Interview

Beauty-Fotograf Felix: „Wer auf Nachbearbeitung verzichtet, schränkt seine Kreativität ein“

Von Silky Sohal
31.10.2017 / 09:00 Uhr

Perfekte Haare, ein charmantes Lächeln und Berliner Humor. Auf dem Sigma Fotoexperten-Tag in Hamburg trifft Beauty-Kolumnistin Silky auf Mode-, Beauty- und Portraitfotograf Felix Rachor. Der ausgebildete Make-up Artist arbeitet mit Marken wie Labello, Schwarzkopf, Babor oder Shiseido zusammen. Stars wie Vladimir Klitschko oder die Ochsenknechts treten vor seine Linse. Influencer-Größen wie Caro Daur, Nina Suess, Stefanie Giesinger, Farina Opoku oder Shirin David posieren für ihn. Seit rund zehn Jahren hält das Multitalent Workshops im Bereich Beauty-Fotografie und schmiedet für die Zukunft große Pläne. Auf Instagram folgen dem Berliner mehr als 40K Abonnenten. Die Facetten seines kreativen Berufs, die Bedeutung von Photoshop und einige seiner Fotografiegeheimnisse verrät er uns im Interview.

Unter vier Augen: Auf dem Sigma Fotoexperten-Tag trifft Redakteurin Silky Beauty-Fotograf Felix Rachor.   Copyright: styleranking

styleranking: Welche Aufgabenbereiche bedient ein Beauty-Fotograf? Wie definiert man den Beruf?

Felix Rachor: Einerseits muss man natürlich fotografieren. Andererseits muss ich als Fotograf ziemlich kreativ sein - insbesondere heutzutage. Das ist eine Aufgabe, die bis jetzt immer der Art Director übernommen hat. Dahinter steckt sehr viel Vorbereitung. Man muss sich in Ruhe inspirieren lassen und immer wieder neu erfinden.

styleranking: Was genau bedeutet Beauty für dich?

Felix: In meinem Beruf ist Schönheit keine subjektive Sache, weil sie vom Markt vorgegeben und definiert wird. Es kommt immer darauf an, wie gut man diesen Markt kennt. Je besser man ihn kennt, desto größer ist die Chance, dass man einen Job ergattert und den Kunden zufriedenstellt. Es gibt Fotografen, die arbeiten mit sehr glamourösen Frauen. Andere arbeiten mit puppenartigen Mädchen und die nächsten gehen in Richtung Avantgarde.

"Vielleicht sollte ich eine Friseurausbildung machen"

styleranking: Was ist das Interessanteste an deinem Job?

Felix: Das Interessanteste an meinem Job ist auch gleichzeitig das Nervigste: Die ständige Veränderung. Dauernd bin ich woanders. Das finde ich geil. Andererseits entstehen dadurch Situationen, dass man zu Hause sein Gepäck gar nicht erst auspackt, weil man gleich ohnehin wieder los muss. Das kann nerven. Neben dem Reisen genieße ich die kreative Ausübung. Das ist bei Beauty-Fotografen nicht zwangsläufig der Fall. Ich habe mir bewusst eine kreative Nische ausgesucht, für die ich verrückte Inszenierungen entwickeln kann.

styleranking: Worauf achtest du als Beauty-Fotograf als erstes?

Felix: Haare! Wenn ich mir die Models selbst aussuchen darf, dann sind ihre Haare eines der Hauptkriterien. Die Frisur kann man später am schlechtesten retuschieren oder bändigen. Wenn jemand von Natur aus schöne Haare hat, kann man unfassbar coole Sachen umsetzen. Wenn jemand zig-mal gefärbte, splissige oder trockene Haare hat, dann hast du als Fotograf keine Chance mehr. Haare sind deshalb eines meiner Favorites. Vielleicht sollte ich deswegen noch eine Friseurausbildung machen. Denn gleichzeitig sind Haare mein größter Schwachpunkt.

A post shared by Felix Rachor (@felixrachor) on

styleranking: Die drei wichtigsten Dinge, auf die du immer achtest?

