Interview

Albino-Topmodel Shaun Ross: "In Deutschland empfängt man mich weltweit am herzlichsten!"

20.04.2016 / 16:55 Uhr

Selbstsicher, erfolgreich und einhundert Prozent er selbst: Das weltweit erfolgreichste, professionelle Albinomodel Shaun Ross zählt bereits seit Jahren zu den festen Größen im Modebusiness. Als waschechter New Yorker mangelt es dem 24-Jährigen nicht im geringsten an Selbstbewusstsein und Offenheit. Eigenschaften, die sich der an Albinismus erkrankte Star auf die harte Tour erarbeiten musste. In seiner heutigen Position provoziert der junge Amerikaner mit seinem Riesenpenis im Musikvideo der Band Bråves, gnadenlos ehrlichen Interviewaussagen und seinem einzigartigen Aussehen. Trotz oder gerade aufgrund dessen gilt er als berühmtestes unter den immer häufiger aufkommenden Underground-Models. Sein Portfolio quillt vor Shootings für GQ, Italian Vogue, i-D, Paper Magazine oder AnOther Magazine über. Modehäuser wie Alexander McQueen oder Hubert de Givenchy buchen den Afroamerikaner. Kein Wunder, dass es da nicht nur beim Modeln bleibt: Shaun spielt in Musikvideos von Popstars wie Beyoncé oder Katy Perry mit. In Lana Del Reys Kurzfilm Tropico spielt er die männliche Hauptrolle. Auftritte in Fernsehserie oder Americas Next Topmodel gehören auch dazu.

Kein Model wie jedes Andere: Albino Model Shaun Ross scheut keine Provokation.   Copyright: styleranking

Im Interview mit uns plaudert Shaun Ross auf dem ihm zu Ehren inszenierten Event im Düsseldorfer Concept Store More Jades über seine Kindheit, verrückte Filmsets und sein unschlagbares Lebensmotto. So viel sei verraten: Dieser New Yorker nimmt kein Blatt vor den Mund. Und wir lieben es!

styleranking: Du bist in der Bronx in New York aufgewachsen. Zählten Mobbing und Diskriminierung zu deinem Alltag?

Shaun Ross: Natürlich. Aber je älter ich wurde, desto mehr sah ich ein, dass Kinder schlichtweg ehrlich sind und dadurch auch ganz schön fies sein können. Sie verstehen nicht, warum jemand wie ich komplett anders aussieht als der Rest. Deshalb war meine Kindheit wirklich tough.

styleranking: War es dein Kindheitstraum, ein berühmtes Model zu werden?

Shaun: Eigentlich wollte ich unbedingt Tänzer werden! Viele Jahre lang träumte ich davon, als Background-Tänzer Erfolge zu feiern.

Starallüren? Fehlanzeige: Trotz weltweiter Erfolge wirkt Shaun Ross absolut bodenständig.   Copyright: styleranking

styleranking: Du giltst als das bekannteste Albinomodel der Welt. Wer profitiert aus deiner Sicht mehr von deinem ungewöhnlichen Erscheinungsbild: Die Marke, für die du wirbst, oder die Aufmerksamkeit gegenüber Albinismus?

Shaun: Es kommt auf die Art und Weise an, wie ich Albinismus durch die Marken, für die ich arbeite, promote. Ich denke nicht, dass man da haarscharf unterscheiden sollte. Es geht einfach um die Aufmerksamkeit, die mein Erscheinungsbild erweckt. Davon profitieren beide Seiten.

styleranking: Es ist wohl selbstredend, dass dir unzählige Fragen zum Albinismus gestellt werden. Fühlst du dich manchmal auf dein Krankheitsbild reduziert?

Shaun: Ja, definitiv. Ich habe oft das Gefühl, als sei Albinismus für die meisten eine brandaktuelle Neuigkeit, über die es mich auszufragen gilt. Aber ich nutze die Aufmerksamkeit gegenüber meiner Person, um den Menschen zu zeigen, dass eben deutlich mehr dahinter steckt als nur eine Pigmentstörung. Es handelt sich bei Albinismus nicht einfach nur um ein Krankheitsbild. Ich bin unglaublich dankbar, dass sich mir die Möglichkeit bietet, aufmerksam auf meine Andersartigkeit zu machen.

