Influencer Interview

Model David Koch: "Social Media und Reichweite schaffen mir als Model mehr Verhandlungsspielraum"

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
25.02.2020 / 16:59 Uhr

David Koch gilt als eines der bekanntesten deutschen Male Models. Er modelt für die amerikanische Harper’s Bazaar, Givenchy und Vivienne Westwood und jettet für Shootings und Aufträge um die ganze Welt.

Mit 580k Followern auf Instagram hat sich David auch als Influencer ein Standbein aufgebaut. Auf Social Media zieht er Kooperationen wie Jeep und Porsche an Land und beeindruckt mit seinem ausdrucksstarken ästhetischen Feed. Model, Influencer, Unternehmer - das deutsche Ausnahmetalent zeigt sich vielseitig.

Wir treffen David zum Lunch im Restaurant “Böser Chinese” in Düsseldorf und fragen ihn über seine aufregende Model-Karriere aus. Außerdem erzählt David von brandaktuellen Neuigkeiten und Zukunftsplänen auf Social Media.

Redakteurin Franzi mit David Koch auf dem InfluencerCafé Fashion Edition von styleranking im Januar 2020.   Copyright: Victor Heekeren für styleranking

styleranking: Wie begann deine Karriere als Model?

David Koch: Im Mai 2011 schwänzte ich die Schule, fuhr nach Frankfurt auf die Zeil und stand mit einem Latte Macchiato vor Starbucks, als ich von einer Agentin angesprochen wurde. Sie sagte mir, ich hätte das perfekte Model-Gesicht und dass bald die Castings für die Fashion Weeks in Mailand und Paris beginnen würden. Ich habe das Gespräch nicht ernst genommen, aber ihr dennoch meine Nummer gegeben. Zwei Tage später sprach sie mir auf den Anrufbeantworter und ich fuhr direkt in ihre Agentur. Sie besaß damals zwei Top-Agenturen, in Mailand und Paris, und sagte, ich könne sofort anfangen.

Ich konnte das Ganze erst realisieren, als ich tatsächlich in Paris aus der Metro stieg. Ich war nie zuvor allein in eine Großstadt gereist und dementsprechend aufgeregt. Das alles gestaltete sich echt anstrengend, da ich nur schlechtes Englisch und kein Französisch sprach. Täglich ging ich zu zehn bis zwölf Castings. Es war eine harte, aber auch sehr schöne Zeit.

styleranking: Wie alt warst du zu der Zeit?

David Koch: 19 Jahre alt.

styleranking: An welche Brands und Zusammenarbeiten erinnerst du dich besonders gerne zurück?

David Koch: Meine erste Show lief ich für Thierry Mugler. Viele Topmodels werden für diese Show gebucht. In der ersten Reihe saßen Lady Gaga, Kanye West und Usher. Als ich die drei vorher backstage entdeckte, war ich sehr aufgeregt. Nach der Show bin ich zwei Stunden lang kreuz und quer durch Paris gelaufen und musste erst einmal begreifen, was soeben passiert war. Danach lief ich noch die Jil Sander Show.

styleranking: Mit welchen Marken würdest du gerne noch arbeiten?

David Koch: Ich würde gerne nochmal für diese Brands arbeiten. In den letzten Jahren habe ich besonders für Armani und Calvin Klein gemodelt. Als großes Highlight empfand ich die Givenchy-Kampagne. Ich wurde damals fast für deren Show gebucht, aber leider kurzfristig gecancelled. Zu meinen Träumen zählen definitiv noch Hugo Boss und Armani Fragrances. Generell sehe ich das Thema aber entspannt und freue mich über das, was ich bisher erreicht habe. Ich nehme es, wie es kommt.

styleranking: Was erachtest du als das Beste und das Nervigste am Model-Alltag?