Felix: Punkt eins: die Haare. Das Zweite sind Mitteltöne. Darauf achte ich während der Bildbearbeitung sehr. Deshalb muss das Foto bereits die Grundlage für die anschließende Nachbearbeitung bieten können. Die Bilder sehen für Außenstehende vielleicht etwas flau aus, man kann aber unglaublich viel aus ihnen herausholen. Punkt drei hat etwas mit meiner Lebenseinstellung zu tun. Für mich ist es wichtig, dass ein Shooting eine richtig positive Energie ausstrahlt. Wenn du den Job langfristig ausüben möchtest, ist es wichtig, dass dich ein gutes Team und tolle Leute am Set unterstützen.

styleranking: Hast du vor dem Beginn eines Shootings eine genaue Vision, wie das Bild zum Schluss aussehen soll oder bist du eher spontan und flexibel?

Felix: Die Vorstellung habe ich in der Tat, bevor ich mit dem Shooting anfange. Es gibt bestimmte Bereiche, die ich komplett festlege. Dafür habe ich ein Moodboard. Natürlich plane ich auch Flexibilität mit ein. Manchmal arbeite ich mit herausragenden Models und merke, dass alles sehr gut läuft. In solch einem Fall bin ich flexibel genug mit dieser Energie zu arbeiten. Grundsätzlich muss ich immer auf der sicheren Seite sein und einen Plan haben.

styleranking: Wann wusstest du, dass du Beauty-Fotograf werden möchtest? Hast du deine Ausbildung zum Make-up Artist davor oder danach absolviert?

Felix: Die Ausbildung zum Make-up Artist habe ich erst vor vier Jahren gemacht. Ich kann mich nicht genau daran erinnern, wann ich den Entschluss gefasst habe Fotograf zu werden.

A post shared by Felix Rachor (@felixrachor) on

styleranking: Wenn du mit einer Person deiner Wahl ein Shooting machen könntest, wer wäre es?

Felix: Ich möchte mich selbst der Herausforderung stellen und nach Hollywood reisen, um dort die Weltstars zu fotografieren. Wenn ich jetzt nur einen Namen nennen darf, würde ich Brad Pitt sagen.

styleranking: Welches Face Feature ist bei der Fotografie am wichtigsten?

Felix: Mir gefallen ausdrucksstarke, auffällige Augenbrauen. Oftmals werden die wie mit einem Edding nachgemalt. Das mag ich nicht. Mir gefällt es auch, wenn die Oberlippe voll und ein bisschen stupsig ist. Früher war ich ein Nasen Fetischist, aber mittlerweile sind es eher die Augenbrauen. Ich hatte mal ein Model mit sehr großen Augen und einem schmalen Mund. Die Fotos fand ich trotzdem wunderschön. Letztendlich kommt es auf das Gesamtpaket an.

styleranking: Wie wichtig ist die Nachbearbeitung für dich?

Felix: Die Nachbearbeitung ist genauso wichtig, wie jeder andere Part von Fotograf, Art Director oder Visagist auch. Die Frage ist nur, wie viel man bearbeiten möchte. Der Bildbearbeiter muss überlegen, ob er die Haut extrem glatt retuschiert oder natürlich lässt. Was macht er mit den Haaren? Verflüssigt er oder nicht? All das sind sehr wichtige Entscheidungen. Mir kann keiner erzählen, dass er alles ausschließlich vor der Kamera verändert. Das halte ich persönlich für langweilig und flach. Man kann aus jedem Schuss durch Veränderungen des Kontrasts oder der Dynamik so viel herausholen. Wenn man darauf verzichtet, würde man sich in seiner Kreativität einschränken.

styleranking: Könnte ich auch zu Hause gute Beauty-Bilder shooten?

Felix: Man kann zu Hause üben. Wenn man Fotografie nicht nur als Hobby betrachtet und damit Geld verdienen möchte, benötigt man nicht zwangsläufig ein Studio. Man kann sich immer ein Studio mieten. Dadurch bleibt man flexibel. Jedem, der Beauty- oder Modefotograf werden will, empfehle ich: Pack deine Sachen und reise um die Welt. Man kann in jeder Stadt oder außerhalb auf dem Land günstig wohnen und sich ein Netzwerk aufbauen. Das ist für die zukünftige Arbeit unfassbar wichtig. Ich habe das leider nicht gemacht und hole das jetzt erst nach.

styleranking: Hast du Beauty-Fotografie Tipps für Änfänger?

