Mode-Wirtschaftstagung

DMHK 2015: Wie der stationäre Handel die Digitalisierung überlebt

Phetchinda Khamsitthy
Von Phetchinda Khamsitthy
10.11.2015 / 12:00 Uhr

Es ist kein Geheimnis, dass die Welt immer digitaler wird. H&M, mytheresa.com, Zalando oder Zara: Ein Klick und die neue Tasche, passend zu den schönen bordeaux Boots, steht am nächsten Tag vor der Tür. Längst sind Händler nicht mehr nur offline präsent, sondern auch online. Doch was genau heißt das für den stationären Handel? Eine Frage, die auf dem Deutschen Modehandels-Kongress stark diskutiert wird. In Düsseldorf treffen sich Vertreter und Vorsitzende von namenhaften Unternehmen wie Galeria Kaufhof, mytheresa.com oder s.Oliver und suchen nach Antworten. Als offizieller Medienpartner ist styleranking vor Ort und berichtet.

Die Podiumsdiskussion mit Textilwirtschaft Chefredakteur Michael Werner, Vorstand von Ludwig Beck/Wormland Christian Greier, Inhaber von Messerich Mode Lars Messerich und Geschäftsführung von Schwitzke&Partner Klaus Schwitzke bietet den Einstieg. Stationäre Geschäfte setzen meist auf ihren treuen Kundenstamm. Sie sind spezialisiert auf ein bestimmtes Sortiment. Ein Online Shop ist nicht vorhanden. Die Frage ist also: Schaffen es stationäre Geschäfte sich ohne Online-Vernetzung durchzusetzen?

Um attraktiv und lukrativ zu bleiben, muss man im Gedächtnis bleiben. Es sei schwer, sich gegen die Geschäfte wie H&M oder Zara durchzusetzen, sind sich die Experten einig. Aber selbst ein neues, aufregendes Interieur sei schon sehr hilfreich, so Lars Messerich. Als Inhaber des Familienunternehmens Messerich Mode hat auch er sich Gedanken gemacht, wie er auf dem Markt bestehen kann. Dass er sein Shop-Design geändert und die persönliche Kunden- und Typberatung sehr ernst genommen hat, habe positive Wirkung gezeigt. Dies sei der erste Schritt in die richtige Richtung. Eine „1 zu 1“ Kundenbeziehung aufzubauen, sei die Hauptaugabe zum Überleben des stationären Handels. Nur so könne er sich vom Online-Geschäft differenzieren.

Auch Michael Kliger, Vorsitzender der Geschäftsführung mytheresa.com, schließt sich in seinem Vortrag dem Gedanken an. Mytheresa.com ist das beste Beispiel für eine gelungene Vernetzung. Sie eröffneten 1987 THERESA Boutiquen in München und starteten 2006 einen Online-Shop. Als Spezialist für Luxusmode werben sie mit schnellem Versand, aufwendigen Verpackungen und nahem Kundenservice. Der Kunde müsse nicht länger als drei Sekunden warten, wenn er die Kundenhotline anruft. Jeden Freitag setzt sich der Kundenservice mit dem Kundenfeedback auseinander. Auch hier steht der Kunde an erster Stelle und das macht sich bemerkbar. „Ich muss sie leider enttäuschen, aber unsere Kunden schreiben nur We love you! oder You are amazing!“, so Michael Kliger. Ungeachtet das der Online-Shop boomt, sei das Word-of-Mouth zwischen Kunden und Händlern die wichtigste Strategie. Der soziale Aspekt sei der entscheidende Vorteil für den stationären Handel.

Weniger Probleme haben große Modeketten diesbezüglich: Dass H&M, Zara und Co. sich über Wasser halten können und sowohl online als auch offline erfolgreich sind, liegt an der ständigen Massenpräsenz. Das Sortiment ist fest und somit in jedem Shop rund um die Welt erhältlich. Das macht das Konzept eines vertikalen Geschäftes aus. Ob kleinere stationäre Geschäfte trotz des limitierten Sortiments erfolgreich in der Vernetzung sein werden, entscheide sich in den nächsten Jahren.

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