David Koch: Das Beste ist, dass ich viel von der Welt sehe und mein Englisch verbessern konnte. Als nervig empfinde ich, dass die Menschen kommen und gehen. Ich bemerke ständig neue Leute um mich herum. In der Modelwelt werden dir viele Hoffnungen gemacht, die meist nicht erfüllt werden. Es wird viel erzählt, doch letzten Endes kommt nichts dabei rum. Wenn du den Erwartungen nicht entsprichst, wirst du schnell fallen gelassen. Es gibt immer jemand Besseres und am Ende des Tages geht es nur ums Geld. In dem Business herrscht eine große Unsicherheit, das ist das Krasseste.

styleranking: Dein Aussehen ist dein Kapital. Wie viel Zeit investierst du in Hautpflege, Sport und Friseur?

David Koch: Ehrlich gesagt momentan nichts, ich kann mich da glücklich schätzen (lacht). Ab März möchte ich wieder im Bereich Underwear arbeiten, dann muss ich stärker und gezielt an meinem Körper arbeiten. Dafür reichen meist Home Workouts. Ich besitze gute Gene und kann nach ein bis zwei Wochen Training wieder gut vor der Kamera stehen. Zu den Menschen, die sich viel eincremen, gehöre ich nicht.

styleranking: Welche Rolle spielt Social Media im Model-Business? Schauen sich Kunden gezielt im Casting dein Instagram-Profil an?

David Koch: Ungefähr im Jahre 2013, als ich das erste Mal in New York war, sind die ersten Fragen nach Instagram aufgekommen. Zu der Zeit besaß ich keinen Account. Ich wurde auch gefragt, wem ich auf Facebook folge. Von da an wurden Social Media und Follower-Zahlen für Models immer wichtiger. Es ist kein ausschlaggebendes Kriterium, aber schon wichtig. Die Reichweite des Models pusht die Kampagne zusätzlich.

"In der Modelwelt werden dir viele Hoffnungen gemacht, die meist nicht erfüllt werden."

styleranking: Wie wichtig ist die Auswahl der Marken, die du auf deinem Profil zeigst?

David Koch: Sehr wichtig! Da geht Qualität vor Quantität. Als Model ist es von Vorteil, mit High-End-Marken gearbeitet zu haben - auch für die Verhandlung von Preisen auf Social Media. Wenn man in der Hinsicht ein hohes Niveau erreicht hat, sollte man versuchen, dieses zu halten. Es gestaltet sich leichter, nach oben zu kommen, als oben zu bleiben. Die Kunst ist, seine Kooperationen bedacht auszuwählen. Ich würde eher für Louis Vuitton, die nur die Fahrtkosten zahlen, unbezahlt auf einem Event erscheinen, als gegen eine Gage von 2.500-3.000€ einen Instagram-Post für eine Marke zu posten, die nicht authentisch in meinem Feed rüberkommt. Social Media und Reichweite schaffen mir als Model mehr Verhandlungsspielraum.

styleranking: Social Media bringt dir als Model also auch finanzielle Vorteile?

David Koch: Absolut. Wenn du dir als Model ein gewisses Image aufgebaut hast, kannst du besser verhandeln. Natürlich dürfen wir die Model-Gage nicht mit der Social-Media-Gage vergleichen. Durch eine große Reichweite kann ich aber auf jeden Fall meine Preise heben, solange es sich im Rahmen hält. Der Markt ist schließlich groß und die Auswahl ebenso. Im Zweifel wählen die Brands jemand Günstigeren.

"Ich bin ein Fan langfristiger Kooperationen."

styleranking: In welchem Markenumfeld arbeitest du gerne und welche Brands kommen für eine Zusammenarbeit nicht in Frage?

David Koch: Ich arbeite sehr gerne mit Panasonic. Die Marke Titan sponsert meine Koffer, was super zu meinem Lifestyle und dem vielen Reisen passt. Auch mit Zalando, Superdry und Replay bereitet mir die Zusammenarbeit Spaß. Das sind coole Kunden, die gut zu meinem Feed und mir passen, was ich sehr wichtig finde. Ich versuche, alle beworbenen Produkte auch privat zu tragen. Brands wie Schott New York oder Belstaff trage ich sehr gerne. Ich habe mir fest vorgenommen, nicht mit Marken zu arbeiten, die zwar gut zahlen, aber jeden zweiten Influencer für Kooperationen annehmen - lediglich aufgrund von Reichweite und Zielgruppe. Ich wähle meine Brands ganz gezielt aus.

styleranking: Entstehen die Fotos in deinem Feed durch die Zusammenarbeit mit Profis oder fotografierst du selbst?

