BFW Winter 2015

Désirée Nick: "Wir leben im Zeitalter der Geschmacks-Bypässe"

Von styleranking
27.01.2015 / 16:00 Uhr

Von Melina Luker

Während sich Journalisten, Fotografen und Blogger auf den Laufstegen und Messen der Mercedes Benz Fashion Week tummeln, wirken die Straßen in Berlin-Schöneberg fast schon verlassen. Fernab vom Fashion Week Trubel präsentiert Désirée Nick erstmals ihre Kollektion für den Teleshopping Sender QVC – und distanziert sich damit gewollt von der Berliner Fashion Week.

Seit 25 Jahren ist Désirée Nick nun im Showbiz tätig und hat sich nicht nur als Comedian einen Namen gemacht, sondern auch als Tänzerin, Autorin und Dschungelqueen. Dass sie Ende der 80er-Jahre für drei Jahre an einer katholischen Schule Religion unterrichtete, klingt fast wie ein Märchen – dass sie dort aber wegen zu unkonventioneller Lernmethoden gekündigt wurde, klingt schon wesentlich mehr nach der Diva, die für ihre unverblümten Sprüche und bissigen Kommentare bekannt ist. Wir trafen sie zum Interview und sprachen mit ihr über ihre Schmuckkollektion und den Berliner Modezirkus.

Désirée Nick zusammen mit Thomas Rath und Cynthia Barcomi bei der Showroom-Präsentation von QVC.

styleranking: Trotz ihrer zahlreichen Talente in der Unterhaltungsbranche starten Sie nun auch als Schmuck-Designerin durch. Wie kam es zu diesem Schritt?

Désirée Nick: Ich habe meine Kollektion bereits 2006 gestartet. Ich beschäftige mich also schon seit mehr als acht Jahren mit meiner amtlich angemeldeten Schmuck-Marke. Wenn man eine Sache gut machen möchte, muss sie reifen und nun hat es eben so lange gedauert, um die Marke zu entwickeln. Schließlich sind es nicht nur die Ideen entscheidend, sondern auch die Umsetzung.

styleranking: Was können wir von ihrer Kollektion erwarten?

Désirée Nick: Meine Kollektion besitzt Echtschmuck-Qualität. Mein Schmuck hat damit dieselben Ansprüche und dieselbe Qualität wie beispielsweise Schmuck von Bulgari, Harry Winston und Cartier und ist nicht mit Teilen aus Läden vergleichbar, die man mittlerweile in jedem Bahnhof findet. Leider haben die Luxus-Schmuckhersteller unerschwingliche Preise. Wenn man dort zum Beispiel eine Endloskette kaufen möchte, würde sie bestimmt 200.000 Euro kosten. Ich aber habe den Anspruch diese Qualität und den edlen Look auch in großen Stückzahlen für ein breit aufgestelltes Publikum zu Preisen zwischen 39 und 100 Euro erschwinglich zu machen.

Désirée Nick trägt Schmuck aus ihrer eigenen Kollektion. "Diese Endloskette als Echtschmuck würde bestimmt 200 000 Euro kosten", weiß sie.

styleranking: Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Kollektion?

Désirée Nick: Meine Inspiration kommt vor allem durch meine Bühnenauftritte, bei denen ich immer schweren Schmuck trage. Nach fast jedem Auftritt und Talkshow-Besuch bekam ich Mails, Facebook-Nachrichten und andere Messages von Zuschauern, die wissen wollten, wo ich meinen Schmuck gekauft habe. Oftmals waren diese eben von mir designte Stücke. Beispielsweise habe ich mir diese Kette schon vor zehn Jahren als Einzelstück machen lassen, konnte sie als Unikat aber leider nicht verkaufen. Dafür braucht es einen Hersteller und eine Firma. Deshalb habe ich mein Label gegründet.

styleranking: Welches ist Ihr persönliches Highlight aus Ihrer aktuellen Kollektion?

Désirée Nick: Das sind die Star-Earrings mit dem Pompadour-Schliff, die zusammen wie ein Stern wirken. Sie können ohne Probleme im Büro getragen werden, ohne dass jemand sagt „da kommt das Zirkuspferd“. Für mich muss es Schmuck sein, der sowohl im Alltag, als auch auf dem roten Teppich funktioniert - ohne sich großartig umkleiden zu müssen.

