Modemarketing Kongress 2017

Diese Trends verändern das Influencer und Social Media Marketing

Janice-Claire Scholz
Von Janice-Claire Scholz
14.09.2017 / 10:00 Uhr

Marketer, Social Media Manager, Modejournalisten, Einzelhändler und auch Onlinehändler versammelten sich am 7. September in Frankfurt am Main zum diesjährigen Modemarketing Kongress. Michael Werner von der Fachzeitschrift TextilWirtschaft und Jürgen Scharrer vom Marketing-Magazin Horizont führten durch das ganztägige Programm. Der Branchentreff wurde von den beiden Printmedien in Zusammenarbeit mit der dfv Conference Group veranstaltet. Getreu nach dem Motto des Events "Erfolgreich vernetzt: Modekommunikation in digitalen Zeiten" wurden interessante Vorträge mit zahlreichen Best Practice-Beispielen und aufschlussreichen Aha-Erlebnissen gehalten. Auch styleranking war als Medienpartner mit dabei und hörte den Beiträgen gespannt zu. Profis lernen von Profis. Es wurde diskutiert, hinterfragt sowie Wissen und Know-how weitergegeben. Vor allem die Veränderungen des Modebusiness aufgrund der kontinuierlichen Entwicklung der Digitalisierung standen im Vordergrund.

Auch der diesjährige Modemarketing Kongress war ein voller Erfolg.   Copyright: Thomas Fedra/ ​​conferencegroup.de​

Snackable Content

Den wohl eindrucksvollsten und unterhaltsamsten Vortrag hielt Sebastian Kemmler, Managing Director der Kreativagentur Kemmler Kemmler. Mit Wortwitz und einer bunten, ausdrucksstarken Präsentation verdeutlichte er, dass wir uns mittlerweile nicht mehr im digitalen, sondern im mobilen Zeitalter befinden. Während wir durchschnittlich nur 20% am PC verbringen und 34% unserer Medienzeit vor dem Fernseher hocken, hängen wir stolze 46% am Smartphone. Der Medienkonsum wird eindeutig vom mobilen Gerät dominiert. Dabei spielen wiederum die Sozialen Netzwerke eine bedeutende Rolle und üben einen großen Einfluss auf das derzeitige Modemarketing aus. Statistiken aus dem vergangenen Jahr beweisen, dass Facebook, Instagram und Twitter zu den drei wichtigsten Social-Media-Kanälen zählen. Unternehmen sollten ihre Inhalte daher vor allem auf diesen Plattformen bespielen. Damit eng verknüpft ist laut Kemmerer das Kreieren von sogenanntem „Snackable Content“. Demnach sollen die Inhalte auf den Sozialen Netzwerken so erstellt werden, dass sie schnell und von unterwegs aus konsumiert werden können.

Sebastian Kemmler von der Kreativagentur Kemmler Kemmler weiß, worauf es beim Kreieren von Content ankommt.   Copyright: Thomas Fedra/ ​​conferencegroup.de​

Influencer Marketing ist nichts Neues

Neben dem Social-Media-Marketing wurde vor allem der Themenschwerpunkt Influencer Marketings gesetzt. Sarah Kübler, Geschäftsführerin von HitchOn, einer Agentur, die ihren Fokus auf YouTube und das Influencer Marketing legt, stellte bereits zu Beginn ihres Vortrags klar: „Das Influencer Marketing ist absolut nichts Neues. Lediglich die Bezeichnung des Influencers ist neu entstanden und hat sich mittlerweile etabliert.“ Denn Stars und Sternchen wurden auch vor Entstehung des neuen Begriffs mit Produkten von namhaften Marken, aber auch unbekannten Labels ausgestattet, um die Bekanntheit und den Absatz am Markt zu steigern. Die Unternehmen haben das Potential der sozialen Netzwerke und ihre Betreiber erst im Laufe der letzten Jahre für sich erkannt. Denn die Blogosphäre wurde jahrelang nicht ernst genommen, obwohl Werbung in Weblogs bereits seit 2004 betrieben wird. Dies hat sich immens geändert: Mittlerweile gilt die Regel, dass Unternehmen nur Erfolg erlangen oder diesen halten können, wenn sie eine Online-Präsenz aufweisen. Um ein weites Spektrum an potentiellen Kunden anzusprechen, reicht die Werbung in klassischen Medien nicht mehr aus. Blogger und Vlogger dominieren die Marketingwelt und auch thematisch den Modemarketing Kongress 2017.