David Koch: Früher habe ich mit lokalen Fotografen gearbeitet, je nachdem in welcher Stadt ich mich befand. Seit einem Jahr habe ich einen festen Fotografen in der Heimat. Er versteht meine Art und Bildsprache, das gefällt mir gut. Wenn ich alleine reise, schieße ich die Bilder selbst und er bearbeitet sie für mich. Ich habe aber auch gelernt, Fotos selbst zu bearbeiten. Die Qualität der Bilder in meinem Feed versuche ich so hoch wie möglich zu halten und einen guten Mix aus Modeln, Kampagnen und Streetstyle zu zeigen.

styleranking: Wie stehst du zu kreativen Briefings? Viele Marken geben ja klare Vorgaben, andere lassen viel Spielraum. Was ist dir lieber?

David Koch: Ich mag beides. Wenn der Kunde mir Freiheit gibt, kann ich eigene Ideen mit einbringen. Gibt er aber klare Vorgaben, zum Beispiel hinsichtlich Posting-Zeitpunkt oder Ähnlichem, halte ich diese natürlich ein. Ich versuche meinen Job immer so gut wie möglich zu erledigen und möchte niemanden verärgern, um auch in Zukunft miteinander arbeiten zu können. Mit Jeep und Porsche arbeite ich gerne wieder, das sind coole Marken, hinter denen ich stehe. Ich bin ein Fan langfristiger Kooperationen. Lieber bekomme ich weniger Geld, gewinne dann aber eine konstante Zusammenarbeit.

styleranking: Würdest du dich selbst als Influencer bezeichnen?

David Koch: Ich denke schon. Influencer und Model.

styleranking: Wie gefällt dir der Begriff “Influencer”? Viele möchten ja heute als Content Creator bezeichnet werden.

David Koch: Ich finde den Begriff Influencer in Ordnung.

styleranking: Welche Talente braucht man, um mit Social Media erfolgreich zu sein?

David Koch: Ehrgeiz und Geduld finde ich wichtig. Du musst dran bleiben und dich über Trends informieren. Vergleichen solltest du dich nicht, aber dennoch einen Blick auf die Gestaltung anderer Feeds werfen. Du solltest du selbst sein und dich niemals verkaufen. Ich bekomme Anfragen für Zigaretten-Werbung, habe aber noch nie geraucht und stehe da nicht hinter. Wenn du als Influencer dein Gesicht verkaufst, merkt deine Community das sofort. Damit schießt du dir ins eigene Knie.

styleranking: Wie stehst du zu der Debatte um die Abschaffung der Likes auf Instagram?

David Koch: Durch das Verschwinden der Likes würde das Konkurrenzdenken entfallen - das fände ich nicht schlecht. Und solange du deine eigenen Likes weiterhin sehen kannst hättest du auch die Möglichkeit, diese potentiellen Kooperationspartnern freizugeben.

styleranking: Welche Menschen zeichnen deine Community aus und wie agiert diese mit dir?

David Koch: Als Model geht es auf meinem Profil eher um Oberflächliches. Ich bin nicht der typische Blogger, daher geht es eher um die Optik. Auf Instagram bin ich als Model gewachsen. Ich hatte damals ein Facebook-Profil mit vielen Followern und habe beides 2016 miteinander verbunden. In meiner Community befinden sich viele Leute aus Asien, Südamerika und den Vereinigten Staaten. Aber auch meine Reichweite in Europa wächst stetig. Deutschland befindet sich bereits unter den Top 4 der Herkunftsländer meiner Follower.

styleranking: Bekommst du viele Nachrichten deiner Follower oder drücken die sich eher durch Likes aus?

David Koch: Ich erhalte sehr viele Nachrichten aus dem asiatischen oder amerikanischen Raum. Auch französische, spanische und deutsche Follower schreiben mir.

styleranking: Schaffst du es, diese immer zu beantworten?

