Influencer Interview

Sophia Thiel: „Ich liebe das Gefühl, wie eine Maschine zu funktionieren"

Von Franziska Gajek
30.05.2018 / 10:57 Uhr

„Noch drei, noch zwei, noch einen“, motiviert Personal Trainer Nico Broegger. Sieben Influencer, darunter Irina von Fashionambit und Roxi von Roxisecke schauen erleichtert auf, als die erste Runde des Workouts geschafft ist. Gemeinsam mit Fitness Queen Sophia Thiel trainieren die Influencer an diesem Nachmittag in der Münchener Athletik Stube. Sie testen die neue Sportswear Kollektion von Sophia Thiel für Aldi Süd.

Nach dem Workout treffen wir Sophia zum Interview. Auch wenn sie gerade keine Gewichte hebt, strahlt die 23-Jährige Stärke und Vitalität aus. Ihr Körper: Ein Gesamtkunstwerk aus Muskeln. Noch definierter, als wir Sophia von ihrem Instagram-Kanal kennen, sitzt uns die Influencerin gegenüber und spricht über ihren Körper, ihr Schönheitsideal und ihre erste Kollektion für Aldi Süd.

styleranking: Beschreibe deine Kollektion jemandem, der sie nicht sehen kann.

Sophia: Erfrischend, bequem und preiswert. Außerdem gibt es die Möglichkeit, verschiedene Styles untereinander zu kombinieren. Mode sollte man beim Sport nicht unterschätzen. Manche geben sich auf, ziehen einen riesigen Jogger mir Hoodie an und würden lieber auf dem Sofa sitzen. Wenn man sich in Sportkleidung wohl fühlt und die Teile gut sitzen, steigert das die Motivation und verändert das Körpergefühl. Wer sich die Leggins, den Sport-BH und das Shirt kauft, arbeitet vielleicht darauf hin, nur in Leggins und Sport-BH trainieren zu können. Das ist ein großer Motivationsfaktor.

styleranking: Dein Körper steht im Fokus der Öffentlichkeit. Wie fühlt sich das an?

Sophia: Klar kommt das einer Fleischbeschau gleich. Das war bei meinen Wettkämpfen zu Beginn nicht anders. Es gibt Dinge, mit denen man umzugehen lernen muss. Zu erleben, wie sich ein Körper verändert, finde ich aber sehr spannend - bei mir und bei anderen. Bei Social Media bekomme ich direktes Feedback. Ich habe gelernt, damit entspannt umzugehen.

„Wenn das Gefühl stimmt, formt sich das Äußere automatisch"

styleranking: Wirkt der öffentliche Druck als Motivation auf dich?

Sophia: Die Öffentlichkeit spielt keine Rolle. Mein Training funktioniert als Ventil für mich, um Alltagsstress loszuwerden. Ich übe eher selbst Druck auf mich aus, weil ich diesen Wettkampfgedanken in mir trage.

styleranking: Wie fühlt sich dein Körper an, wenn du die Optik außen vor lässt?

Sophia: Manchmal hart und versteift. Ich müsste etwas mehr an meiner Flexibilität arbeiten (lacht). Aber ich fühle mich auch stabil und schmerzfrei. Früher litt ich unter starken Rückenschmerzen. Seitdem ich trainiere, spüre ich keine Probleme mehr. Ich liebe das Gefühl, wie eine Maschine zu funktionieren. Deshalb integriere ich mein Training in meine tägliche Routine. Je stärker ich äußerlich werde, desto stärker werde ich auch innerlich.

styleranking: Was findest du wichtiger: Die Optik oder dieses Gefühl?

Sophia: Wenn das Gefühl stimmt, formt sich das Äußere automatisch. Ich dachte zu Beginn, Sport hätte mit Leid oder Zwang zu tun. Als ich damals abnehmen wollte, habe ich verschiedene Sportarten ausprobiert. Das fühlte sich aber nie gut an. Also habe ich das Training nach kurzer Zeit wieder abgebrochen. Sport ist ebenso entscheidend wie die Ernährung. Wenn du dich innerlich gut und leicht fühlst, überträgt sich das auch auf dein Äußeres.

Crew Memeber Franzi trifft Sophia Thiel beim Influencer Event in München.   Copyright: styleranking

styleranking: Wie fühlt es sich an, vor vielen Leuten dein Training zu absolvieren?

