Influencer Interview

Irina Engelke: „Die Schüler sollen lernen mit Social Media professionell umzugehen“

25.02.2018 / 11:00 Uhr

Morgens noch in München, nachmittags in Düsseldorf und am Abend schon wieder zurück. Als gefragte Vollzeitbloggerin ist Irina Engelke vom Blog Fashionambit ständig on tour. Ein Jetset-Leben, von dem viele träumen. Und als wäre das Influencerleben nicht schon spannend genug, ist Irina auch als Dozentin für die Hanns-Seidel-Stiftung und als Social-Media-Beraterin ihrer eigenen Agency tätig. Umso mehr freuen wir uns darüber, die viel beschäftigte 32-Jährige im Düsseldorfer Café Sugarbird Cupcakes zu treffen, um mit ihr über das Leben als Influencer und ihre aktuellen Projekte zu plaudern. Sie erzählt uns von ihrem Lieblingstrend, wie sie selbst mit Cybermobbing umgeht und spricht über die Risiken und Chancen von Social Media.

Irinas derzeitige Lieblingsfarbe? Definitiv die Trendfarbe Rot.   Copyright: Fashionambit

styleranking: Du als Fashion Bloggerin - was trägst du derzeit am liebsten?

Irina Engelke: Ich mag Farben total gerne, aber auch auffällige Looks, die klassisch gehalten werden. Nicht zu punkig oder zu rockig. Vorher habe ich Rot nicht gerne getragen. Jetzt liebe ich die Farbe und sie darf nicht mehr in meinen Looks fehlen. Es ist eine absolute Trendfarbe. Mein Kleiderschrank ist voll davon.

styleranking: Welche Fotos kommen bei deiner Instagram-Community am besten an?

Irina Engelke: Meine Community ist sehr Fashion lastig. Ich habe mit Fashion angefangen und das ist auch das Thema, das am besten ankommt. Manchmal ist es aber schwierig seine Community einzuschätzen. Ich habe bei einem Foto gedacht, dass das richtig gut laufen wird. Und dann war es gar nicht der Fall. Der Schwarz-Weiß-Look war einer meiner absoluten Favorite Outfits, aber die bunten Looks in Gelb oder Rot kommen viel besser an.

styleranking: Du bist Vollzeitbloggerin, Dozentin für die Hanns-Seidel-Stiftung und Social-Media-Beraterin. Wie sieht dein Alltag aus?

Irina Engelke: Ich stehe um 6 Uhr morgens auf und beantworte als erstes meine Mails. Im Laufe des Tages habe ich Meetings oder gebe Trainings. Es ist sehr abwechslungsreich. Einen Alltag gibt es nicht. Ich habe interessante Fashion-Aufträge während der Fashion Week oder bin mit C&A auf Lanzarote unterwegs. An anderen Tagen bin ich auf Workshops mit Kindern. Das macht richtig Spaß. Wenn ich als Dozentin tätig bin, ist der Tag von morgens bis abends durchstrukturiert.

styleranking: Was nimmt am meisten Zeit in Anspruch? Das Bloggen, die Dozententätigkeit oder die Social-Media-Beratung?

Irina Engelke: Ich mache von allem ein bisschen. Es gibt Monate, in denen ich mehr für das Blog unterwegs bin. Aber dann auch wiederum Monate, in denen ich überwiegend Workshops gebe.

„Einen Alltag gibt es nicht“

styleranking: Was macht dir an deinen Tätigkeiten am meisten Spaß?

Irina Engelke: Das Beste ist, dass mein Leben so vielseitig ist. Ich bin sehr flexibel und kann mir meine Tage selbst gestalten. Und es ist Standort ungebunden. Meine Trainings und Workshops finden in ganz Deutschland statt. Daher bin ich auch bundesweit unterwegs. Mein Wohnsitz befindet sich momentan in München, aber ich überlege umzuziehen. Vielleicht nach Köln oder Düsseldorf.

styleranking: Was sind die Schattenseiten?

Irina Engelke: Ich muss immer viel fliegen. Das hört sich toll an, ist aber körperlich total anstrengend.

styleranking: Du engagierst dich für die Hanns-Seidel-Stiftung und unterrichtest Schüler im Alter von 11 bis 14 Jahren. Dabei geht es insbesondere um Social Media und Cybermobbing. Worüber sprichst du mit den Schülern?

Irina Engelke: Ich spreche über die Chancen von Social Media. Das bezieht sich nicht nur darauf, dass man selbst Influencer werden kann, sondern insbesondere auf berufliche Chancen. Die Schüler sollen lernen mit Social Media professionell umzugehen, um später die Möglichkeit zu haben im Marketing oder in einer Agency zu arbeiten. Aber ich spreche auch über die Risiken. Der Schutz der Privatsphäre ist sehr wichtig. Sie sollen genau darüber nachdenken, was sie posten. Wir sensibilisieren die Schüler, indem ich etwa konkrete Beispiele aus meinem eigenen Alltag einbringe und erzähle, was ich poste und was nicht. Viele veröffentlichen Informationen über ihre Wohnsituation oder ihren Standort. Das kann gefährlich werden, wenn man etwa in den Urlaub fährt und dann alle wissen, dass das Zuhause leer steht.

styleranking: Was ist mit dem Thema Cybermobbing?