Auch für ein paar kurze Snap ist sich Shaun Ross nicht zu fein - sympathisch!   Copyright: styleranking

styleranking: In Tansania werden vor allem Kinder, die an Albinismus erkrankt sind...

Shaun: ... getötet. Es ist der absolute Horror und macht mich wirklich traurig. Aus diesem Grund arbeite ich mit den United Nations zusammen, um Hilfe zu leisten und die Situation zu verändern. Es darf einfach nicht sein, dass diese Kinder in Tansania wie selbstverständlich gefoltert und ermordet werden. Vor ein paar Monaten noch war ich zu Besuch bei den United Nations, um die Öffentlichkeit aufmerksam auf den Horror in Tansania zu machen. Man muss dieser Ungerechtigkeit einfach ein Ende setzen.

styleranking: Dein Job bietet dir die Möglichkeit, die ganze Welt zu bereisen. Reagieren die Menschen unterschiedlich auf dein Erscheinungsbild abhängig von dem Land oder dem Kontinent, den du besuchst?

Shaun: Absolut. Um ehrlich zu sein, werde ich am herzlichsten in Deutschland empfangen. Ich habe das Gefühl, dass die Deutschen meine Arbeit wirklich würdigen - ich liebe das! Deshalb komme ich unheimlich gerne hierher und fühle ich mich wirklich willkommen. Man gibt mir das Gefühl, ich sei ein Star. Japan finde ich auch cool. Wobei ich in Asien definitiv anders behandelt werde. Dort wirken die Menschen teilweise verängstigt durch mein Aussehen.

Jades Geschäftsführerin Evelyn Hammerström begrüßt Stargast Shaun Ross natürlich persönlich.   Copyright: styleranking

styleranking: Du arbeitest nicht nur als Model, sondern auch als Schauspieler. Welchen Job würdest du wählen, wenn du dich zwischen den beiden entscheiden müsstest?

Shaun: Auf jeden Fall das Schauspielern. Das macht mir einfach unglaublich viel Spaß. Es bietet mir die Möglichkeit, in fremde Rollen zu schlüpfen, jemand anderes zu sein. Ich habe kürzlich eine Nebenrolle in der Serie The man in the high castle gespielt. Das war so ein cooles Gefühl, sich selbst in einer Serie zu sehen. Mit Menschen zusammenzuarbeiten, die man eigentlich nur aus Filmen kennt. Einfach fantastisch! Die Dreharbeiten dauerten etwas zwei Wochen. In dieser Zeit habe ich eine Menge neuer Erfahrungen gesammelt. Deshalb würde ich die Schauspielerei dem Modeln immer vorziehen.

styleranking: Im Kurzfilm Tropico von Lana Del Rey spielst du die männliche Hauptrolle. Viele Onlinemagazine haben dieses Projekt als absoluten Flop betitelt. Deine Meinung dazu?

Shaun: Naja, der Erfolg hätte tatsächlich etwas größer sein können. Aber Tropico ist und bleibt eine der größten Videoproduktionen von Lana Del Rey - wenn nicht sogar die Größte überhaupt. Nach Tropico hat sie noch weitere Videos produziert, aber das hat kaum jemanden interessiert. Ich würde sagen, ein Video kann eben nur so erfolgreich sein wie sein Künstler. Aus diesem Punkt betrachtet war es ein Erfolg für Lana.

styleranking: Welchen Ratschlag gibst du jemanden, der sich ausgegrenzt fühlt?

Shaun: Fuck the world! Mach das, was dich glücklich macht, und bleib dabei. Lass dich nicht runterbringen und kämpf dich durch!

styleranking: Wir danken dir für dieses Gespräch und freuen uns, dich bald wieder in Deutschland willkommen zu heißen!

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