Influencer-Interview

Diana zur Löwen: "Mir schreiben Frauen, dass sie erst durch meine Reels zum Frauenarzt gegangen sind"

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
22.10.2020 / 10:43 Uhr

Lange Zeit gehört Diana zur Löwen zu den festen Größen deutscher Beauty-und Lifestyle-Influencer:innen. Via YouTube und Instagram erreicht sie hundertausende Follower:innen. 2019 verändert sich ihr Content.

Diana thematisiert politische Entwicklungen, Topics rund um den weiblichen Körper und das Thema Gleichberechtigung. Heute finden wir auf dem YouTube-Kanal der 24-Jährigen Interviews mit CDU-Politiker Philipp Amthor oder Investor Frank Thelen und Videos zu Periodenprodukten der Zukunft, Folgen der Corona-Pandemie, Nachhaltigkeit, Sexualität oder Intimgesundheit.

Was hat diesen Wandel hervorgerufen und wie reagieren Kooperationspartner auf Dianas inhaltliche Ausrichtung? Wir haben mit ihr gesprochen und viel über Dianas Herzensthemen, den Umgang mit Kritik und ihr Treffen mit Gesundheitsminister Jens Spahn erfahren.

Wir verabreden uns mit Diana zur Löwen zum Telefon-Interview.   Copyright: Diana zur Löwen

styleranking: Du bespielst Instagram, YouTube und TikTok. Worin unterscheiden sich deine Inhalte auf den verschiedenen Kanälen?

Diana: Instagram dient mit als Hauptplattform, da ich meine Inhalte hier relativ leicht teilen kann. Die Plattform funktioniert wir ein Tagebuch für mich. YouTube-Inhalte wähle nach ihrem langfristigen Impact aus. Hier finden Inhalte Platz, für die sich meine Follower:innen Zeit nehmen. Bei TikTok probiere ich mich aus. Ich denke, dort kann ich eine ganz neue Zielgruppe erreichen.

styleranking: Auf deinem TikTok-Kanal sehen wir feministische oder gesellschaftskritische Inhalte. Bemerkst du einen Unterschied in der Reaktion der User im Gegensatz zu YouTube oder Instagram?

Diana: Die Zuschauer auf TikTok erscheinen mir jünger und gleichzeitig aufgeschlossener. Sie zeigen sich dankbar für solche Themen. Bei Instagram stört mich, dass ich auch einige Leute erreiche, für die der Content nicht gedacht war. Gerade bei feministischen Themen entdecke ich Männer-Kommentare, die mich wütend machen.

styleranking: Hat deine thematische Nische Potenzial für die Plattform TikTok?

Diana: Mich würde es freuen, mehr solcher Themen dort zu sehen. Ich glaube, dass junge Menschen diese Plattform sowohl nutzen, um sich unterhalten zu lassen, als auch um sich weiterzubilden.

@dianazurloewen

Männer sind keine Patientinnen. Jens Spahn antwortet.

♬ Originalton - Diana zur Löwen

styleranking: Welche Entwicklungen bei Social Media beobachtest du mit Sorge und welche mit Freude?

Diana: Ich denke, dass sich relevante Themen weiterhin durchsetzen und guter Content schneller gefunden wird. Darin liegt gleichzeitig die größte Herausforderung für Creator:innen. Gute Inhalte können neue Follower:innen ansprechen und geben einem die Möglichkeit, viel mehr Menschen zu erreichen. Kreativität in der Umsetzung neuer Tools auf den Plattformen spielt hier eine große Rolle.

Immer neue Features setzen Creator:innnen allerdings auch unter Druck. Social Media funktioniert nach dem Prinzip “immer mehr, immer schneller”. Gerade die Videoproduktion gestaltet sich aber viel aufwändiger, als die Fotoproduktion. Früher habe ich vielleicht ein bis zwei Fotos am Tag geteilt. Heutzutage wollen die Leute mehr konsumieren. Das setzt mich manchmal unter Druck. Deswegen ist es so wichtig, zu wissen, wo man thematisch hin will.

styleranking: Welche Themen stehen für dich im Fokus?

Diana: Zu Beginn der Corona-Pandemie habe ich den Frauenratgeber “Melationship” geschrieben. Mir liegt es am Herzen, über den weiblichen Körper zu sprechen - dies gilt natürlich auch für die Männer, die sehr ungern über Ihre Gesundheit sprechen und dementsprechend schlecht aufgeklärt sind. Wir brauchen hier deutlich mehr Aufklärungsarbeit. Mir schreiben Frauen, dass sie erst durch meine Reels zum Frauenarzt gegangen sind, weil ich zum Beispiel Vaginismus thematisiert habe. Gleichberechtigung finde ich - auch im medizinischen Bereich - ebenso wichtig. Es wird zu wenig zu Frauengesundheit geforscht, weswegen sich da auch politisch einiges tun muss.

Außerdem wäre es mir wichtig, Instagram realer zu gestalten. Ich finde es verrückt, wie viele Influencer:innen ihr Gesicht nur mit Filter zeigen. Ich plädiere für ein reales Instagram, dass jungen Frauen hilft, mit sich zurecht zu kommen, anstatt falsche Ideale zu erzeugen.

styleranking: Wie gelingt es dir, in der Öffentlichkeit über Tabu-Themen zu sprechen?