Warum das Influencer Marketing so effizient und lukrativ ist, zeigt sich eindeutig am Verhalten der Konsumenten: Diese vertrauen bewiesenermaßen Influencern mehr als Marken. Denn sind wir doch mal ehrlich: Wer vertraut einem großen gesichtslosen Unternehmen, dass das eigens kreierte Produkt anpreist und präsentiert? Da glauben wir eher dem Blogger, dem bekannten Gesicht, das jeden Tag auf dem Bildschirm unseres Smartphones aufflimmert. Dem Blogger, der grinsend und total authentisch in die Kamera lächelt, von den Vorteilen des Produkts erzählt und zu dem wir bereits ein, wenn auch nur fiktives, freundschaftliches Verhältnis aufgebaut haben. Genau so geht es auch 92% aller Konsumenten, die auf Empfehlungen von Freunden oder sogar Fremden vertrauen – und somit mehr als den Marken selbst.

Kübler gibt außerdem den Tipp, den Fokus mehr auf Microinfluencer zu setzen. Auf diese Weise kann sich die Reichweite erhöhen und ein bisher unerreichtes Publikum angesprochen werden. Die Bindung dieser Microinfluencer zu ihren Fans sei oft enger und vertrauter, weshalb diese Empfehlungen mehr Gewicht haben würden als diejenigen der ganz großen Stars. Neben der Zusammenarbeit mit Microinfluencern steht ein weiterer Trend im Influencer Marketing im Vordergrund: Das Verhältnis der Unternehmen mit den kooperierenden Influencern. Diese müssen dringend zu einer freundschaftlichen Beziehung ausgebaut und dementsprechend gepflegt werden, statt sich wie ein „One-Night-Stand“ zu verhalten, so Kübler.

Kennzeichnung von Werbung

Der Vortrag von Katrin Krietsch und Dr. Jonas Kahl der Kanzlei Spirit Legal LLP sorgte für eine hitzige Diskussion unter den Zuhörern. Auch die beiden Rechtsanwälte beschäftigten sich mit dem Thema Influencer und stellten tiefer gehend die Frage, ob es sich bei der Zusammenarbeit um einen Segen oder Fluch im Modemarketing handelt.

Derzeit wohl eher letzteres, wenn es um die Kennzeichnung von Werbung geht. Schließlich gibt es bisher noch immer keine klare Regelung und die Unternehmen befinden sich in einer rechtlichen Grauzone. Generell ist jedoch eines zu beachten: Werbung muss auf den ersten Blick klar erkennbar sein. Dabei ist die Kennzeichnung abhängig vom jeweiligen Medium. So muss in Bewegtbildern wie YouTube-Videos dauerhaft der Begriff „Dauerwerbesendung“ eingeblendet sein. In Texten muss bereits zu Beginn ein eindeutiger Begriff platziert werden, der auf werbliche Inhalte hinweist. Englische Begriffe wie „Paid Post“ oder „sponsored“ sind dabei unzulässig, sofern sich die Inhalte an einen deutschsprachigen Verbraucher richten. Die korrekte Kennzeichnung von Werbung richtet sich immer nach der Regelung des jeweiligen Landes, für das die Inhalte bestimmt sind. Wenn sich ein Unternehmen gleichzeitig an ein deutsch- und englischsprachiges Publikum richtet, müssen demnach auch die entsprechenden Begriffe in den jeweiligen Sprachen verwendet werden - beispielsweise „Anzeige“ und „Advertisement“. Diese Begriffe sollten auch als Hashtag auf den Sozialen Netzwerk Gebrauch finden, schließlich gilt der Hashtag #ad als zu kurz. Unter einer Vielzahl an Hashtags geht dieser nicht eindeutig hervor, weshalb eine klare Kennzeichnung nicht gegeben ist. Um mögliche Geldstrafen und sonstige Bußen zu umgehen, stellt Dr. Kahl eins klar: „Lieber mehr kennzeichnen als zu wenig.“ So ist man definitiv auf der sicheren Seite.

Fast die Hälfte unserer gesamten Medienzeit verbringen wir am Smartphone.   Copyright: Thomas Fedra/ ​​conferencegroup.de​

Wir durften einen interessanten und vielseitigen Kongress miterleben und viele neue Erkenntnisse gewinnen. Das Influencer Marketing bleibt ein großes Thema unter den Marketern. Die neuen Trends im Modemarketing werden auch unseren Alltag bei styleranking beeinflussen. Wir sind weiterhin gespannt, wie sich die Arbeit mit Influencern und den Sozialen Netzwerken in Zukunft noch entwickeln wird und freuen uns bereits auf den kommenden Modemarketing Kongress im nächsten Jahr.

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