Influencer & Marketing

Bruno Marti: „Wenn Influencer freundlich fragen, ist das 25hours großzügig”

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
19.11.2018 / 09:31 Uhr

#travel, #travelgram, #wanderlust - Reisen ist elementarer Teil eines hippen Lifestyles geworden. Je außergewöhnlicher die Location, desto besser für den Instagram Feed. Auf der Suche nach angesagten Hotels kommt aktuell niemand am Konzept von 25hours Hotels vorbei. Ob im Herzen von Berlin, dem Frankfurter Bahnhofsviertel oder im Le Cartier Central Düsseldorf - zeitgeistige Reisende zieht es in die 25hours Hotels. Das liegt nicht zuletzt an einem außergewöhnlichen Angebot wahlweise inklusive Badewanne auf dem Balkon, Hängematte im Fenster, Plattenspieler im Hotelzimmer und Restaurant in Etage 16 mit Blick über die Metropole.

Auf dem Modemarketing-Kongress in Düsseldorf spricht Bruno Marti, Chief Brand Officer bei 25hours Hotels, über das Konzept hinter der Erfolgsgeschichte. Herzblut spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir treffen Bruno Marti zum Interview und erfahren, wie sich Herzblut mit Business verbinden lässt und wonach 25hours seine Influencer-Kooperationen aussucht.

Bruno Marti arbeitet als Chief Brand Officer bei 25hours Hotels. Sein Ansatz: Eine Marke mit Herzblut, statt Strategie groß machen.   Copyright: 25hours Hotel

styleranking: Sie haben auf dem Modemarketing-Kongress zum Titel “Mit Herzblut statt Strategie gesprochen”. Was umfasst der Begriff?

Bruno Marti: Herzblut bedeutet, vom Kerngeschäft mehr zu verstehen, als von Marketing. Wir wollten in erster Linie Hotels schaffen, wo Menschen ein gutes Gesamterlebnis erfahren. Die Marke wurde nachgelagert. Wenn man von der Marke ausgehend ein Produkt entwirft, kann die Kommunikation toll sein, das Produkt aber abfallen.

styleranking: Funktioniert ein Unternehmen ohne Strategie?

Bruno Marti: Natürlich nicht. Aber das große Wachstum der 25hours Hotel war nicht strategisch. Wir sind Hoteliers, die entsprechende Ausbildungen genossen haben und Berufserfahrung mitbringen. Wir wissen in erster Linie, wie man ein gutes Hotel betreibt.

„Im menschlichen Kontakt muss man täglich Herzblut in die Arbeit legen"

styleranking: Wer transportiert das Herzblut zum Gast? Welche Menschen arbeiten bei Ihnen?

Bruno Marti: Diese Frage hätte ich zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedlich beantworten müssen. Wir sind vor 15 Jahren angetreten und haben die coolsten Socken aus anderen Branchen zusammengesucht. Wir glaubten, nur so die Augenhöhe zu Hotelgästen herstellen zu können. Wir haben aber mittelfristig gemerkt, dass eine gewisse Professionalität nicht schaden kann. Es ist leichter, Profis aus der 5-Sterne Hotellerie mehr Spielraum zu geben und sie aus dem dreiteiligen Anzug rauszuholen. Die dritte Evolutionsstufe: Wir lernen gerade auf die harte Tour, dass es in unserer Branche schwierig ist, Mitarbeiter zu finden. Wir müssen uns überlegen, wie wir Quereinsteiger ausbilden und Menschen aus anderen Kultur-und Sprachkreisen integrieren können.

styleranking: Lässt sich das Prinzip Herzblut auf jedes Business übertragen?

Bruno Marti: Das Prinzip lässt sich auf jede Dienstleistung anwenden, bei Produkten bin ich vorsichtig. Im menschlichen Kontakt aber soll und muss man täglich Herzblut in die Arbeit legen.

Die Nähe zu Frankreich hat die Architekten des neuen 25hours Hotel Das Tour in Düsseldorf zu einer Verbindung aus französischem Flair und geradlinigem, deutschen Design inspiriert.   Copyright: Steve Herud

styleranking: Erkennt der Konsument die Herzblut-Strategie?

Bruno Marti: Wenn der Gast diese Strategie nicht erkennen würde, müssten wir sie nicht umsetzen. Ich glaube aber nicht, dass sie jedem gleich bewusst wird. Ein Hotel kann ein Ort sein, wo man seine Freizeit verbringt oder nur die Sicherheit eines Bettes braucht. Wir müssen die Menschen annehmen, wie sie zu uns kommen.

styleranking: Was soll den Gästen von ihrem Hotel im Kopf bleiben?

Bruno Marti: Was genau hängen bleibt, ist mir egal. Hauptsache, es bleibt etwas. Wir leben davon, dass unsere Geschichten weitererzählt werden. Ob die Gäste vom Service, dem Frühstück, dem Bett oder der Regendusche sprechen, zählt nicht.

„Wir sind zurückhaltend bei Wald, Feld und Wiesen Influencern, die alles promoten, was mit Lifestyle zu tun hat"

styleranking: Was erleben ihre Gäste?

Bruno Marti: Das variiert von Hotel zu Hotel. Zwei Bereiche haben eine übergeordnete Relevanz: Retail, weil wir kleine kuratierte Shops integrieren, die ein zusätzliches Shopping-Erlebnis schaffen. Der zweite Bereich: Essen und Trinken. Wir führen Restaurants mit eigener Strahlkraft, die Locals und Reisende ansprechen. Dann legen wir Wert auf kleine Adventure-Elemente wie Schallplattenspieler oder Fahrräder zum Ausleihen.

styleranking: Sie sagen, dass ihre Gäste ihre Content Creators seien. Arbeit sie dennoch mit Influencern zusammen?

Bruno Marti: Influencer spielen eine große Rolle, da der Reisebereich schon vor den Modebloggern relevant war. Der Begriff Blogger hat sich ausgeweitet und der Kanal spielt keine so große Rolle. Wir sind zurückhaltend bei Wald-, Feld- und Wiesen-Influencern, die alles promoten, was mit Lifestyle zu tun hat. Da erkennen wir keinen Fokus. Wir verkaufen ein Hotelzimmer oder einen Restaurantbesuch und suchen nach passenden Persönlichkeiten.

Das "25hours Das Tour" lädt auch Locals zu einem französischen Kurzurlaub ein. Im Restaurant "The Paris Club" werden die Gäste mit den Genüssen der französischen Küche verwöhnt.   Copyright: Steve Herud

styleranking: Was erwarten sie von Influencern?

Bruno Marti: In erster Linie Freundlichkeit. Wir erhalten die unterschiedlichsten Arten von Anfragen. Wenn jemand freundlich nachfragt und darlegen kann, dass er sich in diesem Bereich bewegt, sind wir großzügig, auch wenn die Person nicht die größte Reichweite hat.

styleranking: Steht Content damit vor Reichweite?

Bruno Marti: Ja. Wir schauen nicht so genau auf die Reichweite, wenn sich ein Influencer ehrlich für uns interessiert. Wenn uns jemand schreibt, ich brauche eine Übernachtung und habe zwei Millionen Follower, stehen wir dem kritisch gegenüber.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Herr Marti.

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