Psychologie

Das schönste Mädchen der Welt: Warum Thylane Blondeau das Potential einer Crawford hat

Von Lara Schwitalla
24.10.2017 / 10:05 Uhr

Philosophisch gesehen liegt Schönheit im Auge des Betrachters. Umgangssprachlich ebenfalls. Wissenschaftlich betrachtet sieht die Lage anders aus. Explizite Charakteristika sorgen dafür, dass wir das Gesicht oder die Figur einer Person als attraktiv wahrnehmen. Scheinbar subjektive Meinungen ergeben nicht zufällig einheitlich anerkannte Merkmale von Schönheit. Kein Wunder also, dass sich die Öffentlichkeit im Fall Thylane Blondeau international einig ist. So auch in Deutschland, von der Bild bis zur Vogue. Seit über einem Jahrzehnt gilt die heute 16-jährige als das schönste Mädchen der Welt und startet ihr Model-Debüt bereits im zarten Alter von vier Jahren auf dem Runway von Designer Jean Paul Gaultier. Mit der Wissenschaft im Rücken hinterfragen wir, ob die Tochter von Fernsehmoderatorin Véronika Loubry und Ex-Fußballstar Patrick Blondeau das Potential zur schönsten Frau der Welt besitzt.

Seit über einem Jahrzehnt steht Thylane Blondeau als Model vor der Kamera.   Copyright: Gareth Cattermole/Getty Images

Eine Studie von Eisenthal, Dror und Ruppin bringt 2006 zu Papier, was man aus wissenschaftlicher Sicht bereits ahnen konnte: Die Schönheit des menschlichen Gesicht ist ein universales Konzept, das selbst eine programmierte Maschine erlernen kann. Dabei spielen bestimmte, objektive Charakteristika eine maßgebliche Rolle für unsere vermeintlich subjektive Wahrnehmung von Schönheit. Bereits 1986 versucht der Psychologe Michael Cunningham die physische Attraktivität anhand der Schönheit weiblicher Gesichter zu messen. Dabei unterscheidet der Forscher zwischen attraktiven Eigenschaften im Sinne des Kindchenschemas, der Geschlechtsreife und ausdrucksstarker Gesichtszüge.

Schönheitsmerkmal I: Das Kindchenschema

Als einst schönstes Mädchen der Welt belegt die einheitlich positive Reaktion der Öffentlichkeit auf die Gesichtszüge Thylane Blondeaus ihre Schönheit als Kind. Insbesondere die großen Augen, die zierliche Nase und das schmale Kinn bleiben der Französin auch nach Beginn der Pubertät erhalten. Sollte das Model diese physischen Charakteristika wahren, erhöhen sich ihre Chancen auf den Titel der schönsten Frau der Welt garantiert. Schließlich gelten die Merkmale des Kindchenschemas als objektives Kennzeichen von Schönheit. Und Thylane Blondeau erfüllt sie durch die Reihe.

Schönheitsmerkmal II: Die Geschlechtsreife

Thylanes hohe Wangenknochen waren bereits als Kind kennzeichnend für ihr Erscheinungsbild und vermutlich einer der Gründe, warum sie die Öffentlichkeit mit ihrer Schönheit bis heute fasziniert. Hohe Wangenknochen und schmale Wangen sind als Zeichen der Geschlechtsreife messbare Konstrukte von Schönheit. Damit fallen diese Merkmale unter jene Schönheitsaspekte, die mit steigendem Alter zu- statt abnehmen. Ein weiterer Garant, dass der Teenager in Zukunft zur schönsten Frau der Welt aufsteigen könnte.

Schönheitsmerkmal III: Ausdrucksstarke Gesichtszüge

Unter die dritte Kategorie der Schönheitsmerkmale fallen in Cunninghams Studie hohe Augenbrauen, große Pupillen und ein breites Lächeln. Punkt eins verleiht Thylane Blondeau seit ihrer Kindheit einen offenen Blick. Ein Julia Roberts-artiges Lächeln gelänge der Französin mit ihrem expressiven Schmollmund wohl sicher. Es geht ihr bisher aber nur selten über die Lippen.

Neben einzelnen Merkmalen der Gesichtszüge spielt für ein attraktives Gesicht die Symmetrie eine maßgebliche Rolle. 1994 beobachten Grammer und Thornhill in ihren Untersuchungen, dass die Symmetrie eines weiblichen Gesichts positiven Einfluss auf die Bewertung der Attraktivität ausübt. Dabei postulieren sie eben dieses Ergebnis auf Grundlage der Parasite Theory of Sexual Selection nach Hamilton und Zuk. Für alle Wissenschafts-Freaks, Feminismus-Hobbyforscher und Psychologie-Begeisterte: Jene Theorie schlägt vor, dass Frauen ihre Partnerwahl kontinuierlich auf Basis erblicher Resistenzen gegen Parasiten auf Seiten des Mannes begründen. Aber das ginge an dieser Stelle zu weit.

Das Gesicht und die Figur von Thylane Blondeau entsprechen einem Rundumschlag wissenschaftlich definierter Schönheit.   Copyright: Gareth Cattermole/Getty Images

Als Doktor der Biopsychologie beschreibt Nigel Barber 1995 in seinem Artikel zur evolutionären Psychologie physischer Attraktivität im Hinblick auf die sexuelle Selektion und die menschliche Morphologie, dass ein attraktives Gesicht maßgebliche Hinweise auf die Gesundheit und den Nutzen als Partner gewährleistet. Außerdem spricht ein niedriges Taillen-Hüft-Verhältnis für ein hohes Östrogen-Testosteron-Verhältnis und wirkt deshalb als sexuell anziehend. Die Psychologen Singh und Young von der University of Texas berichten im gleichen Jahr, dass schlanke Körper, ein niedriges Taillen-Hüft-Verhältnis und ein großer Busen als maximal attraktiv bewertet werden. Damit unterstützt die schmale Figur von Thylane Blondeau ihre Gesamterscheinung als Schönheit, wie sie im Buche steht.

Rein wissenschaftlich betrachtet scheint es also durchaus wahrscheinlich, dass sich Thylane Blondeau als einst schönstes Mädchen der Welt im Laufe der nächsten Jahre vom attraktiven Teenager zur schönsten Frau der Welt entwickeln könnte. Damit würde sie auf ein Niveau mit den World’s most beautiful women wie Julia Roberts, Jennifer Aniston, Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie und Cindy Crawford aufsteigen.

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