten. In Unterhaltung und Tabulosigkeit reichen die Influencer-Talks nicht an Formate wie Besser als Sex, Fest und Flauschig oder Beste Freundinnen heran. Die klassischen Influencer - so scheint es - bieten auffallend wenige Kontroversen in ihren Formaten. Die styleranking-Crew sieht bei Baby got Business das größte inhaltliche Potenzial.

Wie auf allen anderen Kanälen gilt auch im Podcast-Metier: Content counts. Influencer tun gut daran, Podcasts aufzunehmen, wenn entsprechend starke Inhalte vorhanden sind - nicht, weil das Format gerade angesagt ist. Luft für erfolgreiche Formate sehen wir aktuell allemal noch recht viel.

Wer sich in Sachen Influencer Marketing via Podcast weiterbilden möchte, kommt an den folgenden drei Formaten nicht vorbei. styleranking emphielt Influence! Der Podcast von Alina Ludwig, The Influencer Podcast von Julie Solomon und den OMR Podcast mit Philipp Westermeyer.

Alina Ludwig fokussiert den Bereich Influencer Marketing und spricht dazu im Interview-Format mit Experten aus der Branche - darunter mit Vertretern von Zalando, der Telekom oder Influencern selbst. Das englischsprachige Format The Influence Podcast behandelt ebenfalls Hintergründe des Influencer Marketings und teilt Branchentipps für Content Creatoren. Der OMR Podcast öffnet das Themenfeld und beschäftigt sich mit Online Marketing im Allgemeinen. Dazu spricht Westermeyer mit Branchengrößen von Produzent und Schauspieler Til Schweiger bis Philipp Markmann, Marketingchef von L'Oréal Deutschland.

Podcast, Online Gaming und Datenschutz gehören zu den Schlagworten, denen Mary Meeker, die “Queen of the Internet”, in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit widmet. Seit 24 Jahren veröffentlicht die ehemalige Wertpapieranalystin der Wall Street ihren Internet Trends Report. Die Digitalagentur Active Value wertet den 333 Seiten starken Report aus und filtert fünf Social Media Trends. Daraus leiten wir einige wesentliche Erkenntnisse ab, die Influencer 2019 bei ihrer Arbeit auf dem Schirm haben sollten. Im nächsten Beitrag geht’s um die Plattformen Twitch und Fortnite und ihre Potenzial auf dem Markt der Social Media Plattformen. Stay tuned.

*Die mit Shutterstock gekennzeichneten Bilder stammen aus der Datenbank Shutterstock.

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