Hatespeech auf Social Media

Hass im Netz: Das sollten Influencer beachten

Von Franziska Gajek
04.05.2018 / 15:50 Uhr

Hatespeech zählt zu den größten Problemen der Social Media Welt. Besonders rechtsradikale und ausländerfeindliche Hetze nimmt zu, wie die Süddeutsche Zeitung bereits Ende 2016 berichtet. Auch Influencer kämpfen mit Hassbotschaften, Diskriminierung und Mobbing. Dabei werden die Social Media Stars mit sexistischen Beleidigungen bedacht oder für ihren Körper und ihre sexuelle Orientierung angegriffen.

Wie reagieren Influencer professionell auf solche Botschaften? Ist Löschen der richtige Weg? Oder doch lieber ignorieren? Wir haben mit Experten in Sachen Hatespeech gesprochen und verraten dir, zu welcher Reaktion die Profis raten.

Beleidigungen sind auf zahlreichen Social Media Plattformen alltäglich geworden. Doch wie gehen Influencer am besten dagegen vor?   Copyright: Shutterstock

„Definitiv die Negativ Kommentare.” Mit diesem Satz antwortet Beauty Bloggerin Nova Lana Love auf die Frage nach den Schattenseiten ihres Jobs. Im styleranking-Interview verrät die Influencerin: „Die Figur ist immer mal wieder ein Thema - zu kurze Kleider. Oder ich sähe im Fernsehen anders aus als auf Instagram.”

Auch ihr Best Buddy Riccardo Simonetti hat mit Hatern zu kämpfen. Während Farina die negativen Botschaften zu ignorieren versucht, stellt sich Riccardo ganz offensiv gegen Hass im Netz. Mit seiner Kampagne #iamstrongerthanbullying setzt er sich gegen Mobbing ein und bietet seinen und den Hatern seiner Follower mutig die Stirn. Aber welche Variante macht mehr Sinn?

Was genau ist eigentlich Hatespeech?

Um mit Hatespeech professionell umgehen zu können, hilft eine Definition. Wann reden wir von Hatespeech und wann handelt es sich um harmlose Kritik? Der Unterschied ist simpel: Konstruktive Kritik zeichnet sich dadurch aus, dass sie funktional ist und zum Beispiel einen gemeinsamen Dialog anstößt. Hatespeech hingegen nimmt bedrohliche, gar toxische Ausmaße an und kann sogar strafrechtlich relevant werden, wie Stefan Lauer von der Amadeu Antonio Stiftung deutlich macht.

Die Stiftung engagiert sich für die Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft und klärt in der Landesanstalt für Medien des Landes Nordrhein-Westfalen über Hatespeech auf. Dabei wird vor allem eines deutlich: Hatespeech funktioniert oftmals als Kanal für blinden Hass. Unternehmen, Personen oder eben Influencer werden zur Projektionsfläche.

Wie reagieren Influencer richtig?

Neben einer riesigen Welle rechtsradikaler, antisemitischer oder fremdenfeindlicher Kommentare, die aktuell das Netz überschwemmen, müssen sich vor allem Influencer immer wieder mit aggressiven Beleidigungen oder Body Shaming auseinandersetzen. Laut Stefan Lauer existieren grundsätzlich sechs Methoden, damit umzugehen:

  1. Ignorieren
  2. Moderieren
  3. Diskutieren
  4. Sich Positionieren
  5. Ironisieren
  6. Löschen

Entgegen gängiger Ratschläge wie „Don’t feed the troll” rät Lauer davon ab, solche Kommentare zu ignorieren oder zu löschen. Ignorieren Influencer die Hasskommentare, bleiben die Botschaften im Raum stehen. Follower, die über solche Kommentare stolpern, könnten sich fragen, warum der Influencer keine Stellung bezieht. Möglicherweise fühlen sich Fans sogar selbst beleidigt. Hier gilt: Kämpfe für deine Überzeugung, damit tust du auch deinen Followern einen Gefallen.

YouTuber wie Dagi Bee gehen ganz offensiv mit Hater-Kommentaren um. Sie liest die Hassnachrichten in ihren Videos einfach vor.   Copyright: Getty Images / Andreas Rentz

Löschen Instagrammer beleidigende Kommentare, hört man immer wieder ein und denselben Vorwurf: Zensur. Außerdem gilt es als wahrscheinlich, dass die Hater auf andere Kanäle ausweichen und dort ihrem Hass freien Lauf lassen. Das wünscht kein Influencer seinen Kollegen.

Wer reagiert, hat eine Chance

Alle Reaktionen, die über Ignorieren und Löschen hinausgehen, haben einen Nachteil. Sie kosten Zeit. Denn Influencer müssen sich mit den Hatern und ihren Kommentaren auseinandersetzen, einen sachlichen oder auch ironischen Weg finden, darauf zu reagieren.

Doch die Vorteile überwiegen. Wer reagiert, zeigt Stärke, nicht nur gegenüber den Hatern, sondern auch gegenüber der eigenen Followerschaft. Wer reagiert, schafft Raum für Debatten. Wer reagiert, hat die Chance noch unentschlossene Follower für die eigene Sache zu überzeugen. Wer reagiert, ermutigt andere, sich ebenfall gegen Diskriminierung, Body Shaming und Co. zu stellen.

Können Influencer konstruktiv auf Hass reagieren?

Ist die erste Wut über feindselige Hasskommentare verflogen, liefert Stefan Lauer einige Wege, sich mit den Hatern auseinander zu setzen. Dabei wählt Riccardo Simonetti bereits eine wichtige Maßnahme: Er erzählt von seiner eigenen Geschichte und tritt für seine Grundsätze ein. Er bezieht Stellung gegenüber Followern und Hatern und setzt sich in einem für die demokratische Zivilgesellschaft ein.

Um menschenfeindliche Weltbilder zu durchbrechen, eignen sich auch präventive Botschaften. Schon vor ersten Angriffen klar zu machen, welche Einstellung man als Influencer vertritt, schärft das eigene Profil.

Die Hater beleidigen Follower oder befreundete Influencer? Beziehe Stellung. Stelle dich schützend vor andere. Umso größer die Solidarität, desto schwerer ist es für den Hater, seine Botschaft zu verbreiten.

Wichtig: Sollten die Kommentare eine rechtliche Grenze überschreiten und etwa zu konkreten Gewalttaten aufrufen, lohnt sich der Gang zum Anwalt oder der Polizei.Außerdem besteht immer die Möglichkeit, einen Post beim jeweiligen Seitenbetreiber zu melden.

Wegschauen hilft nicht

Hatespeech zu bekämpfen ist für alle Betroffenen eine große Aufgabe. Die ist allerdings nur umsetzbar, wenn Influencer, Unternehmen und Follower aktiv dagegen vorgehen. Wegschauen oder ignorieren hilft nicht. Das kostet Kraft und verlangt nach einer Entscheidung. Blogger Riccardo Simonetti hat sich entschieden. In einem Blogbeitrag schreibt er: „Will ich jemand sein, der einen Weg geht, bei dem ich mich verstellen muss oder will ich jemand sein, der ich wirklich bin und dafür vielleicht auch mal den ein oder anderen Stein aus dem Weg räumen?”

Die mit Shutterstock gekennzeichneten Bilder stammen aus der Datenbank Shutterstock.

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