Influencer-Interview

Pamela Reif: "Auf meinem Kanal wird niemand von einer motivierten Nudel vollgeschwafelt"

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
10.05.2020 / 10:00 Uhr

Vor einem halben Jahr erst trafen wir Fitness-Influencerin Pamela Reif anlässlich ihrer ersten Reborn-Kollektion mit NA-KD zum Interview. Seitdem hat sich viel verändert.

Pamela Reif veröffentlicht jetzt einen eigenen Podcast. Sie teilt Live-Workout-Sessions, in denen sie erstmals beim Workout spricht. Und ihre Followerschaft wächst rasant. 5,5 Millionen sind es allein bei Instagram, 3,1 Millionen bei YouTube - hier haben sich ihre Abonnenten in den vergangenen acht Wochen fast verdreifacht. Am 10. Mai launcht Pamela die zweite Reborn-Kollektion. Wir verabreden uns erneut zum Interview. Diesmal am Telefon.

Wir sprechen über Influencer Marketing-Kooperationen in Zeiten der Corona-Krise. Pamela nimmt uns mit in ihr Podcast-Studio und erzählt aus dem Alltag eines Familienunternehmens.

"Wir haben den Fokus mehr auf Kreativität gesetzt, was meinen Accounts scheinbar gefehlt hat"

styleranking: Du hast einen enormen Follower-Zuwachs in den vergangenen Wochen verzeichnet. Wie hat sich dein beruflicher Alltag durch die Krise verändert?

Pamela: Ich setze einen größeren Fokus auf die Home-Workouts. Früher habe ich alle zwei Wochen ein Video hochgeladen, das wir natürlich vorgedreht hatten. Jetzt war die Nachfrage plötzlich riesig und ich habe eine Bewegung gestartet, die so nicht geplant war. Anfangs habe ich nur Workout-Pläne mit meinen existierenden Videos erstellt. Dann haben wir die Anzahl der neuen Workout-Videos gesteigert und Live-Workouts produziert. Auf meinem Food-Kanal drehen wir Live-Sessions, in denen ich mit meinen Followern sonntags live backe oder koche. Ich bin in den vergangenen Wochen kreativer geworden.

Ich hatte einen großen Follower-Zuwachs, das Engagement ist noch stärker gestiegen. Besonders durch die Live-Videos habe ich eine enge Bindung zu meiner Community erzielt. Zudem haben mein Bruder und ich unseren Podcast gelauncht. Wir haben den Fokus mehr auf Kreativität gesetzt, was meinen Accounts scheinbar gefehlt hat. (lacht)

styleranking: Welche Plattform hat sich im Zuge der Corona-Krise bei deiner Arbeit besonders hervorgetan?

Pamela: Ich bin auf allen Plattformen gewachsen, würde aber sagen, dass YouTube für mich ganz stark an Relevanz gewonnen hat. Dort teile ich meine Workouts und Live-Videos. Davor war es ein Neben-Account, auf den ich nur einen geringen Fokus gelegt habe.

Ich erreiche auf YouTube völlig andere Follower, die oft erzählen, dass sie keinen Instagram-Account besitzen.

"Die Idee zu den Live-Workouts kommt von meiner Mama"

styleranking: Du hast früher in keinem deiner YouTube-Videos gesprochen. Das hat sich geändert. Warum?

Pamela: Dass ich bei YouTube aufs Sprechen verzichtet habe, gehört zu meinem Erfolgsgeheimnis. Wenn jemand morgens um 8 Uhr schnell ein Workout anschaut, wird er nicht von einer motivierten Nudel vollgeschwafelt, sondern kann in Ruhe Sport treiben. (lacht) Das wertschätzen viele Zuschauer.

Die Idee zu den Live-Workouts kommt von meiner Mama. Wir standen im Bad und haben uns geschminkt, als sie meinte: “So viele Menschen machen deine Workouts. Stell dir vor, die würden alle gleichzeitig und live mit dir trainieren. Sie wären viel motivierter, wenn sie wüssten, dass du in dem Moment auch Sport treibst.” Um den Live-Charakter zu erzielen, muss ich in diesen Videos natürlich reden. Aber ich bin nicht auf den Mund gefallen, obwohl ich einiges optimieren kann. Manche Menschen mögen lieber, wenn ich still trainiere. Andere sagen, dass sie sich motivierter fühlen.

