Zum Tod des Ausnahmemusikers

Fashion-Ikone: Warum David Bowies Stil der Zeit weit voraus war

Katrin Völkner
Von Katrin Völkner
11.01.2016 / 17:15 Uhr

Er war der Paradiesvogel der Rockmusik, das Enfant terrible seiner Branche und einer der einflussreichsten Stars der vergangenen Jahrzehnte: David Bowie. Am Sonntag ist der Musiker im Alter von 69 Jahren gestorben. Im Kreise seiner Familie erlag er nach 18 Monaten dem Krebs. Seine Fans sind bestürzt, Bowie geht als schillernde Kultfigur in die Geschichte ein. styleranking blickt zurück auf das wilde Leben des großartigen Musikers und Fashion-Chamäleons.

David Bowies Tod kommt überraschend – in der Öffentlichkeit wusste niemand von seiner Krankheit. Im Gegenteil: Erst zwei Tage zuvor hatte er sein neues, Jazz-lastiges Album "Blackstar" herausgebracht. Rechtzeitig zu seinem 69. Geburtstag, der ebenfalls auf den 8. Januar fiel. Es war, als wollte der in den letzten Jahren eher erfolglose Sänger sein großes Comeback feiern. Nun scheint es, als habe er sein Lebenswerk noch vollenden wollen, bevor er sich vom irdischen Leben verabschiedet. Eine traurige Ironie des Schicksals. Bewunderer und Kritiker feierten sein Album bereits und lobten ihn in höchsten Tönen, hoben die Songs sogar auf eine Stufe mit seinen größten Hits aus den 70er-Jahren.

Damals, zu Beginn der Seventies gelang Bowie der große Durchbruch. Vom Erfolg seiner Weltraumballade "Space Oddity" im Jahr 1972 angestachelt, versuchte er sich mit diversen Songs und in einer Band, bevor er schließlich mit dem Album "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars" und seiner anschließenden Welttournee als Ziggy Stardust weltbekannt wurde. In einer aufwändigen Bühnenshow inszenierte er sich selbst in ausgefallenen Kostümierungen und mit extremen Posen. Außerdem bekannte er sich öffentlich zu seiner Bisexualität. In den 70er-Jahren sorgte solch eine Aussage natürlich für Gesprächsstoff, zumal er schon mit Angela Barnett verheiratet war und mit ihr einen gemeinsamen Sohn hatte. Die Gerüchteküche brodelte. Es ging so weit, dass ihm selbst Affären mit Mick Jagger, Iggy Pop und seinem Gitarristen Mick Ronson nachgesagt wurden.

In den vier Jahrzehnten seiner Karriere erfand sich David Bowie immer wieder neu. Dieses Outfit ist typisch für seinen Style in den frühen 70ern.   Copyright: Hulton Archive/Getty Images

Wegbereiter des Glam-Rock und androgynen Stils

Was nach der Welttournee kam, ist Legende. Ein Song schlug mehr ein als der andere, es folgten Album auf Album, Tournee auf Tournee. Insgesamt 140 Millionen Tonträger verkaufte Bowie in den vier Jahrzehnten seiner Karriere. Die Alben "Aladdin Sane" und "Diamond Dogs" sowie die Songs "Let's Dance", "Modern Love", "Fame" und "Heroes" bereiteten seinen Erfolg in den 70er- und 80er-Jahren. Ein Erfolg, den er nicht wenig seinen Selbstinszenierungen zu verdanken hat. Verkleidungen von der Lederkluft bis zu Matrosenuniform und glitzernden Anzügen zeichneten ihn aus. Selbst ohne Kleidung war der Superstar noch verkleidet: Nackt, aber mit roten hochtoupierten Haaren und aufgemaltem Blitz im Gesicht posierte er für das Cover seines Albums "Alladin Sane". Mit seinem androgynen Aussehen prägte der Sänger den Stil seiner Epoche, und nicht nur das: Als Inbegriff des Glamrock und Wegbereiter für den Look moderner "metrosexueller" Stars wie David Beckham war Bowie seiner Zeit weit voraus. Auch Lady Gaga nahm Anleihen an Bowies Stil, indem sie sich wie ihr Vorbild einen Blitz ins Gesicht schminkte.

Mit dem somalischen Model Iman führte der Sänger von 1992 bis zu seinem Tod eine glückliche Ehe.

Anfangs begleiteten Drogenexzesse seine Karriere. Davon sagte sich Bowie Ende der Siebziger los. Er zog nach Berlin, wo er mit Iggy Pop zusammenwohnte und sich fortan mit normalen Menschen umgab. In den vergangenen Jahren schien es, als hätte Bowie seine wilden Zeiten hinter sich gelassen und wäre zur Ruhe gekommen. Fast schon als bodenständig hätte man ihn bezeichnen können. Nicht nur mit seiner Musik schlug er nach Rock, Ambient, Elektronik und Punkrock mit Pop ein kommerzielles Kapitel auf, auch seine Mode fiel angepasster aus. Schmal geschnittene Anzüge begleiteten ihn während des vergangenen Jahrzehnts, zusammen mit seiner zweiten Ehefrau, Model Iman trat er bei offiziellen Anlässen als glückliches Paar auf. Keine Spur mehr von Skandalen, keine verrückten Kostüme und keine wilden Gesichtsbemalungen mehr. Trotzdem, David Bowie bleibt uns als der ewig schillernde Paradiesvogel in Erinnerung und wir trauern mit seinem Sohn Duncan Zowie Hayword Jones, wenn dieser auf Twitter postet: "Very sorry and sad to say it's true. I'll be offline for a while. Love to all."

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