Interview Part II

Pamela Reif: “TikTok kenne ich nicht einmal”

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
29.11.2019 / 17:58 Uhr

Pamela Reif ist Fitness-Influencerin mit mehr als vier Millionen Followern. Ihre Reichweite sieht sie als große Verantwortung, sich nachhaltig und umweltbewusst zu positionieren. In diesem Jahr setzte das internationale Wirtschaftsmagazin “Forbes” sie auf seine berühmte “30 Under 30”-Liste und hob sie auf’s Cover.

Im zweiten Teil unseres styleranking-Interviews verrät Pamela die Nachteile von Instagram, welche Verantwortung sie von Influencern fordert und gesteht, dass sie TikTok und Twitch gar nicht kennt…

styleranking-Member Robin mit Pamela während des Launch-Events ihrer Kollektion "Reborn".   Copyright: NA-KD

styleranking: Wie viel Verantwortung müssen Influencer übernehmen?

Pamela Reif: Ich denke, ich besitze in sehr vielen Bereichen Verantwortung - egal, ob gesunde Ernährung oder Sport. Nachhaltigkeit sollten wir heutzutage jedem näherbringen. Vor zwei Jahren haben viele noch stolz gepostet, dass sie für drei Tage nach New York fliegen. Heute müssen wir uns in dieser Hinsicht infrage stellen. Jeder weiß, wie viel CO₂-Emissionen das Fliegen produziert. Gestern erst habe ich herausgefunden, dass ein Flug nach Los Angeles circa drei Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß verursacht. Das ist ein Drittel des Durchschnittsverbrauchs eines Menschen pro Jahr. Darüber sollten wir viel intensiver aufklären.

Ich kann selbst nicht komplett nachhaltig leben. Ich fliege hin und wieder und nutze häufig den Zug. Innerhalb Deutschlands fliege ich kaum noch. Wer sich nachhaltig positioniert, bietet natürlich viel Angriffsfläche. Aber niemand ist perfekt und wenn ich mit einem kleinen Anreiz anfange und das einen Domino-Effekt auslöst, so dass meine Follower sich davon inspirieren lassen, dann kann das etwas Großes bewirken.

styleranking: Welchen konkreten Herausforderungen begegnest du?

Pamela Reif: Meine Community zeigt sich glücklicherweise sehr verständnisvoll und fühlt sich schnell inspiriert. Ich teile häufig Tipps, die meine Follower in der Regel unkompliziert umsetzen und in ihren Alltag integrieren können.

Ich freue mich, wenn viele Flaschen aus Edelstahl statt Plastik nutzen und über die Nachteile von Plastikflaschen für unsere Gesundheit und die Umwelt aufklären. Niemand kann sagen, es sei schwierig, eine Tragetasche mit zum Einkaufen zu nehmen. Ich habe anfangs oft meine Baumwolltasche vergessen und mich geärgert. Aber mittlerweile denke ich dran.

styleranking: Beobachtest du angeregte Diskussionen in den Kommentaren unter deinen Posts?

Pamela Reif: Nur sehr selten. Letztens habe ich einen Post hochgeladen und dazu geschrieben, dass ich wünschte, Reisen wäre weniger umweltschädlich. Ich liebe es zu reisen, habe dabei viel gelernt und wunderschöne Orte gesehen. Ich werde auch weiterhin verreisen aber finde es so schade, dass Fliegen so eine negative Auswirkung auf unsere Umwelt hat. Unter dem Post haben viele Leute diskutiert und behauptet, Fliegen hätte gar nicht so einen hohen Anteil am CO₂-Ausstoß. Man muss aber bedenken, dass nur ein Bruchteil der Menschheit fliegt - wenn man das reflektiert, ist der CO₂-Ausstoß enorm. Über solche Themen wird teilweise sehr stark auf Instagram diskutiert. Anders betrachtet: Was soll man an Nachhaltigkeit groß bemängeln?

styleranking: Wenn du noch zur Schule gingest...

Pamela Reif: ...würdet ihr mich wahrscheinlich bei Fridays for Future sehen. Und im Anschluss würde ich vermutlich den Unterrichtsstoff nachholen, denn ich war eine kleine Streberin (lacht).

styleranking: Welcher Fun Fact über dich ist noch nicht publik?

