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Die Zeitrechnung der Mode: Was hinter dem Geheimnis der September Issue steckt

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
30.09.2017 / 11:00 Uhr

Der gewöhnliche Kalender beginnt mit dem Monat Januar. Völlig klar. Es sei denn, man bewegt sich im Paralleluniversum Fashionbranche. Hier markiert ein anderer Monat den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Wenn die Bäume langsam ihre Blätter verlieren, sich die Menschen gedanklich schon auf das Ende des Jahres vorbereiten und die ersten Lebkuchen in den Geschäften vorweihnachtliche Heißhungerattacken befriedigen, legt die Modebranche den fünften Gang ein. Der September gilt als wichtigster Monat der gesamten Industrie - nicht nur für Labels, Anzeigenverkäufer und Streetstyle-Stars, sondern auch für die großen Magazine. Alljährlich erscheint dazu in Verlagen wie Condé Nast die geheimnisumwobene September Issue. Doch was hat es mit dieser ganz besonderen Ausgabe eigentlich auf sich? Wir lösen für dich das Rätsel um die legendäre Septemberausgabe.

Die September-Ausgaben der Modemagazine sind besonders umfangreich. Maßgeblich bleibt die September Issue der Vogue. Im gleichnamigen Dokumentarfilm über die Arbeit Anna Wintours wird die Entstehung des wichtigsten Heftes im Jahr begleitet.   Copyright: shutterstock

Der September neigt sich seinem Ende und die Modewelt atmet auf. Der wichtigste Monat im Jahr ist geschafft. Aber warum verleiht die Modebranche dem September eine so große Bedeutung? Das liegt zum einen am Einzelhandel. Im September verändert der Konsument sein Kleidungsverhalten. Das Wetter wird kühl, die letzten Sommergefühle finden sich nur noch auf Urlaubsfotos der vergangenen Monate. Der Herbstanfang erweckt die Lust, den ein oder anderen Herbst-Trend in den Kleiderschrank aufzunehmen. Das wissen die Marken und bestücken im September die Stores mit neuen Kollektionen. Damit die Kunden nicht vergessen, wo welche Herbstkeypieces bereits auf konsumbereite Abnehmer warten, läuft parallel die Werbemaschinerie an. In keinem Monat werden so viele Anzeigen geschaltet wie im September.

Auch für Fashionblogger wie Alexa Chung zählt der September zu den wichtigsten Monaten im Jahr. Hier präsentiert sie sich in einem angesagten Steet-Style bei der Dior Show in Paris.   Copyright: Pascal Le Segretain / Getty Images

Das erklärt, warum die Ausgaben von Vogue, Harper’s Bazaar, Glamour und Co. im September so dick sind. Allein in diesem Jahr umfasst die deutsche September Vogue 312 Seiten. Ein Großteil davon besteht aus Werbeanzeigen. Das verspricht nicht nur einen gesteigerten Umsatz für die Marken, sondern auch für das Magazin selbst. Genug Geld, um hochwertige Strecken produzieren zu können. Das ist gut so. Denn Magazine wie die Vogue ordnen neue Trends im richtigen Kontext an, informieren über die neue Saison und berichten über die Fashion Shows. Zwar wissen die Redakteure schon im Februar, welche Trends den kommenden Herbst bestimmen, für den Leser wird diese Information aber erst dann relevant, wenn es die Trends auch in den Läden zu kaufen gibt.

Das diesjährigen Cover der deutschen Vogue zierte die ewig junggebliebene Claudia Schiffer. Bis heute eine schillernde Persönlichkeit in der Mode.   Copyright: Vogue

Um die September-Ausgabe richtig in Szene zu setzen, gehört die Cover-Gestaltung zu den bedeutendsten Disziplinen in der Magazinentwicklung. Die Stars, Models oder Schauspieler, die in diesem Monat das Cover von Harper’s Bazaar und Vogue zieren, prägen Branche und Lifestyle-Gesellschaft. So präsentiert sich auf der diesjährigen September-Ausgabe der US-Amerikanischen Vogue die Schauspielerin Jennifer Lawrence. Gerade erst hat sie Platz drei der bestbezahltesten Schauspielerinnen der Welt erklommen und steht mit ihrem Film Mother! im Fokus der Öffentlichkeit. Fotografiert wurde das Cover von der Star-Fotografin Annie Leibovitz. Die Japanische Vogue nimmt gleich sechs Supermodels, darunter Doutzen Kroes und die deutsche Anna Ewers auf das Cover der September Issue. Das Cover der deutschen Vogue ziert 90er Supermodel Claudia Schiffer. Sie feiert in diesem Jahr 30-jähriges Catwalk-Jubiläum und sorgte jüngst bei der Versace Show für ein echtes Runway-Highlight. Die amtierende Chefredakteurin der US-Amerikanischen Vogue Anna Wintour war es übrigens, die in den 90ern erstmals Prominente auf das Cover der Magazins brachte. Damit förderte sie den erfolgreichen Verkauf maßgeblich.

Neben der berühmten September Issue, über die es auch einen gleichnamigen Dokumentarfilm gibt, bietet der September noch viele weitere modische Highlights. Von Kopenhagen über New York, London, Mailand bis nach Paris präsentieren die Designer auf den Schauen für die Saison Frühjahr/Sommer ihre neusten Entwürfe. Streetstyle-Stars wie Caro Daur reisen von Metropole zu Metropole, überbieten sich mit extravaganten Outfits, um die Gunst der Fotografen zu gewinnen. Die gesamte Branche scheint im September völlig aus dem Häuschen. Candy Pratts Price bringt das Phänomen in The September Issue auf den Punkt: "Der September ist der Januar der Mode, dann beginnt alles von Neuem."

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