"Wir haben es bis jetzt immer in die Podcast-Charts geschafft"

styleranking: Seit April nimmst du gemeinsam mit deinem Bruder den Podcast Schaumermal auf. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Pamela: Mir fällt es schwer zu erkennen, dass mich die Menschen da draußen anders wahrnehmen, als ich mich selbst. Ich sehe mich und denke, dass sei 1:1 das Bild, das ich auf Social Media spiegele. Irgendwann kam die Erkenntnis, dass das vermutlich nicht der Fall ist. (lacht)

Mein Bruder und ich führen unser Leben lang interessante Gespräche. Die auf Instagram zu teilen, würde den Rahmen sprengen. Deshalb widmen wir uns jetzt einem Podcast. Das Feedback: Die Zuhörer zeigen sich überrascht von unserer Tiefgründigkeit und Intelligenz. Wir haben schnell Freude daran gefunden, ich vermutlich mehr als mein Bruder. (lacht) Den muss ich teilweise zwingen, eine neue Folge aufzunehmen. Er hinterfragt sich und seine Vorbildfunktion. Dennis hört Podcasts von Professoren und setzt die Ansprüche an sich sehr hoch. Ich hingegen höre Podcasts von “Normalos”, die über ihr Leben sprechen, und frage mich, warum er sich so anstellt. (lacht)

styleranking: Wie entwickelt sich das Wachstum eures Podcasts?

Pamela: Die Zuschauerzahlen wachsen mit jeder Folge, die wir veröffentlichen. Wir haben es bis jetzt immer in die Podcast-Charts geschafft und bei Apple-Podcasts haben wir eine Bewertung von 4,5 Sternen.

"Unsere Podcast-Produktion beginnt damit, dass ich meine Matratze und mein Lattenrost aus dem Bett hebe"

styleranking: Nimm uns mit in euer Studio: Sitzt ihr zuhause im Wohnzimmer und zeichnet den Podcast auf?

Pamela: Wir sind in Dennis’ früherem Kinderzimmer gestartet, das ich jetzt als Arbeits- und Wohnzimmer nutze. Da steht so viel rum, dass wir dachten, es entstünde kein Echo oder Hall. Aber der Sound der ersten Folge klingt nicht optimal und der Raum bietet zu wenig Isolierung.

Mein Bruder hatte die grandiose Idee, mein Himmelbett-Gestell mit Vorhängen und Decken umzubauen und diese ‘Höhle’ als Tonstudio zu nutzen. Das machen wir tatsächlich, da wir keine bessere Option gefunden haben. (lacht) Unsere Podcast-Produktion beginnt damit, dass ich meine Matratze und mein Lattenrost aus dem Bett räume. (lacht)

Pamela schickt uns ein Bild ihrer Podcast-Höhle.   Copyright: Pamela Reif

"Wenn ich externe Angestellte hätte, würde ich bestimmt ein Auge zudrücken. Bei meinem Bruder mache ich das nicht"

styleranking: Welche Vor-und Nachteile hat es, mit der eigenen Familie zu arbeiten?

Pamela: Wir sind ein absolutes Familienunternehmen. Für mich arbeitet niemand Externes. Der Vorteile besteht darin, dass wir uns unglaublich gut kennen und uns nichts vormachen können. Ich vertraue meiner Familie absolut und weiß, dass die nur das Beste für mich will. Meine Familie hat keinen Grund, mit einen schlechten Rat zu geben.

Der Nachteil: Ich vergesse manchmal, wie offizielle Arbeitszeiten aussehen würden. Für mich steht außer Frage, dass Aufgaben auch abends um 11 Uhr erledigt werden müssen. Wenn ich externe Angestellte hätte, würde ich bestimmt ein Auge zudrücken. Bei meinem Bruder mache ich das nicht. Dafür arbeiten wir flexibel. Ich erwarte meinen Bruder nicht morgens um 10 Uhr am Schreibtisch. Dennis kommt auf seine Stunden, egal ob er die abends oder morgens absolviert. Bei uns läuft alles ganz entspannt.

Mir wird oft unterstellt, dass er jetzt alles managt und für mich übernimmt. Das entspricht nicht der Realität. Mein Bruder ist sehr kreativ und hilft mir bei Fotografien, Videos und dem Podcast. Aber die Business-Seite verantworte ich alleine.

styleranking: Gibt es eine Hierarchie bei euch?

Pamela: Meine Mutter hilft mir auf Elternebene, ist aber nicht bei mir angestellt. Mein Papa kümmert sich um meine Buchhaltung und mein Bruder ist bei mir angestellt. Dennis und ich arbeiten ebenbürtig als Team. Aber er übernimmt eher die Rolle des Assistenten, während ich die Entscheidungen treffe. Ich schätze ihn sehr für die grandiose Arbeit, die er leistet.

"Ich verzeichne bei allen Kooperationen ein gesteigertes Interesse, je länger ich mit der Firmen arbeite"

styleranking: Warum setzt du eher auf langfristige Kooperationen?

