Paris Fashion Week Fall/Winter 2018/2019

Insights: Hinter den Kulissen der Paris Fashion Week

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
11.03.2018 / 11:00 Uhr

Die Fashion Week in Paris gilt für sämtliche angehende Modejournalisten als erklärtes Lebensziel. Einmal zwischen Louvre und Avenue des Champs-Élysées das Handwerk der ganz großen Couturiers bewundern. Einmal die Luft der französischen Hauptstadt schnuppern. Einmal die Street Style Stars vor die eigene Linse bekommen. Die Saison Fall/Winter 2018/2019 soll all dies für mich möglich machen. Eine Woche berichte ich von den Prêt-à-porter-Schauen in Paris, besuche Kollektionspräsentationen von gehypten Jungstars und etablierten Couturiers. Ich erfahre alles über die Gesetze der Straße und die härteste Style-Jury der Welt. Und dann stehe ich plötzlich neben Designer Marc Jacobs.

Auf der Paris Fashion Week begeistern Street Style Stars wie Caro Daur und Co. mit ihren Looks, nach der Valentino-Show am Invalidendom.   Copyright: styleranking

Zu Gast bei Monsieur Dior

Nicht nur für die Fashion Week, auch für mich persönlich beginnt die Modewoche mit einem Highlight. Designerin Maria Grazia Chiuri präsentiert die Dior Fall/Winter Kollektion vor der Welt und beeindruckt mit feministischen und unmissverständlichen Botschaften. Einen Tag später haben geladene Gäste die Chance, sich die Kollektion in der Maison Dior hautnah anzuschauen.

Hier gründet Christian Dior sein Couture-Haus und hier entstehen auch heute noch die Entwürfe des Luxuslabels. Als ich die gewundene Treppe ins obere Stockwerk der Hausnummer 30 steige, läuft mit ein Schauer der Ehrfurcht über den Rücken. Bei den Entwürfen angekommen, soll sich dieses Gefühl nicht legen. Alle Kollektionsteile sind hier ausgestellt, lassen sich anfassen und bis ins kleinste Detail betrachten. Dazu sprechen die versammelten Fashhion-Profis angeregt über Materialien, Schnitt und Handschrift der Designerin.

Bei Dior können alle Designs von Maria Grazia Chiuri am Tag nach der großen Show noch einmal begutachtet werden.   Copyright: styleranking

Kronleuchter so groß wie Kleinwagen

Das berühmte Hotel Ritz am Place Vendome hat sich nicht weniger dem Luxus verschrieben. Coco Chanel lebte hier bis zu ihrem Tod und auch heute umgibt dieses Hotel einen besonderen Charme. Der koreanische Designer Moohong Kim nutzt dieses Ambiente für seine Kollektionspräsentation. Riesige Blumenbouquets, vergoldete Handläufe und Pagen in eleganter Uniform begrüßen jeden Gast des Fünfsterne-Palastes. So viel Eleganz ist mir selten begegnet.

Bis ich den Saal des Paris Le Grand betrete. Eine Nacht in dem Luxushotel kostet mindestens 900 Euro. Entsprechend gestaltet sich das Ambiente. Ein Kronleuchter in Größe eines Kleinwagens, Statuen und ganz viel Gold kleiden den Saal aus, in dem Valentin Yudashkin seine Fall/Winter Kollektion präsentiert. Kurz bevor die Show beginnt, betritt niemand geringeres als die wichtigste Modekritikerin der Welt den Raum. Suzy Menkes sitzt mir die nächsten 15 Minuten gegenüber. Sie tippt angeregt in ihr Handy, filmt die Designs und überlegt sich wohl schon, wie sie später auf Vogue über die Kollektion urteilen wird. Ich versuche in diesem Moment meine Begeisterung gleichmäßig auf die Kollektionsteile und Suzy Menkes zu verteilen.

Suzy Menkes schaut sich alle wichtigen Shows der Paris Fashion Week an. So auch die von Valentin Yudashkin oder Chanel.   Copyright: styleranking

Das Gesetz der Straße

Neben dem Spektakel im Inneren der Show Location lohnt sich auch ein Blick auf die Straßen der französischen Hauptstadt. Hier herrscht zur Fashion Week nämlich ein eigenes Gesetz! Das Gesetz der Fotografen. Sie geben die mit Abstand härteste Style-Jury der Welt ab. Mit riesigen Teleobjektiven bewaffnet, warten sie wie hungrige Löwen auf einen adäquaten Street Style, bestenfalls am Körper eines bekannten Influencers oder Models.

Zahlreiche Fashionistas, auch solche die gar keine Einladung zu den entsprechenden Schauen erhalten haben, versuchen die Gunst der Fotografen zu gewinnen. Fotografiert werden aber nur die wirklich interessanten Looks. Da können die Damen noch so effektvoll posen oder zum dritten Mal den Gehweg entlanglaufen. Nach dem dritten Event kenne ich die meisten Fotografen bereits. Sobald einer von ihnen losrennt, renne ich mit. Sprintende Fotografen sind das sicherste Zeichen für ein richtig gutes Motiv.

Die brasilianische Bloggerin Camila Coehlo auf dem Weg zur Chanel Show für den Fall/Winter 2018/2019.   Copyright: styleranking

Die Show des Couture-Labels Chanel markiert den absoluten Höhepunkt in Sachen Street Style-Fotografie. Hier bekomme ich sie alle vor die Linse: Modekritikerin Suzy Menkes, Parisienne-Ikone Caroline de Maigret, die Influencer Aimee Song, Emili Sindlev, Veronika Heilbrunner, Bryanboy oder Camila Cohelo. Und dann läuft da plötzlich ein Mann an mir vorbei, der nicht weniger stellvertretend für die Modebranche steht wie Chanel und Co. Es ist Designer Marc Jacobs. Er eilt in Richtung Grand Palais, lacht und unterhält sich mit seiner Begleitung. Ich reiße meine Kamera hoch und erschwische ihn lediglich im Profil. Auch das gehört zur Street Style Fotografie.

In Paris regiert der Luxus. Das machen nicht nur Locations, wie das Paris Le Grand, deutlich. Bei Dior sehe ich Uhren, deren Wert dem eines Einfamilienhauses erschreckend nahe kommt. Vor der Chanel Show laufen Kleinkinder in Komplett-Looks von Dolce und Gabbana über die Straße. Während der Shows, etwa von Manish Arora, begegnen mir Gäste mit Balenciaga-Tüten, so groß wie die von Ikea. Was jedoch in Deutschland für kritische Blicke sorgen würde, erntet in Paris höchstens ein anerkenndes Nicken.

Doch diese Klischees geben nicht die ganze Wahrheit wieder. Vor der Chanel-Show werde ich Zeuge einer besonderen Begegnung: Eine Street Style Fotografin fragt eine Besucherin der Show nach ihrer It-Bag. Wo sie diese gekauft habe, bohrt sie weiter nach. Und ob es für sie relevant sei, aus welchem Material die Tasche gerfertig wurde. Das It-Girl macht auf dem Absatz kehrt. Luxus, ja. Aber auch der verantwortungsvolle Umgang mit Mode spielt in der französischen Hauptstadt eine Rolle. Der Zauber um die Paris Fashion Week hat viel mit offensichtlicher Schönheit in Vollendung zu tun. Er entsteht aber auch durch jene Menschen, die nach Botschaften suchen.

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