Pamela Reif: Ich weiß nicht ob der sehr publik ist: Meine Follower wissen bereits, dass meine Finger ganz krumm sind. Mein Vater sagt, wenn ich mit dem Mittelfinger den Weg zeigen würde, würden die meisten eine Rechtskurve fahren (lacht). Meine Mutter meint dann: “Du kannst vieles werden, aber kein Finger-Model.”

styleranking: Auf YouTube postest du Workout-Videos, auf Instagram eher Outfit-Bilder..

Pamela Reif: Das Format des jeweiligen Angebots unterscheidet sich - da IGTV hochkant und Youtube quer ist. Auf YouTube schalten die Leute meist mit Laptop ein, um sich auf die Yoga-Matte zu legen und von Anfang bis Ende bei meinen Workout-Videos mitzumachen. Ich rede dabei nicht und pflege eine andere Verbindung zur Community.

Bei Instagram würde ich persönlich niemals das Handy hinstellen und ein Workout-Video mitmachen. Dort suche ich eher Inspirationen und speichere mir Übungen für das nächste Training ab. Der Mitmach-Charakter fehlt auf Instagram. Auf YouTube ist auch die Suchfunktion viel besser. YouTube zielt mehr auf den Inhalt des Videos ab und weniger auf die Person “Pamela Reif”. Dadurch finden mich auch Personen, die nicht explizit nach einem “Pamela Reif”-Video gesucht haben.

styleranking: Sind Twitch und TikTok für dich relevant?

Pamela Reif: Diese Plattformen kenne ich nicht einmal.

styleranking: Auf Twitch findet man Live-Streams und TikTok wird viel für Lipsync-Videos genutzt.

Pamela Reif: Das habe ich mir beides noch nie angesehen.

styleranking: Glaubst du, diese Plattformen könnten für dich relevant werden?

Pamela Reif: Ich bin mit meinen derzeitigen Kanälen gut versorgt. Bei Instagram hätte ich ja ebenfalls die Option, Videos live zu schalten - habe ich allerdings noch nie genutzt.

styleranking: Du sagst, du habest dir noch nie das Handy hingestellt, um bei einem IGTV-Video mitzutrainieren. Gibt es Influencer, bei denen du auf YouTube mittrainierst oder die dich inspirieren?

Pamela Reif: Auf Instagram folge ich vielen Food-Kanälen, meine Startseite ist voll mit Essen. Natürlich folge ich auch Influencerinnen wie Carmushka. Die finde ich sehr interessant, weil sie eine echte Power-Frau ist. Außerdem mag ich Chiara Ferragni, auch wenn ich sie nicht täglich verfolge. Die hat sich ein wahres Imperium aufgebaut. Wenn sie Fotos aus einem Privatjet postet, bekommt sie allerdings viel Kritik. Ich find’s gut, dass sie dafür auch mal einen auf den Deckel bekommt (lacht). Strecken wie von Ibiza nach Italien muss man nun mal nicht mit dem Privatjet fliegen. Es ändert sich also etwas im Kopf der Follower.

styleranking: Du warst dieses Jahr auf dem Forbes-Cover abgebildet. Gibt’s ein nächstes Ziel?

Pamela Reif: Das ist witzig, denn ich hab mir noch nie Ziele gesetzt oder gar aufgeschrieben. Ich habe das Gefühl, dass ich jeden Tag an dem arbeite, was mich glücklich macht. Dadurch kommen die Erfolge von selbst. Bisher hat das gut geklappt, daher fahre ich diesen Zug weiter.

styleranking: Gibt es einen Influencer, dem du ein Bild auf dem Forbes-Cover gönnen würdest?

Pamela Reif: Riccardo Simonetti.

styleranking: Der würde sicherlich toll auf dem Cover aussehen...

Pamela Reif: ...glaube ich auch. Ich würde sogar den Wind für seine Haare fächeln! (lacht)

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch, Pamela.


Teil I unseres Interviews mit Pamela lest ihr hier.

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