Diana: Das ist ein Lernprozess, der mit Gesprächen unter Freundinnen oder mit dem Partner beginnt. Viele dieser Themen tauchen immer wieder in unserem Alltag auf und sollten schon allein deswegen keine Tabus sein. Sprechen wir zum Beispiel über weibliche Masturbation. Im Idealfall macht das jede Frau mindestens einmal im Monat. Wir reden hier also über ein alltägliches Thema, das keinesfalls negativ behaftet sein sollte.

Diana zur Löwen verzeichnet bei Instagram 913k Follower, bei YouTube sind es 639k Abonnenten.   Copyright: Diana zur Löwen

styleranking: Dein Projekt “Melationship” - Selbstwert und die Fähigkeit, seinen eigenen Wert unabhängig von anderen zu erkennen. Warum?

Diana: Ich glaube, dieser Themenfokus ist durch meine Arbeit in den sozialen Netzwerken entstanden. Auf der einen Seite ergeben sich durch Instagram & Co. neue Sichtweisen oder Kontakte. Auf der anderen Seite hat Social Media starke, negative Einflüsse, wenn es um Schönheitsideale und Körperbilder geht.

styleranking: Was hat dich dazu bewogen, dich neben Fashion- und Beautyinhalten auch feministischen oder politischen Themen zu widmen?

Diana: Im vergangenen Jahr habe ich mein BWL-Studium beendet. Ich habe mich gefragt: “Was machst du jetzt, wo du nur Content Creatorin bist? Was willst du den Leuten wirklich mitgeben?” Inhaltlich hat es mir persönlich nicht mehr so viel gegeben, mich hauptsächlich mit Beauty und Mode zu befassen. Deswegen habe ich meine Themen erweitert. Ich habe auch gemerkt, dass ich jetzt andere Stärken hatte, die die Teenager-Diana noch nicht kannte. Mir wurde klar, dass ich mich trauen kann, über komplexere Themen zu sprechen. Ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen. Die Europawahlen im vergangenen Jahr waren beispielsweise eine gute Möglichkeit, auch mal politische Themen aufzugreifen und deren Relevanz aufzuzeigen.

styleranking: Wie hat deine Community reagiert?

Diana: Meine Community zeigt sich dankbar, dass sie durch mich zu gewissen Themen Input erhalten. Meine Follower:innen geben dadurch auch mir die Möglichkeit, als Mensch zu wachsen.

Diana erzählt ihre Geschichte auf im Live-Talk beim InfluencerCafé Virtual Edition II als Special Guest.   Copyright: Diana zur Löwen

styleranking: Wirkt sich so ein thematischer Wandel auf Kooperationen mit Unternehmen aus?

Diana: 2019 war das alles komplizierter. Marken sind vor Influencer:innen zurückgeschreckt, die sich politische positioniert haben. Mittlerweile wissen die Brands, dass Politik allgegenwärtig ist und auch sie sich politisch positionieren sollten. Einige Brands greifen Bewegungen wie Black Lives Matter oder den Christopher Street Day auf, um sich für Vielfalt und Diversität einzusetzen. Natürlich ist da Vorsicht geboten. Gerade beim Thema Nachhaltigkeit sehen sich Brands immer wieder mit dem Vorwurf Greenwashing konfrontiert. Ich merke aber, dass viele Marken nach jemandem suchen, der nicht einfach gut aussieht, sondern auch Inhalte vermittelt.

styleranking: Wie gehst du mit Kritik um?

Diana: Mir gelingt es nicht immer, davon Abstand zu nehmen. Mir hilft es aber, zu wissen, wofür ich stehe und was mich antreibt. Ich kann zwischen konstruktiven und weniger konstruktiven Kommentaren unterscheiden. Ich brauche trotzdem regelmäßig eine gewisse Dosis “Real Life” wie z.B. Gespräche mit Freund:innen oder Kolleg:innen.

styleranking: Mit welchen Kollegen tauschst du dich aus?

Diana: Alexa, Annelina Waller, Hannah und ich sind etwas, wie eine Clique. Ich folge aber auch vielen Politiker:innen wie Delara Burkhardt im europäischen Parlament oder Terry Reintke, die sich sehr für die Queer-Community einsetzt. Natürlich kann ich auch den Account von Louisa Dellert empfehlen. Diese Accounts bilden und inspirieren mich.

styleranking: Du hast kürzlich ein Interview mit Gesundheitsminister Jens Spahn geführt. Wie bereitest du dich auf einen solchen Termin vor?

Diana: Ich spreche im Vorfeld mit verschiedenen Leuten, die mir Input geben können, zum Beispiel mit einer Frauenärztin. Außerdem frage ich meine Zuschauer:innen, was sie wissen wollen. Ich konsumiere intensiv aktuellen Medien, um relevante Entwicklungen auf dem Schirm zu haben. Ich bin aber nicht die Tagesschau, sondern arbeite mit Politiker:innen, um Themen anzusprechen, die meine Community betreffen.

styleranking: Wie bewertest du das Gespräch mit Jens Spahn im Nachgang?

Diana: Ich bin recht kritisch - vor allem bei jemandem wie Jens Spahn, der wenig Zeit hat. Da gelingt es nicht immer, thematisch in die Tiefe zu gehen. Ich bin enttäuscht, wenn ich typische Politikerfloskeln als Antwort bekomme. Da finde ich es oft interessanter, mit Politikerinnen zu sprechen, die für das brennen, worüber sie reden. Jens Spahn bewältigt gerade natürlich sehr viele Aufgaben aber das Gespräch wirkte etwas distanziert - was ich schade finde. Man spricht zwar miteinander, hat am Ende aber keinen richtigen Eindruck von der Person gewonnen.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch, Diana!

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