Instagram Aufreger

Lecker Instagram: Darum essen Models mehr Kuchen als alle anderen

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
09.10.2017 / 16:53 Uhr

Zwei schöne junge Menschen zeigen sich auf einer verblassten Polaroid-Aufnahme. Beide halten einen vollgepackten Löffel an den Mund. Auf zwei Tellern vor ihnen türmen sich Berge von Leckereien. In den Kommentaren darunter prangert der Satz: „Wird eh wieder rausgekotzt.“

Alltag auf Instagram. Schlanke Menschen, insbesondere Models essen. Posten. Und werden beleidigt. So wie Stefanie Giesinger unter ihrem Instagram-Post. Doch wie viel Berechtigung haben solche Kommentare? Präsentieren uns Models wie Giesinger eine Scheinwelt oder geht es in Wahrheit um etwas völlig anderes?

Models und Essen. Das erhitzt nicht erst seit gestern die Gemüter. Geschichten über Models, die sich ausschließlich von Orangensaft-getränkten Wattepads ernähren neben Bildern von Heidi Klum mit einem fetten Burger in der Hand – wo liegt da die Wahrheit? Ist es möglich, trotz Fast Food eine Size Zero zu tragen? Oder quälen sich die Mädchen, von einer ganzen Industrie geknechtet, langsam in den Hungertod? Spiegeln die Instagram-Posts von Stefanie Giesinger und Co. die Realität wieder oder versuchen sie diese zu überdecken? Frei nach dem Motto: Seht her, ich leide nicht an einer Essstörung!

Aktuell regt sich mit dem #notheidisgirl Widerstand gegen das Schönheitsideal, dass Germany's Next Topmodel seit 13 Staffeln propagiert. "#notheidisgirl, weil sich Schönheit nicht in BMI messen lässt", schreibt Userin Jana. Auch das Echo, das bereits im Jahr 2014 durch das Social Media Phänomen #youdidnoteatthat entstand, hallt noch immer nach. Viele User wollen oder können schlichtweg nicht glauben, dass die Models das ganze Essen, mit dem sie sich ablichten lassen, tatsächlich verzehren. Da helfen auch Bekundungen wie "Ich liebe Süßigkeiten und ungesundes Essen" nicht, wie Giesinger 2016 im Gala Interview verriet. Bei den Kuchenbergen auf dem Teller der Germany's Next Topmodel-Gewinnerin liegt die Vermutung nahe, dass sich die Influencerin nicht ihren gesamten Tagesbedarf in Form von Marmorkuchen reinschaufelt. Vielmehr scheint es, als fühlten sich gerade Models dazu genötigt, der Welt anhand dieser Bilder zu beweisen, dass sie überhaupt essen.

Heidi Klum steht mit ihrer Sendung Germany's Next Topmodel immer wieder in der Kritik, falsche Schönheitsideal zu verbreiten. Auf dem Roten Teppich dürfen ihre Mädels immerhin einen Finger in die Torte halten.   Copyright: Adam Berry / Getty Images

Einige User machen sich ihrem Frust über die vermeintliche Food-Lüge auf High-Heels Luft. In Form von Beleidigungen, die zum Beispiel eine Essstörung unterstellen. Denn genau das meinen Kommentare wie „Wird eh wieder rausgekotzt“. Konkreter: Eine Anspielung auf Bulimie. Das bedeutet es nämlich, wenn jemand angemessene bis große Mengen Nahrung verzehrt und diese anschließend wieder ausbricht. Bei der Ess-Brech-Sucht handelt es sich um eine Krankheit, an der schätzungsweise über 600.000 Menschen in Deutschland leiden. Die meisten Betroffenen sind weiblich und zwischen 15 und 35 Jahre alt. Bulimiker kämpfen oftmals mit Schamgefühlen gegenüber dem eigenen Körper und nicht selten geht die Erkrankung mit Depressionen einher. Models, Balletttänzerinnen oder Leistungssportler gehören hier tatsächlich zu den gefährdeten Zielgruppen. Anhand einer Fotografie kann man die Erkrankung allerdings nicht diagnostizieren.

Stefanie Giesinger auf dem Roten Teppich bei Magnum Double. Auf Facebook bezeichnet sie das Eis als das Beste überhaupt. Ob sie das Eis tatsächlich isst, oder nur ein Bild davon aufnimmt, bleibt ungewiss.   Copyright: Andreas Rentz / Getty Images

Waffeln mit Bergen von Schokosauce, Smarties und Sahne, bunte Shakes mit meterhohem Süßigkeiten-Dekor oder Pizzen, von denen der fettige Käse läuft - das macht was her auf Instagram. Noch effektiver in Kombination mit einer schönen jungen Frau. Die ungeschminkte Wahrheit findet sich allerdings auf der Plattform Instagram selten. Umso mehr verdeutlichen solche Postings, welcher Druck auf vermeintlich perfekten Frauen wie Stefanie Giesinger lastet. Denn welchem Ideal soll sie nun entsprechen? Schlank, gesund, perfekter Körper? Oder nahbar, mit einem sympathisch unkontrollierten Drang nach Süßigkeiten? Dünn und vollkommen mit dem Grundumsatz eines Stahlarbeiters kommt in der Natur leider nur selten vor. Also wird nachgeholfen. Mit Fotos, die zumindest scheinbar beide Wunschvorstellungen vereinen.

Am Ende sind es nicht nur die Models, die eine Scheinwelten erzeugen. Es sind auch die User, die sie einfordern. Das erhöht den Druck auf etablierte Models, Nachwuchs-Talente oder 15-Jährige im alljährlichen GNTM-Wahn. Vor allem aber verletzt es jene Menschen, die tatsächlich an einer Essstörung leiden.

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