Die Menschen ziehen sich ja wie früher üblich nicht mehr mehrmals am Tag um. Die Gesellschaftsschicht, die tatsächlich noch so lebt, kann sich die Teile „in echt“ leisten. Sie brauchen meine Hilfe nicht mehr – den anderen jedoch muss man noch eine Menge beibringen, denn wir leben im Zeitalter der Geschmacks-Bypässe: Es gibt zu viel Schlechtes und zu viel Billiges, daher sind Menschen, die nicht von Natur aus dieses Stil-Empfinden haben, meist ganz schön verwirrt.

Diese Ohrringe sind Désirées persönliche Lieblingsstücke aus ihrer Kollektion für QVC

styleranking: Und denen möchten Sie helfen?

Désirée Nick: Genau, denn mit meinem Schmuck liegt man immer richtig. Mein Label bietet neben klassischen Juwelen auch Panzerarmbänder, elegante Uhren und Perlen, die für mich als Naturprodukt ein Symbol für Vollendung der Natur sind. Jede Kollektion umfasst zudem mehrere Ringe, die perfekt zum Rest der Linie passen.

styleranking: Eine Frage fernab vom Schmuck: Haben Sie ein Highlight auf der Berliner Fashion Week?

Désirée Nick: Leider kann ich die Fashion Week dieses Jahr nicht besuchen, da ich derzeit in Bremen im Staatstheater für „Im weißen Rössl“ probe. Speziell die Berliner Fashion Week ist ein großer Party-Wahnsinn, für den ich schlichtweg keine Zeit habe, da ich fast jeden Abend auf der Bühne stehe. Der Schmuck ist Teil meiner Arbeit und nimmt somit viel Raum ein.

Hinzu kommt, dass rund 80 Prozent der Leute, die hier über die Fashion Week turnen, weder eine eigene Marke noch eine Modefirma besitzen – es ist ein großer Zirkus. Ein Modezirkus. Das ist zwar wichtig für den Nachwuchs, aber diese 80 Prozent arbeiten überhaupt nicht in der Branche. Sie gehen auf die Fashion Week wie in den Zirkus oder aufs Oktoberfest. Ich aber nehme die Dinge ernst und im Theater zu arbeiten verschafft mir ein sehr reiches Leben. Zusätzlich noch eine Schmuckkollektion zu designen ist schon mehr, als die meisten jemals in ihrem Leben erreichen werden.

Désirée's Schmuckarbeiten sind das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und Überlegung.

styleranking: Welche Rolle spielt Mode für Sie?

Désirée Nick: Mode hat mich schon immer interessiert – der Stil wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Ich bin damit aufgewachsen, da meine Mutter schon in den 60er-Jahren Labels getragen hat, die es so heute gar nicht mehr gibt: Balenciaga, Lanvin, Pucci – zu Zeiten, als diese noch von den Meistern selbst kreiert wurden. Meine Mutter hat all diese teuren Kleider getragen und ich habe als Kind mit ihnen gespielt. Als ich Mitte 20 war, hat sich das Modegeschäft komplett geändert, weil der Mainstream den Massenmarkt platt gemacht hat. Viele Modefirmen von damals sind heute tot – Rena Lange, Strenesse oder Escada zum Beispiel. Das sind Marken, die ich früher gerne getragen habe, es aber heute nicht mehr in dieser Art gibt. Sie sind mit einem Erdrutsch hinweg gerafft. Es ist wie eine Welt, die zu Grunde gegangen ist.

Heute ist alles Mainstream und ich setze mich dafür ein, dass in diese unüberschaubare Angebotsbreite auch Geschmack und Kultur eingeführt werden. Die Leute können Mode nicht mehr selektieren; vielen fehlt schlichtweg die Grundlage. Mode ist wie Religion: Jeder kann mitmachen, aber die meisten haben überhaupt keine Ahnung und sind völlige Amateure. Genau dort möchte ich Stil und Klasse reinbringen.

styleranking: Ich danke ihnen herzlich für das Interview und wünsche viel Erfolg mit Ihrer Schmuckkollektion.

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