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Fashion-Blogazines: Die neue Ära zwischen persönlichem Blog und Vogue Online

Kristina Hartmeyer
Von Kristina Hartmeyer
22.09.2015 / 11:00 Uhr

Blogger gelten als die "Cool Kids" im Netz: Sie posten die angesagtesten Looks, werden von Labels für Vermarktungszwecke engagiert und haben einen echt coolen, oftmals sogar lukrativen Job. Nun breiten sich allerdings immer mehr Platformen aus, die einem Mix aus persönlichem Blog und Modemagazin entsprechen: Sogenannte Blogazines. Hier erkennt man zwei Phänomene: Blogger, die sich auf das Blogazine-Format vergrößern, und Ex-Moderedakteurinnen, die den Weg zurück zum persönlicheren Blogazine gehen. Wir erklären, was Blogazines ausmacht, warum sie viele Leser ansprechen und welche zehn Blogazines ihr kennen solltet.

Das Internet ist schnelllebig. Der Blogger-Trend ist immer noch aktuell, aber ihm folgt bereits eine neue Tendenz auf den Schritt. Blogazines, ein Hybrid aus Blog und Magazin, haben sich bereits im Netz verbreitet. Doch was macht sie so beliebt? Sie können mit einem breiten Themenspektrum und Magazin-Charakter punkten, besprechen aber auch persönliche Themen mit Blog-Fokus. Blogazines scheinen ein beliebter Kompromiss zwischen Blog und Magazin zu sein. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Vertreter beider Seiten, also Blogger und Redakteure, Blogazines gründen.

Modepilot: Drei Print-Redakteurinnen probierten sich als Blogger, später wurde ihre Platform zum Blogazine.   Copyright: Screenshot: Modepilot

Kathrin Bierling, Barbara Markert und Sabine Tersteegen (seit Juli 2013 nicht mehr mit an Bord, dafür stieß Ende 2014 Isabelle Braun ins Team) haben für die Print-Magazine Vogue, FivetoNine, WirtschaftsWoche und Myself gearbeitet. 2007 gründeten sie ihr eigenes Fashion-Blogazine Modepilot. Die Redakteurinnen wünschten sich eine authentischere und vielschichtigere Darstellung aktueller Modethemen, die persönlicher sein sollte als bei den teilweise massenabfertigenden Modemagazinen. So wurde beispielsweise ein Leben mit der neuen Apple-Watch aufgegriffen aber auch die nächste H&M-Designer-Kooperation verkündet. Kathrin Bierling von Modepilot erklärt uns, warum sie ihr Blogazine aber dennoch als Magazin bezeichnet:

"Als wir vor acht Jahren beschlossen hatten, Modepilot zu gründen, schwebte uns eine journalistische Online-Plattform für Designermode, Branchen-News, und Mode-Hintergrundwissen vor. Der Grund, warum wir uns damals für die Blogform entschieden hatten, ist ein ganz einfacher: Wir Printjournalisten wollten uns erst einmal im Online-Journalismus testen. Es sollte lediglich eine Spielwiese sein, die sich dann zum Selbstläufer entwickelt hat. Wir freundeten uns mit der Darstellungsform eines Blogs an, so wie unsere Leser, und sahen uns im Feld der klassischen Blogger. Eben nur für den Bereich Fashion & Beauty. Dann gab es immer mehr Fashionblogger, die Fotos posteten und vor allem von sich selbst. Unter einem Fashionblog versteht man heute einen Outfit-Blogger. Das entspricht unseren Inhalten aber nicht. Darum entschieden wir uns nun für die Bezeichnung "Modepilot – High Fashion Magazine"."

amazed: Das Blogazine mit Fashion-News, Erfahrungsberichten und Modetrends von drei Münchener Ex-Bloggerinnen.   Copyright: Screenshot: amazed

Das Blogazine amazed wurde 2013 von den Münchnerinnen Antonia Wille, Milena Heisserer und Amelie Kahl gegründet. Erst bloggten sie unabhängig voneinander und schlossen sich dann zusammen, um bei amazed über Mode, Design, Kultur und Lifestyle-Themen zu berichten. Damit decken sie sowohl allgemeine als auch persönliche Modethemen ab. Genau das, was ein Blogazine ausmacht. Ähnlich ist das Konzept der Hamburger Journalistinnen Lisa van Houtem, Katharina Charpian und Anna Weilberg bei ihrem Blogazine Femtastics: Hier findet der Leser eine Rubrik für selbst produzierte Home- und Work-Stories sowie die Talk-Rubrik "Short Stories", bei der die drei Frauen persönliche Themen ansprechen und auch interessante Leute vorstellen.