Pamela: Ich finde, das ist das einzige, was menschlich Sinn ergibt. Wenn ich ein Produkt mag, verändert sich das nach einer Kooperation nicht. Viele der Produkte, die ich bewerbe, nutze ich selbst seit Jahren. Man würde vielleicht denken, dass die ersten Postings einer Kooperation besonders gut bei den Followern ankommen, das Interesse aber nach einiger Zeit abflacht. Bei mir trifft das Gegenteil zu. Ich verzeichne bei allen Kooperationen ein gesteigertes Interesse, je länger ich mit der Firmen arbeite. Das Vertrauen der Follower wächst. Bei jeder Kooperation steigen sowohl die Aufmerksamkeit, als auch die Umsätze mit fortlaufender Dauer der Zusammenarbeit.

styleranking: Inwiefern wirkt sich diese berufliche Ausrichtung auf Krisenzeiten aus?

Pamela: Bei mir ist in den vergangenen Wochen kein einziger Auftrag weggebrochen. Einige Projekte wurden höchstens verschoben.

"Die Menschen wertschätzen, dass ich mit nachhaltigen, recycelten und Bio-Materialien arbeite"

styleranking: Du realisierst nun die zweite Reborn-Kollektion mit NA-KD um. Was hat dich dazu bewogen, auch diese Zusammenarbeit fortzusetzen?

Pamela: Ich habe bereits Kollektionen mit NA-KD entworfen, die nicht mit nachhaltigem Hintergedanken produziert wurden. Wir wussten, wie die Zusammenarbeit miteinander funktioniert und dass wir uns gut verstehen. Deswegen haben wir uns zu Beginn des Projekts auf insgesamt drei Reborn-Kollektionen geeinigt. Eigentlich war neben der ersten eine Herbst und eine Winterkollektion geplant. Das haben wir nun zeitlich entzerrt, weil ich unbedingt eine Sommer-Kollektion designen wollte. Ich hatte Lust auf hübsche Sommerkleider, kleine Blusen und kurze Röcke.

styleranking: Die zweite Reborn-Kollektion ist umfangreicher geworden als die erste.

Pamela: Wir haben die große Nachfrage bei der ersten Kollektion beobachtet. Die Menschen wertschätzen, dass ich mit nachhaltigen, recycelten und Bio-Materialien arbeite. Deshalb war es für uns ganz klar, dass die zweite Kollektion umfangreicher wird.

Pamela erzählt: "Ich hatte Lust auf hübsche Sommerkleider, kleine Blusen und kurze Röcke." Alle Teile der Kollektion gibt's ab dem 10. Mai bei NA-KD.   Copyright: NA-KD

"Bei der #rebornchallenge können vier Personen die gesamte Kollektion gewinnen"

styleranking: Entstehen zum Thema Nachhaltigkeit Diskussionen auf deinen Kanälen?

Pamela: Meine Follower nehmen das Thema positiv auf. Bei vielen anderen Influencern entstehen Diskussionen, weil jemand nach dem Sandkorn sucht, das nicht ins nachhaltige Bild passt. Bei meiner Ankündigung zur kommenden Kollektion habe ich den Nachhaltigkeitsaspekt nicht deutlich kommuniziert. Für mich war völlig klar, dass Nachhaltigkeit wieder im Fokus steht und ich dahingehend keinen Schritt zurück treten werde. Daraufhin erreichten mich Fragen wie “Die Kollektion ist schon nachhaltig, oder?” Ich habe deswegen nochmal ausführlich darüber aufgeklärt.

styleranking: Du hast gemeinsam mit NA-KD eine Challenge ins Leben gerufen. Worum geht’s da?

Pamela: Bei der #rebornchallenge können vier Personen die gesamte Kollektion gewinnen. Aufgabe ist es, vier Tage lang kleine Änderungen im Alltag vorzunehmen, die das Leben nachhaltiger gestalten. Dazu zählen Mülltrennung oder die Wäsche so zu waschen, dass sie länger getragen werden kann.

"So langsam ist es an der Zeit, dass ich eine Pause einlege"

styleranking: Du setzt viele positive Akzente in der Krise und hilfst den Menschen mit Content durch diese Zeit. Woran hast du gerade zu knabbern?

Pamela: Ich vermisse es sehr, mich hübsch zu machen und raus zu gehen - egal wohin. Ich vermisse es, essen zu gehen und bei schönem Wetter in einem Café zu sitzen. Ich habe in den vergangenen Wochen unglaublich viel gearbeitet und viele neue Projekte umgesetzt. Mein Zuhause verbinde ich automatisch mit Arbeit, schließlich befindet sich dort mein Home Office. Draußen kann ich der Spirale, in die ich mich gebracht habe, besser entfliehen. Daheim fällt es mir wahnsinnig schwer, den Laptop zuklappen und die Arbeit ruhen zu lassen. So langsam ist es an der Zeit, dass ich eine Pause einlege. Ich möchte mich nicht beschweren, aber denke, dass es mir nicht gelungen ist, eine gesunde Balance aus Arbeit und Freizeit zu realisieren.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Pamela.

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