Young Professionals' Day 2015

H&M Deutschland-Chef Thorsten Mindermann: "Ich wollte nie Geschäftsführer werden"

Moritz Lindert
Von Moritz Lindert
24.06.2015 / 10:00 Uhr

Von der Aushilfe im Store auf den Chefsessel des Hauptquartiers - diese beispiellose Kometen-Karriere legte H&M Deutschland Geschäftsführer Thorsten Mindermann hin. Über 25 Jahre arbeitet er bereits für den schwedischen Highstreet-Giganten und hat das Feld von hinten aufgerollt. Das ist mehr als ungewöhnlich, schließlich bleibt heutzutage kaum noch ein Arbeitnehmer so lange bei einem Unternehmen, erst recht nicht in der schnellelebigen Modebranche. Mindermann hat es getan und sich mit Mitte 40 zum deutschen Geschäftsführer bei H&M hochgearbeitet. Langweilig ist ihm trotzdem nicht. "So viele Jahre bei derselben Company und mittlerweile neun Jahre im gleichen Job - das kann langweilen. Man kann aber auch mit Ehrgeiz und Spannung daran gehen, dann ist kein Tag wie der andere."

Auf dem TW Young Professionals' Day spricht H&M Deutschland Chef Thorsten Mindermann mit styleranking-Redakteur Moritz.   Copyright: styleranking

Gleich nach der Schule startete der schüchterne Junge mit Zahnspange als Verkäufer im Shop. "Nach dem Abitur war ich orientierungslos, wusste nicht, was ich machen soll. Ich musste Geld verdienen, also fing ich bei H&M als Aushilfe an." Es war der Beginn eines langen und lehrreichen Aufstiegs. Auf Drängen seiner Eltern schob Mindermann ein Wirtschaftsstudium ein, doch seine Leidenschaft galt dem Handel. Schnell zog es ihn zurück in den Store, wo sich bald die ersten Karriere-Chancen für ihn eröffneten. Seine ersten Erfahrungen sammelte Mindermann als Abteilungs- und Filialleiter im Hamburger Geschäft, dann kam der Ruf aus dem Ausland. Ohne ein Wort Französisch zu sprechen, ging er als Country-Manager nach Genf und erschloss anschließend ohne spezifische Kenntnisse den italienischen Markt für den Mode-Schweden. Alles, was er dafür brauchte, lernte er unterwegs.

"Sechs Tage Arbeit die Woche - mir fehlte die Work-Life-Balance" - Beim Young Professionals' Day teilt Mindermann seine Erfahrungen mit jungen Hochschulabsolventen.   Copyright: styleranking

Heute lebt der gebürtige Bremer die Philosophie von H&M. Er identifiziert sich mit den Werten des Unternehmens, zitiert Gründerenkel Karl-Johann Persson und trägt natürlich selbst H&M. "Ich bin so sehr H&M, ich könnte H&M tanzen", sei ihm einmal in einem Interview herausgerutscht, seither wird er auf Veranstaltungen wie dem TW Young Professionals' Day regelmäßig zum Tanz aufgefordert. Im Interview mit styleranking tanzt Mindermann zwar nicht, doch der CEO berichtet von seinem schwedisch-deutschen Karrieretraum und erklärt, warum er eigentlich nie Geschäftsführer werden wollte.

styleranking: Herr Mindermann, ihr Lebenslauf liest sich wie ein Karriereratgeber. Doch welche Eigenschaften braucht man, um heutzutage bei H&M Karriere zu machen?

Thorsten Mindermann: Wenn du bei H&M anfangen willst, hast du vor allem eine positive Lebenseinstellung, große Lust mit Menschen zusammenzuarbeiten und interessierst dich für Mode.

styleranking: Wie wichtig sind Studium und Ausbildung?

TM: Natürlich ist eine bessere Ausbildung von Vorteil. Allerdings ist sie noch lange keine Job-Garantie. Viel wichtiger ist, dass du das Wertesystem von H&M teilst. Das drückt bei uns aus, wer zu unserem Unternehmen passt. Wir können niemanden beschäftigen, der keine Lust auf diese Werte hat.

Thorsten Mindermann ist H&M treu und rät: "Nur wer sich wirklich mit den Werten eines Unternehmens identifiziert, kann Erfolg haben"   Copyright: styleranking

styleranking: Langsamer Aufstieg oder Kometen-Karriere – welchen Weg würden Sie heute gehen?

TM: Für mich war dieser Weg genau der richtige. Eine andere Persönlichkeit geht vielleicht den kürzeren Weg. Beides ist möglich, es gibt kein allgemeingültiges Rezept.

styleranking: Gab es in Ihrer Karriere auch schwierige Momente?

TM: Natürlich, zum Beispiel hatte ich oft Probleme, meine persönliche Work-Life-Balance zu finden. Ich wollte mangelnde Erfahrung durch Zeit wettmachen und habe sechs Tage die Woche gearbeitet. Das war einfach zu viel.

Im Interview mit Redakteur Moritz erklärt Thorsten Mindermann, warum es keinen Patentweg auf der Karriereleiter gibt.   Copyright: styleranking

styleranking: Welchen Rat geben Sie Young Professionals, die heutzutage in ihre berufliche Zukunft starten?

TM: Man muss verstehen, dass man eine eigene Grenze hat. Die liegt bei dem einen tiefer, beim anderen höher. Geht bis ans Limit, aber nicht darüber! Und man sollte ehrlich zu sich sein. Es müssen nicht alle CEO werden. Mein Ziel war es nie, Geschäftsführer zu werden. Ich habe nie nach dem bewussten Weg nach oben gesucht. Das hat sich so ergeben. Natürlich weiß ich, was ich will. Ich habe Ziele, bin sportlich-kompetitiv. Ich habe jedoch nie überlegt, wie ich anderen den Job klauen könnte.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch.

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