Sophia: Mittlerweile bin ich absolute Härtefälle gewohnt. Sei es bei der Fitness-Messe FIBO oder anderen Fitness-Events. Das bringt das Influencer-Dasein mit sich. Permanent sind Handys auf mich gerichtet und ich teile 24/7 meinen Alltag.

styleranking: Wie überbrückst du Momente, in denen du mit dem Workout lieber aufhören möchtest?

Sophia: Diese Barriere ignoriere ich. Das habe ich mir schnell angewöhnt. Sobald ich fühle, dass es schwierig wird, setze ich nochmal 10 drauf. Diese Angewohnheit trichtert man sich am besten so früh wie möglich ein. Erst dann wird das Training intensiv und macht Spaß. Außerdem intensiviert sich das After Workout Feeling. Auch ein Trainingspartner oder Training auf Zeit kann einen zusätzlich motivieren.

„Ich gebe nie auf, egal wie gut oder schlecht es bei mir läuft"

styleranking: Hilft dir laute Musik?

Sophia: Das ist essentiell. Ich brauche Musik, egal was oder wann ich trainiere. Heute morgen habe ich auf nüchternen Magen meine Brust und meine Arme trainiert. Da war ich noch gar nicht richtig wach. Also habe ich die Musik lauter gedreht. Damit geht’s.

styleranking: Gibt es Tage, an denen du keine Lust hast, über Essen, Sport oder Muskeln nachzudenken?

Sophia: Es gibt Phasen, die ich strenger angehe, um ein gewisses Ziel zu erreichen. Dann räume ich mir auch Phasen ein, in denen ich einen Schritt zurücktrete, um danach weiter springen zu können. Mein Training gehört immer dazu. Es kann aber passieren, dass ich meine ausgewogene Ernährung nicht so strikt handhabe und mehr Zeit für Freunde und Familie einplane.

styleranking: Du hast viel Arbeit in deinen Körper gesteckt und bist damit zum Vorbild geworden. Worauf bist du abseits deiner sportlichen Erfolge stolz?

Sophia: Ich gebe nie auf, egal, wie gut oder schlecht es bei mir läuft. Das macht mich stolz. Ich stoppe nicht und gehe nicht zurück. Außerdem bin ich stolz auf meine loyale und herzliche Community.

styleranking: Welches Schönheitsideal verkörperst du?

Sophia: Stärke. Aber keine, die rein äußerlich existiert. Niemand muss 100 Kilogramm heben, um stark zu sein. Frauen-Power und Emanzipation liegen mir am Herzen. Ich finde es wichtig, sich nicht von Äußerlichkeiten beeinflussen zu lassen. Ich beobachte gern, was mit Menschen passiert, die einen Weg einschlagen, der ihnen gut tut.

styleranking: Wann empfindest du einen weiblichen Körper als schön?

Sophia: Egal ob dick, dünn, definiert oder massig - ich finde jede Art von Körper schön. Für mich lässt sich Schönheit nicht durch Äußerlichkeiten definieren.

styleranking: Stimmen dein Schönheitsempfinden und das deiner Follower überein?

Sophia: Nicht immer. Das lese ich aus den Kommentaren raus. Die Mädels argumentieren meist auf einer Wellenlänge. Bei den Männern sieht das schon ganz anders aus. Letztlich möchte ich aber eine weibliche Community ansprechen.

styleranking: Hast du das Gefühl, dass sich die Toleranz gegenüber den verschiedenen Formen des weiblichen Körpers geändert hat?

Sophia: Der Trend geht zu mehr Toleranz und Akzeptanz, auch unter meinen Followern. Es geht nicht mehr darum, mit Leid, Qual und Hunger abzunehmen. Viel mehr stehen gesunde Ernährung und Sport im Fokus.

„Wenn man den Social-Media-Weg einschlägt, muss man mit Kritik rechnen"

styleranking: Reagierst du, wenn dich doch mal negative Kommentare erreichen?

Sophia: Eher weniger. Es handelt sich bei mir nur um vereinzelte Kommentare. Wenn sie Überhand nehmen, antworte ich. Meist handelt es sich bei den Kommentaren aber um persönliche Meinungen und nicht um konstruktive Kritik.

styleranking: Berühren dich negative Kommentare?

