BFW Winter 2015

Back to the Streets: Das traurige Dahinsiechen der Bread & Butter

Jana Löbbermann
Von Jana Löbbermann
22.01.2015 / 10:00 Uhr

Totgesagte leben länger. So sagt man. Und normalerweise behält der Volksmund mit dieser Weisheit recht. Im Fall der Streetwear-Messe Bread & Butter erweist sich diese Redensart allerdings als unwahre Floskel. Beim einstigen Aushängeschild der Mode-Messenlandschaft in Berlin wurde der Tod bereits vor einigen Wochen festgestellt.Nachdem die ursprüngliche Bread & Butter im Dezember aus finanziellen Gründen abgesagt wurde, meldete der Geschäftsführer kurz darauf Insolvenz an. Mit letzter Kraft holte Karl-Heinz Müller noch einmal tief Luft und startete mit letzter Kraft eine Wiederbelebungsmaßnahme. Es galt zu retten, was noch zu retten ist. Das Resultat: Eine Guerilla Tradeshow in Berlin Mitte, innerhalb der eigenen Büroräumlichkeiten. Nach einer Welle der Entrüstung und großem medialen Interesse waren die Erwartungen an die zehnte Bread & Butter, die sich in abgespackter Version nun Bread & Butter Back to the Street nennt, entsprechend groß.

Rund 40 Marken zeigen vom 19. bis 21. Januar Teile ihrer Kollektionen. Auf zwei überschaubaren Stockwerken tummeln sich eine Handvoll Besucher. Wir schlendern durch die Gänge und fühlen uns wie Ausstellungsstücke. Jede unserer Bewegungen wird beobachtet, werden genau wie jeder einzelne der wenigen Gäste genau gemustert. In kleinen, gläsernen Showrooms scheinen die Aussteller von Marken wie Cinque, Gabriele Pasini oder Campus nur noch die Stunden bis zum Ende des Tages zu zählen. Am Einlass wird um jeden Besucher gekämpft – eine Akkreditierung benötigt hier niemand. Spätestens beim Blick durch die leeren Gänge wir jedem klar: Die viel besuchte, beliebte und tonangebende Bread & Butter, wie sie einmal war, gibt es nicht mehr.

Trotz wenig Raum herrscht gähnende Leere.

Back to the Streets – der Name ist Programm. Während sich die Bread & Butter in den letzten Jahren immer weiter von ihrem Ursprung als Streetwear- und Denim entfernt hatte, sind die ursprünglichen Wurzeln jetzt wieder deutlich erkennbar. Interessieren tut das allerdings niemand. Für das Fachpublikum ist die Bread & Butter bereits tot – am Eingang darf über das weitere Bestehen der Messe abgestimmt werden. Die Besucher können ihre Visitenkarte in eine weiße oder schwarze Box für oder gegen die Fortsetzung der Messe abstimmen.

Leben oder sterben? Wir durften abstimmen.

Die BBB Guerilla Tradeshow wirkt wie das letzte Aufbäumen eines Giganten kurz vor seinem letztem Atemzug. Ein schneller Fall der einst so beliebten Messe zum traurigen Versuch das selbst geschaufelte Grab noch einmal zuzuschütten. Der groß angekündigte Umzug nach Barcelona, während der Bread & Butter Tage im Sommer, führte zu zahlreichen Absagen von Ausstellern. Bread & Butter? Ja bitte! Aber plötzlich einfach nach Barcelona? Nein danke! Dieses plötzliche Diktat ließen sich die Kunden nicht bieten und brachen der Bread & Butter schließlich das Genick. Des einen Freud, des anderen Leid. Die übrigen Messen profitieren vom Back tot he Street-Versuch der BBB. Die Show & Order bricht seine eigenen Besucherrekorde und auch die Panorama und Premium waren erfolgreich.

Der Mut von Karl-Heinz Müller ein neues Konzept auszuprobieren ist selbstverständlich lobenswert und mutig. Schließlich fängt jeder einmal klein an, sagt der Volksmund. Vielleicht ist der mangelnde Erfolg der neuen Bread & Butter lediglich ein Resultat von Unsicherheit seitens der Aussteller. Hinzukommen das ohnehin schlechter verlaufende Wintergeschäft und das Abwarten der Kunden ob sich ein „neues“ Konzept, das keiner versteht, beweisen kann. Das Problem: Karl-Heinz Müller muss dem Vergleich mit einem Giganten standhalten. Der in diesem Fall leider man selbst ist. Aber Totgesagte leben angeblich länger.

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