Coachella 2017

Coachella Festival: Warum der Hype vorbei ist

Stephanie Ernst
Von Stephanie Ernst
18.04.2017 / 16:15 Uhr

Die Sonne knallt auf das Riesenrad am Horizont. Bei knapp 40 Grad im Schatten tanzt die Menge über den Wüstenboden. Blondierte Beachwaves schwingen im Beat. Balenciaga Boots verdrecken im Sand. Hier feiern Blogger und Social Media-Stars Coachella 2017. Das Musikfestival in Kalifornien ist für seine hohe Promidichte bekannt. Es gilt als alljährliches Treffen des Who-is-Who der Medienbranche. Aus Deutschland reisen dieses Jahr wichtige Influencer wie Lena Gercke, Riccardo Simonetti, Bonnie Strange oder Janina Uhse an. Aber eine der größten Modebloggerinnen fehlt: Masha Sedgwick. Die Berlinerin schreibt auf ihrem Blog erstmals über die Schattenseiten des Kultfestivals und enthüllt, warum sie endgültig genug vom Coachella-Wahnsinn hat. Damit spricht sie aus, was viele denken.

Coachella Festival: Musik Line-Up ist nebensächlich

Es hat etwas von Karneval. Models, Instagramer und Blogger vergessen für zweimal drei Tage im April ihren persönlichen Stil und schmeißen sich für Coachella in hippiesque Kreationen. Treffpunkt: Die Colorado Wüste in Kalifornien. Seit 1999 lässt das Coachella Valley Music and Arts Festival das Woodstock-Feeling der Siebziger Jahre jährlich wieder aufleben. Mit dem Unterschied, dass bei Coachella keine Rockmusik a la Bob Dylan gespielt wird. 2017 stehen Künstler wie Lady Gaga, Radiohead oder Kendrick Lamar auf der Bühne. Und obwohl sich das Festival ursprünglich um Musik drehte, rückt die Mode der anwesenden Stars jedes Jahr mehr in den Vordergrund. Wer trägt dieses Mal den schickeren Boho-Look: Alessandra Ambrosio, Selena Gomez oder Kendall Jenner? Dabei haben die Streetstyle-Fotografen natürlich auch deutsche Stars im Visier.

Influencer wie Caro Daur, Nina Suess, Marina vom Blog Marina the Moss, Farina von Novalanalove, Topmodel Stefanie Giesinger oder Sängerin Lena Meyer Landrut sind gern gesehene Gäste. Mit ihren Festival-OOTDs versorgen sie ihre Fans über Social Media drei Tage lang mit kalifornischem Festivalflair. Selbst wer sich nicht für Coachella interessiert, kommt an der Bilderflut auf Instagram nicht vorbei.

Das Kultfestival gehört für die größten Medienstars mittlerweile zur guten Manier. Es gilt: Sehen und Gesehen werden. Und trotzdem wagt eine von Deutschlands wichtigsten Modebloggerinnen 2017 die Rebellion: Masha Sedgwick bleibt dieses Mal lieber zu Hause. Warum? Keinen Bock!

Kein Coachella Festival ohne Selbstinszenierung! Selfie-Sticks sind auf Grund von Verletzungsgefahr allerdings verboten.   Copyright: Getty Images/ Emma Mc Intyre

Nein, danke: Influencer Masha Sedgewick verzichtet auf Coachella 2017

Wenn eine Influencerin perfekt zur Festivalschiene passt, dann wohl Bloggerin Masha Sedgwick, die eine Aigner Tasche genauso lässig hält wie die Flasche Becks Bier. Rockig und trotzdem edel, so kennen sie ihre Fans. Jetzt räumt sie auf ihrem Blog mit den gängigen Coachella-Klischees auf und erzählt von ihren Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre. „Frei tanzen und bewegen? Sorry Leute, es ist eine Illusion“, offenbart sie.

Mit über 130.000 Follower auf Instagram zählt die in Berlin lebende Influencerin zu den wichtigsten Modebloggerinnen Deutschlands. In ihrem Anti-Coachella Blogpost berichtet Masha über bedrängende Menschenmassen, viel zu strenge Security, fehlendes Musikinteresse und ruhmhungrige Fashionblogger. „Na klar trägt man ein 2000-Euro-Kleid aus Seide auf einem Festival und passend dazu die Wildleder-Fransentasche von Saint Laurent“, textet sie ironisch. Es gehe Bloggern einzig und allein nur noch um das Foto mit den Streetstylefotografen, um in einem Magazin zu erscheinen. Ob der Coachella-Diss bei ihren Bloggerkolleginnen gut ankommt? Mashas Follower zeigen sich jedenfalls begeistert. „So herrlich ehrlich“ und „Ich feiere dich sehr“, kommentieren Leser den Blogpost. Viele scheinen vom Coachella Rummel genervt zu sein.

Masha Sedgwick schreibt seit 2010 ihr Blog, bei dem es um Lifestyle- und Modethemen geht.   Copyright: Getty Images/Sebastian Reuter

Sattgesehen: Wer braucht heute noch Coachella?

So schön die Stars in ihren Hippielooks auch aussehen, ähneln sich die Outfits in jedem Jahr stark. Der typische Coachella-Dresscode: Runde Sonnenbrille, Boots, Hippiekleid oder Jeansshorts. Einzig die Labels variieren. Und wenn es vor ein paar Jahren sicher noch aufregend war, Influencer nahbar und menschlich in ausgelassener Festivalstimmung zu beobachten, steckt mittlerweile viel Berechnung und Marketing dahinter. Coachella steht für Kommerz. Und der ganze Rummel hat seinen Preis: Die günstigsten Tickets liegen bei 400 US Dollar. Die Kosten für Flüge, Unterkunft und Versorgung addieren sich schnell zur dreistelligen Summe. Ein hohes Investment, wenn man nicht gerade den freigiebingen Sponsor im Rücken hat.

Lohnt sich der Coachella-Besuch in Zukunft? Es ist wohl Geschmack-Sache. Von "Lohnen" werden wieter jene sprechen, die auf Wüstenhitze, Siebziger-Mode und Musik stehen und die sich an den zahlreichen Instagrambildern noch immer nicht sattgesehen haben.

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