Irina Engelke: Ich hatte schon einmal den Fall, dass sich die Kinder untereinander gemobbt haben. Und das geschieht nicht nur im echten Leben, sondern auch online. Cybermobbing findet etwa auf Instagram oder Facebook statt. Ich will die Schüler zur Selbstreflexion bewegen und sie zum Nachdenken anregen. Ich zeige ihnen, dass sie auch selbst dagegen vorgehen können. Den Schülern soll bewusst sein, dass sie eine bedeutsame Stimme haben und Opfern von Cybermobbing als Stütze dienen können.

„Auf Instagram bekomme ich komische Nachrichten“

styleranking: Wie kann man denn einem Opfer von Cybermobbing zur Seite stehen?

Irina Engelke: Wenn es auf den Sozialen Netzwerken stattfindet, kann man die gemobbte Person unterstützen, indem man selbst schreibt, dass man den Hate-Kommentar nicht nachvollziehen kann und die Person selbst toll findet. Dabei hilft vor allem eine Äußerung darüber, dass man hinter der Person steht und ihr dabei ein Kompliment macht.

styleranking: Hast du Cybermobbing schon eimal selbst erlebt?

Irina Engelke: Auf Instagram bekomme ich komische Nachrichten, an die ich mich inzwischen gewöhnt habe. Wenn ich z.B. nach Weihnachten ein bisschen zunehme, schreiben mir einige Leute per Direct Message, dass mir ein paar Kilo weniger besser stehen würden. Früher haben die Leute das auch in den Kommentaren geschrieben. Jetzt nicht mehr. Keine Ahnung, ob die Leute sensibler geworden sind oder sich so verstecken wollen.

styleranking: Wie reagierst du auf diese Nachrichten?

Irina Engelke: Viele der Nachrichten ignoriere ich mittlerweile. Es berührt mich nicht. Aber ich finde, jeder hat ein Recht auf seine Meinung.

styleranking: Welche Grenzen auf den Social-Media-Kanälen sollte man nicht überschreiten?

Irina Engelke: Meine eigenen Grenzen beziehen sich darauf, dass ich nichts veröffentliche, mit dem ich mich nicht wohlfühle. Man kann sich selbst schützen, indem man für sich selbst festlegt, dass man bestimmte Körperbereiche wie den Po nicht offensiv zeigt. So ist man weniger angreifbar.

styleranking: Wie reagierst du, wenn eines der Schüler sagt, er wolle Influencer werden?

Irina Engelke: Ich sage, glaub an dich und verfolge deine Träume. Aber sorge auch für eine gute Grundlage, eine Ausbildung oder ein Studium. Man muss als Influencer schöne Fotos und guten Content liefern. Aber damit man davon leben kann, muss man auch die unternehmerische Seite dahinter verstehen. Eine abgeschlossene Ausbildung ist immer von Vorteil.

„Glaub an dich und verfolge deine Träume“

styleranking: Du bist Gründerin einer Social Media Marketing Agency. Was sind deine drei Tipps für erfolgreiches Social Media Marketing?

Irina Engelke: Erstens muss man sich auf zwei oder drei Social-Media-Kanäle konzentrieren. Zweitens muss man wissen, wer seine Zielgruppe ist. In welchem Alter sind die Leute, die ich ansprechen möchte? Und drittens muss man als Unternehmen unbedingt Facebook-Werbung schalten.

styleranking: Welche gravierenden Fehler sollte man vermeiden?

Irina Engelke: Nicht auf Kritik einzugehen. Es gibt schließlich auch konstruktive Kritik und man sollte sich nicht davor verstecken und unbedingt darauf reagieren. Außerdem ist die Interaktion mit seiner Community sehr wichtig.

styleranking: Welchen Social-Media-Kanal findest du derzeit am wichtigsten?

Irina Engelke: Für mich ist das definitiv Instagram. Das betrifft meinen Blog und meine Zielgruppe, weil ich als Influencerin sehr bilderbasiert arbeite. Für Unternehmen wird Facebook der wichtigste Kanal bleiben, aufgrund der Möglichkeit Anzeigen zu schalten.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch, Irina.

Redakteurin Janice trifft Influencerin Irina Engelke zum Interview.   Copyright: styleranking

Irina Engelke ist im Dezember 1985 in Kirgisistan geboren. Ihre Muttersprache ist russisch. Mit 14 Jahren ist sie nach Deutschland gekommen. Die Wahl-Münchnerin studiert BWL mit Fachrichtung Prozessoptimierung und Unternehmensbewertung. 2013 startet sie ihren Blog Fashionambit parallel zu ihrer Tätigkeit als Unternehmensberaterin bei BMW und später auch bei Airbus. Mit das Blog kann sie nun endlich ihre Kreativität ausleben. Seit 2015 bloggt Irina in Vollzeit. Aufgrund ihres erfolgreichen Instagram-Accounts und Anfragen von Brands die jeweiligen Social-Media-Kanäle zu betreuen, gründet sie Ende 2015 eine eigene Social Media Marketing Agency und bietet Workshops und Vorträge. Mit der Hanns-Seidel-Stiftung arbeitet Irina seit Ende 2016 zusammen. Als Dozentin spricht sie mit Schülern über die Chancen und Risiken von Social Media. Wer unbedingt immer up-to-date sein möchte, kann auch in Irinas Podcast reinhören. Hier gibt sie wöchentlich wertvolle Tipps und spricht über Neuheiten auf den Sozialen Netzwerken.

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