Hinter den Kulissen

Knallhart - Der Fotografenjob auf der Fashion Week

Svenja Jöres
Von Svenja Jöres
08.01.2014 / 13:51 Uhr

Von Svenja Jöres, Köln

Nächste Woche beginnt die Fashion Week in Berlin. In den letzten Saisons war ich für styleranking im Zelt und habe die Modenschauen und Modeinstallationen der Designer fotografiert. Dieses Mal bin ich nicht dabei. Mit einem sehnsüchtig weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge blicke ich auf das, was ich verpasse.

Die Fotografen der Fashion Week sind nicht gerade die bestgelauntesten Geschöpfe auf Erden. Ob das an ihrer Persönlichkeit liegt, oder doch an dem Druck, den sie haben, um auch wirklich jedes einzelne Outfit perfekt - und vor allem besser als jeder andere - abzulichten, darf jeder für sich selbst beantworten. Die Stimmung am Ende des Laufstegs ist jedenfalls nur oberflächlich freundlich und darunter ziemlich ruppig.

Fotografen auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin


Das war mein Revier in der letzten Saison.

Das beginnt schon mit dem halbjährlichen Wettrennen um die besten Plätze, was eigentlich dadurch seinen Sinn verlieren müsste, dass die mittleren - also die besten - Plätze so oder so bereits abgeklebt sind, schon lange bevor der eigentlichen Meute die Schranke geöffnet wird. Hat es aber nicht. Wie ein Rudel wildgewordener Wölfe stürmen alle Fotografen los, um ihr Revier der Woche zu markieren.

Ein Bild der Fashion Week in Berlin


Bei Guido Maria Kretschmer gab es Kronleuchter und eine kleine Performance. Die Chance, mal ein etwas anderes Laufstegbild zu machen.

Nach diesem sportlichen Einstieg in die Woche geht es meist nur minimal unsportlicher weiter. Circa acht Shows pro Tag werden abgelichtet, viele der Fotografen machen auch mehr. Model kommt - Foto. Model posiert - Foto. Nächstes Model kommt. So geht das bei jeder Show, den ganzen Tag, ununterbrochen. Die meisten Fotografen schnallen ihre Kamera auf ein Stativ und wechseln den Ausschnitt des Bildes kein einziges Mal. Warum auch? Es geht ja um die Kleidung und da macht ein Hochkant Bild mit Ganzkörper-Model eben Sinn.


Querformat und nur der Kopf? Geht eigentlich gar nicht...

Joar, stimmt schon. Ich hab's trotzdem immer anders gemacht. Gegen ein Stativ habe ich mich strikt geweigert und sehr schmerzhaften Muskelkater davongetragen, aber immerhin hatte ich so die Chance zu variieren und unterschiedliche Bilder mit unterschiedlichen Ausschnitten zu knipsen. Bei den Modenschauen auf dem großen Laufsteg ist das schon eine Herausforderung. Andauernd hat man den Ellbogen, den Kopf oder den ausgeschalteten Blitz der vorderen Fotografen auf dem Bild, wird von einem der hinteren zur Seite gedrückt und die Models rennen mit einem Affenzahn, so dass man sich entscheiden muss: entweder wenige und dafür außergewöhnliche Fotos oder viele, dafür aber Fließband-artig gleiche Fotos.

Isabell de Hillerin


Eine sehr kreative und beeindruckende Modeinstallation im Studio des Zeltes von Isabell de Hillerin.

Bei den Modeinstallationen der "kleineren" Designer im Studio ist das dann schon wieder viel kreativer. Auch wenn mittlerweile jede zweite Show dort ebenfalls eine Modenschau mit Laufsteg ist, gibt es ab und zu noch die wirklich interessanten Installationen: Die Models stehen auf Podesten, bewegen sich minimal, manchmal gibt es Rauch und Pflanzen. Mal geht der Zuschauer herum und sieht sich die Kleidung der Models an wie in einer Kunstausstellung, mal wechseln die Models von Zeit zu Zeit ihre Position und am Ende wird noch einmal eine Gesamtaufstellung gemacht. Für die Fotografen und Zuschauer ist das die Chance, endlich auch auf Details zu achten und andere Perspektiven einzunehmen, zu beobachten und sich fesseln zu lassen.

Isabell de Hillerin


So kann eine Modeinstallation aussehen. Die Zuschauer haben genug Zeit, sich jedes Outfit anzusehen und auch auf Details zu achten.

Dass ich mich dafür entschieden habe, wenige außergewöhnliche Fotos zu machen, habe ich eigentlich schon gesagt. Ich habe lieber mein eigenes Ding gemacht. Ich habe mit dem Muskelkater gelebt, andere Fotos gemacht und mich auf jede Modeinstallation gefreut, die nicht nach dem stupiden Auf- und Ablaufen der Models von Statten ging.

Moga e Mago


Moga e Mago schaffte es letzte Saison, die Fashion Week Fotografen herauszufordern - Auf dem Laufsteg gab es Licht nur aus Taschenlampen.

Liebe Designer, ich bin mir sicher, ich spreche nicht nur für viele Fotografen sondern auch im Sinne vieler Zuschauer, wenn ich sage: Macht mal etwas anderes. Macht wieder Installationen, oder fordert uns auf dem Laufsteg heraus wie Moga e Mago letzte Saison. Ich bin gespannt, wie sich die Präsentationen der Designer entwickeln und was das styleranking-Team berichtet. Ein bisschen traurig bin ich ja doch, diesmal nicht in diese völlig andere Welt einzutauchen.

Svenja Jöres schreibt für styleranking die Fotokolumne Klick

Svenja Jöres und ihre Kamera begleiten styleranking schon eine ganze Weile. Ob bei Modenschauen, Messen und Events - Svenja weiß, wie sie Models und Objekte perfekt in Szene setzt. Ihr Talent optimiert sie in ihrem Studium an der KHM Kunsthochschule für Medien in Köln, auf Reisen und in eigenen Lifestyle-Shootings. In ihrer wöchentlichen styleranking-Kolumne "Klick" teilt sie mit euch ihr Wissen und kreative Ideen, gibt technische Tipps und Inspiration.

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