Felix: Mach ein Praktikum oder gleich mehrere. Das ist das Beste, was man tun kann. Meine ehemaligen Praktikanten haben zehn Jahre Erfahrungen in nur sechs Monaten nachgeholt. Da ärgere ich mich immer, dass ich das nicht gemacht habe.

"Wenn dich ein Fotograf richtig ausnutzen möchte, ist das ein gutes Zeichen"

styleranking: Kann so ein Praktikum nicht stressig werden?

Felix: Wenn dich ein Fotograf richtig ausnutzen möchte, ist das ein gutes Zeichen. Dann bringst du ihm etwas, weil du sehr gute Arbeit leistet. Wenn du immer nur Kaffee holen sollst, hält der Fotograf nichts von dir und wird dich auch nicht fördern. Gleichzeitig musst auch du den Fotografen ausnutzen. Fordere, dass er dich überall hinschickt und dich geile Sachen machen lässt. Dann nützt du dem Fotografen durch dein Talent und deinen Fleiß. Und du sammelst dank ihm unbezahlbare Erfahrungen.

styleranking: Ein Make-up Trend, der deiner Meinung nach nie aus der Mode kommt?

Felix: Den Nudelook gibt es immer. Aber in unterschiedlichen Varianten. Manchmal liegt die Pastellvariante im Trend, manchmal die Puppenvariante mit etwas Rouge. Oder aber das gebronzte Nude.

Bald veröffentlicht Felix seinen eigenen Bildband.   Copyright: styleranking

styleranking: Du hast so viel Wissen zu diesem Thema. Willst du das nicht mit der Menschheit teilen?

Felix: Na klar. Irgendwann mache ich meine eigene Academy. Das wird richtig geil. Wenn ich Kinder habe und nicht mehr viel reisen kann, werde ich eine Jahres-Academy starten. Da werden meine Schüler zum Beispiel drei Wochen lang jede Woche einen neuen Nudelook entwickeln und erarbeiten können.

styleranking: Was wird der nächste große Beauty-Trend?

Felix: Die Marken versuchen momentan die 90er Neonfarben zu etablieren. Aber damit durchzustarten ist sehr schwierig. Wir Menschen fühlen uns mit den Grundfarben wohler. Gerade in Europa. Ich bin momentan im Avantgarde Bereich unterwegs. Die alten Dolce & Gabbana und John Galliano Looks sowie deren Mischung finde ich zurzeit sehr interessant.

styleranking: Was für eine Pose sieht auf Bildern immer gut aus?

Felix: Geradeaus in die Kamera schauen. Licht gerade. Hintergrund gerade. Alle versuchen verrücktes Zeug zu machen und am Ende ist der Schlüssel eine ganz simple Pose. Wie ein Passbild, nur eben in Beauty.

styleranking: Was sind deine nächsten Projekte?

Felix: Ende des Jahres veröffentliche ich einen Beauty-Bildband. Dafür muss ich noch rund 240 Verträge durchgehen. Außerdem folgen auch noch einige Shootings. Das Buch kommt noch vor Weihnachten raus. Außerdem mache ich erstmals in Kapstadt Einzelcoachings für eine Woche. Das habe ich aber nicht ausgeschrieben. Da muss man mich persönlich fragen. Wir veranstalten eine Woche lang Face-to-Face Seminare und besprechen Marketingstrategien für Fotografen. Und das ganze zwischen Pinguinen und Strand. Wie geil ist das denn? Danach werde ich mit meiner Make-up Assistentin eine Schulung für Fotografen hinsichtlich Make-up beginnen. Es kommen ständig neue Projekte. Wer meinen Social-Media-Kanälen folgt, bleibt immer auf dem Laufenden.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Felix.

Felix Rachor ist ein Mode-, Beauty- und Portraitfotograf aus Berlin. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in den unterschiedlichsten Städten Europas, wie Frankreich, Österreich, der Schweiz und Deutschland. Eine professionelle Schulung machte er in Dresden. Neben dem Beruf des Fotografen hat er ebenfalls eine Make-up Artist Ausbildung. Zu seinen Kunden gehören Magazine, Unternehmen, Celebrities, Musiker und auch Influencer, wie Farina Opoku, Caro Daur, Nina Suess und Shirin David. Ende diesen Jahres bringt er seinen ersten Bildband raus, indem er seine Vorgänge und Erfahrungen teilt.

Follow us