David Koch: Nein. Ich schaue mir an, ob etwas Wichtiges dabei ist, zum Beispiel die Nachricht eines Kunden. Auf oberflächliche Nachrichten antworte ich in der Regel nicht.

styleranking: Hast du auch mit Fangirls zu tun, die dir Liebesbekundungen schicken?

David Koch: Ja, das gibt es schon. Da tauchen schon mal Nachrichten mit Heiratsbekundungen und Sätzen wie “Ooh, sexiest man alive” auf. Aber das ist alles oberflächlich. Das sehe ich als nettes Kompliment, mehr nicht.

styleranking: Hat man es als Mann leichter, eine große Reichweite durch Fangirls, die einen pushen, aufzubauen?

David Koch: Ja, definitiv. Weibliche Follower ticken anders als Männer, die Frauen folgen. Das bringt schon Vorteile mit sich.

"Auf oberflächliche Nachrichten antworte ich in der Regel nicht."

styleranking: Birgt der Markt noch Platz für Male Influencer oder ist er gesättigt?

David Koch: Ich empfinde den Markt als sehr voll. Egal, ob Influencer oder Mikro-Influencer. Wer es jetzt noch schafft, hat es sich auch verdient. Der Kunde hat also eine große Auswahl, schaut aber momentan eher auf den Preis. Viele Influencer drücken daher ihre Preise. Ich bleibe jedoch bei meinen.

styleranking: Verfolgst du ein paar Accounts, die du uns empfehlen kannst und inspirierend findest?

David Koch: Mir fallen drei französische Influencer ein, die als Models und Influencer tätig sind und viel reisen. Ihre Accounts finde ich cool. Ich schaue mehr auf den internationalen Markt, da ich viele der ausländischen Influencer auf Events kennen lerne, zum Beispiel im Rahmen von Fashion Weeks. Auch Daniel Fuchs aka Magic Fox, der ja als einer der ersten im Male-Bereich aktiv war, hat einen super gepflegten Account und guten Content.

styleranking: Machst du dir Pläne für die Zeit nach dem Modeln und Instagram?

David Koch: Ich bringe gerade meine eigene Modemarke “David Koch Styles” auf den Markt und konzentriere mich darauf, diese zu pushen und voranzutreiben. So sponsere ich einen Judo-Bundesligisten mit Trainingsanzügen und setze mich auch mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Das ist ein guter Start.

Ich möchte dennoch weiterhin als Influencer und Model tätig sein. Als Male Model zählt sowieso - je älter, desto besser. Bei Frauen gestaltet sich das schwieriger. Wenn ein weibliches Model sich mit 25 Jahren noch keinen Namen gemacht hat, wird es schwierig. Einen Plan B finde ich immer wichtig. Früher habe ich in meiner Model-Karriere nicht darüber nachgedacht und von Tag zu Tag gelebt. Aber ich bin 28 und sollte schon in die Zukunft blicken. Dafür braucht es aber auch gute Kontakte, die ich sehr pflege. Ohne Kontakte funktioniert nichts.

styleranking: Was erwartet uns bei deiner Brand?

David Koch: Ich möchte Mode für Männer und Frauen entwerfen. Dazu gehören T-Shirts, Hoodies und Caps. Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, eine eigene Kosmetiklinie zu entwickeln. Ich habe mitbekommen, dass es momentan in der Männerpflege gut läuft. Die erste Priorität hat aber die Mode. Mein Webshop für "David Koch Styles" geht in Kürze online.

styleranking: Wie stehst du zu neuen Plattformen wie TikTok?

David Koch: Mit TikTok habe ich mich bisher nie beschäftigt. Ich bin kein Fan davon, mich auf mehreren Plattformen zu bewegen und konzentriere mich daher nur auf Instagram. Selbst Facebook habe ich seit vier Jahren nicht mehr genutzt.

Ich bemerke aber, dass diese Plattformen stark im Kommen sind. Instagrams Macht ist allerdings so groß, dass es in den nächsten Jahren wohl nicht abgelöst wird.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, David.

Follow us