Du bist an Trend-Themen im Bereich Mode, Beauty und Lifestyle interessiert und liebst es, Looks nachzukaufen? Dann ist WhoWhatWear das Richtige für dich.   Copyright: Screenshot: WhoWhatWear

Eines der beliebtesten amerikanischen Blogazines ist WhoWhatWear der beiden ehemaligen Elle-Mitarbeiterinnen Katherine Power und Hillary Kerr. Hier präsentieren die Journalistinnen die meist-diskutiertesten Mode- und Beautythemen mit Witz und einem lockeren Schreibstil. Ihre Zielgruppe: Vor allem Frauen im Alter zwischen 18 und 34. Bereits seit der Gründung 2006 expandierten Power und Kerr. Es folgten zwei neue Domänen, das Beauty-Blogazine Byrdie und das Lifestyle-Spin-Off MyDomaine. Ein ähnliches Format gibt es auch bei uns: Die Blogazine-Platform Très-Click stellt quasi die deutsche Variante von WhoWhatWear dar. Mit viel Witz, lustigen Animationen, Bewegtbildern und coolen Modethemen begeistern die Ex-Grazia-Mitarbeiterinnen Ninon Götz und Alexandra Springer ihre Leser. Das Format ist, wie auch WhoWhatWear, an das vom viralen Medienportal BuzzFeed angelehnt: Schnelle Verbreitung von Top-Themen. Uns haben die Mädels von Très-Click erzählt, warum sie sich gerade für ein Blogazine entschieden haben und, ob Erfahrung als Redakteur Vorteile mit sich bringt:

"Blog? Online Magazin? Blogazine? Wo liegt da heute noch der Unterschied? Die Grenzen sind fließend – und das ist gut so. Wir wollten mit Très Click einfach einen digitalen Ort für Fashion, Beauty und Popkultur schaffen, der Spaß macht. Unsere Erfahrung im Print- und Online-Bereich hilft uns sehr. Wir wissen, wie es ist, für eine Geschichte zu kämpfen, layouterisch neue Ideen zu entwickeln, aber auch, wie wichtig Aktualität und eine gewisse Leichtigkeit sein können. Unser Werbe-Background hilft uns außerdem extrem mit Kunden und bei Verhandlungen mit Investoren. Die Entscheidung für Online fiel letztlich, weil wir da die größten Wachstumschancen sehen und beweisen wollen, dass man mit Content sehr wohl Geld verdienen kann - wenn man kreativ ist."

Très Click: Lustige Gifs, Animationen und die wichtigsten Modetrends. Lachen vorprogrammiert!   Copyright: Screenshot: Très Click

Neben der Neugründung von Blogazines gibt es außerdem das Phänomen des Blog-Ausbaus zur trendigen Platform. Leandra Medine, besser bekannt als Man Repeller, erweiterte ihr ursprüngliches Blog schnurstracks zur Man Repeller-Website. Sie selbst nennt ihr Baby "einen Mix aus Vogue und dem Feministen-Blog Jezebel", wie sie gegenüber der Ad Week erzählt. Sie führt also nun auch ein Blogazine. Auch das von Jessica Weiß und Julia Knolle an Katja Schweitzberger abgetretene Blog LesMads ähnelt immer mehr einem Blog-Magazin. Zusammen mit einer Stylistin und einer Redakteurin aus Berlin greift Katja morgens die wichtigsten Neuigkeiten aus der Modewelt auf und stellt über den Tag verteilt persönliche Mode-Favoriten und Styles vor.

LesMads wurde vom Blog zum Blogazine und erreicht so noch mehr Leser.   Copyright: Screenshot: LesMads

Das Konzept der Blogazines stellt einen ausgewogenen Mix aus Fashionblog und Modemagazin dar - was viele Leser anspricht. Denn wo Blogs zu persönlich und einseitig und Magazine zu breit gefächert und allgemein sind, schafft das Blogazine genau in der Mitte einzuschlagen. Hier erfährt man auf einem Klick die wichtigsten, aktuellen Modenews und -trends und erhält zudem einen persönlichen Fashion-Einblick der "Blogaziner". Auch immer mehr Blogger bauen aus und folgen so dem stetig wachsenden Trend des Blogazines. Dies könnte sich als eine gute Überlegung herausstellen, denn wer weiß, vielleicht laufen Blogazines Blogs bald den Rang ab.

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