Meinung

Warum die #A4WaistChallenge harmloser Blödsinn ist

Roland Schweins
Von Roland Schweins
23.03.2016 / 18:27 Uhr

"Können wir Sie zur A4 Waist Challenge befragen?" lautet es aus dem Hörer. Die Redaktion der Aktuellen Stunde ist dran. "Kommt vorbei", antwortet mein Kollege. Und erklärt den Redakteuren vor der Kamera, dass so eine Social Media-Challenge genauso schnell wieder vergessen ist, wie sie aufploppt. Kein Wunder, verstanden es die klassischen Onlineportale von Bento über InStyle ("Der gefährliche Trend" - wuhu) bis Stylebook ("Kranker Internet-Trend") doch wieder einmal ganz vorzüglich, diese Onlinechallenge in der vergangenen Woche künstlich als Megatrend hochzukochen. Wobei hochkochen im Zusammenhang mit einer angeblichen zu Magersucht anstiftenden Challenge eine nicht ganz adäquate Wortwahl sein mag. In Wirklichkeit dürften viele Digital Natives eiskalt abgewunken haben.

Bei der Ice Bucket Challenge haben wir selbst noch mitgemacht. Steckte ja auch ein liebenswerter Benefizgrundgedanke dahinter. Doch dann tauchten immer neuere und abstrusere Herausforderungen im Fahrwasser der eisigen Wasserschlacht auf: Mädels fotografierten sich mit Bikini Bridge und stellten die Pics auf Instagram. Dann folgten die Thigh Gap, Finger Trap, Riccing, Frosting, #cheekyexploits, Planking und Horsemaning und als Krönung des Schwachsinns die Underboop Pen Challenge. Wer wissen will, was das alles ist - Google is your friend!

Fest steht: Das alles wird natürlich längst nicht der Schluss gewesen sein. Die Challenges zeigen viel mehr, dass die Menschen einen unglaublichen Spaß daran entwickeln, Blödsinn zu posten. Besorgte Eltern dürfen aufatmen. Unfug kann zwar ansteckend sein, aber von diesen Instagram-Competitions geht keine ernsthafte Gefahr aus. Ein weißes Blatt Papier, egal vor welches Körperteil gehalten, bringt kein Kind der Welt dazu, sich nur noch von in Watte getunktem Orangensaft zu ernähren.

Sensationsgeile Redakteure klassischer Medien, die diese angeblichen Trends gern befeuern, sich dann darüber wundern, die Nase rümpfen und mögliche Gefährdungen für die Jugend ableiten, sollten sich Folgendes fragen:

  • Gibt es irgendeinen Menschen im engen Bekanntenkreis, der bei einer solchen Challenge mitgemacht hat? Oder im weiteren? Oder jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt?
  • War es mit 18 vielleicht selbst cool, Bierdosen zu schießen, Batterien im Lagerfeuer explodieren zu lassen oder anderen Unfug zu treiben?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass so ein "Trend" in einem Jahr noch ein Thema für die Medien und die Gesellschaft ist?

Die Fragen sind schnell beantwortet. Und die Konsequenz lautet: Lasst den Leuten ihren Nonsens auf Instagram und Facebook. Viele haben in den Social Media-Kanälen etwas zu glotzen und können ihre wort- und bildgewaltige Gegenrevolte abfeiern. Aber niemand wird davon magersüchtig. Genauso wenig wie jemand übergewichtig wird, weil 80 Prozent seines abonnierten Feeds aus Essens-Posts besteht. Guten!

P.S.: Lust auf noch mehr Blödsinn? Hier kommen die verwunderlichen Beauty-Trends der Stars. Garantiert Social Media-approved!

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