Sophie: Ich habe mich an alles gewöhnt. Wenn man den Social-Media-Weg einschlägt, muss man mit Kritik rechnen. Zu Beginn hat es mich herausgefordert, jetzt berührt es mich nicht mehr.

styleranking: Wie intensiv kommunizierst du mit deinen Followern? Beantwortest du jede Direct Message?

Sophia: Das wäre eine Mammutaufgabe. Ich gehe meine Kommentare alle durch und beantworte die am häufigsten gestellten Fragen. Ich bedanke mich für liebe Kommentare. Wenn ein Thema ganz besonders in den Fokus rückt, drehe ich ein YouTube Video dazu. Ansonsten können sie mich ja auch 24/7 auf Snapchat oder Instagram verfolgen.

styleranking: Du drehst Videos, bespielst Instagram und investierst in deinen Körper. Wie bringst du das in einem Tag unter?

Sophia: Ich verfüge über ein sehr gutes Zeitmanagement und meine Tage sind straff ausgefüllt. Morgens bereite ich meine Mahlzeiten zu und koche für mehrere Tage vor. Dann trainiere ich Kraft und Ausdauer. Anschließend folgen Social Media und diverse Termine oder Events. Abends falle ich kaputt ins Bett.

Sieben Influencer testen gemeinsam mit Sophia ihre neue Kollektion für Aldi Süd bei einem anspruchsvollen Workout.   Copyright: styleranking

styleranking: Wenn du dich zwischen einem Fitness- oder einem Social-Media-Detox entscheiden müsstest, was würdest du wählen?

Sophia: Ich würde mich zu Social-Media-Detox entscheiden. Ohne Training, würde mir das Ventil fehlen, um Social Media auszugleichen.

styleranking: Wie viele Stunden arbeitest du täglich in deinem Job als Influencer?

Sophia: Das gestaltet sich sehr individuell. Vieles nehme ich glücklicherweise nicht als Arbeit war, weil ich Spaß daran habe. Aber so ein Tag auf der FIBO kann auch mal 15 Stunden dauern. Feiertage, Ferien oder Sonntage zählen auch, da ich jeden Tag aktiv bin. Im Schnitt arbeite ich mindestens sieben Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

styleranking: Welche konkreten Ziele möchtest du mit Social Media erreichen?

Sophia: Eine hohe Reichweite war nie meine Absicht. Dadurch ist mein Account sehr organisch gewachsen. Wer gierig nach Followern ist, wirkt nicht authentisch. Trotzdem gilt: Je mehr User mich auf meiner Reise begleiten, desto schöner.

„Jeder Influencer träumt davon, etwas eigenes zu kreieren"

styleranking: Was macht die Kooperation mit Aldi Süd für dich als Unternehmerin wertvoll?

Sophia: Für mich fühlt es sich nach einer großen Ehre an, dass mir der Konzern diese Chance bietet. Jeder Influencer träumt davon, etwas eigenes zu kreieren. Deswegen kommt die Kooperation einem Meilenstein gleich. An meinen Projekten sind ja viele Mitarbeiter beteiligt – auch die empfinden die Kooperation als große Bereicherung.

styleranking: Wonach suchst du eine Kooperation aus?

Sophia: Man sollte sich gut verstehen und die Philosophien müssen übereinstimmen. Außerdem sollte man sich in einer Partnerschaft transparent austauschen und gemeinsame Ziele festlegen. Dann kann es klappen.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Sophia.

Sophias Kollektion eignet sich für sämtliche Workouts. „Außer für Fußball, ein Trickot ist nicht dabei", witzelt Sophia.   Copyright: Aldi Süd

Sophia Thiel wird am 13. März 1995 geboren und wächst in Bayern auf. Als Kind kämpft sie mit starkem Übergewicht, bis sie sich entscheidet, ihren Körper zu verändern. Dank Bodybuilding verliert Sophia 25 Kilogramm Körpergewicht und motiviert mit ihrer Erfolgsgeschichte zahlreiche Follower auf Social Media. Auf Instagram folgen der 23-Jährigen 1,3 Millionen Follower. Bei YouTube schauen ihr über 860.000 Abonnenten beim Workout und Kochen zu. Neben ihrer Aktivität auf Social Media, verkauft Sophia auch ihr eigenes Fitness-Programm. 2018 designt Sophia ihre erste eigene Kollektion für Aldi Süd.

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