Fashionbusiness

Ineffizienz in der Modeindustrie: Der digitale Lösungsversuch von CEO Ivan Herjavec

Stephanie Ernst
Von Stephanie Ernst
14.12.2016 / 18:02 Uhr

Internetportale, Onlinebanking, E-Shopping: Vor der Digitalisierung gibt es kein Entkommen. Dabei existieren auch heute noch Bereiche, in denen sie nicht endgültig angekommen zu sein scheint. So sprüht der kreative Teil der Modebranche einerseits vor neuen Trends, Hightech-Materialien und pompös inszenierten Videokampagnen. Im Fashionhandel hingegen regieren weniger fortschrittliche Konzepte. Paradox: Während sich konsumfreudige Fashionistas auf Instagram, Facebook und anderen sozialen Medien tummeln, bevorzugen Modeunternehmer Konzepte ohne digitale Vernetzung. Großhändler besuchen lieber Showrooms und Tradeshows auf der ganzen Welt, als Bestellungen über das Internet aufzugeben. Durch eine Onlineplattform für den Modehandel wäre alles viel unkomplizierter - findet Ivan Herjavec. Sein Portal Buying Show soll die digiale Wende für den Fashionmarkt anstoßen.

Die aktuellen Schwierigkeiten im Modemarkt

Gefühlt jedes Modelabel besitzt heute einen eigenen Onlineshop. Bei der Planung, Produktion und Herstellung der eigentlichen Kleidung finden digitale Prozesse wenig Beachtung. Ivan Herjavec ist CEO der Onlineplattform Buying Show und eigenen Angaben nach seit 20 Jahren als Hersteller, Zwischenhändler und Markeneigentümer in der Modebranche tätig. Er erklärt die Gegensätzlichkeit: „Viele Marken haben in den vergangenen Jahren in eigene Onlineshops investiert, weil diese hohe Margen bieten. Der Fokus der Digitalisierung lag in einem Bereich, in dem Gewinne viel direkter messbar sind." Die Digitalisierung des Großhandels habe (auch in anderen Branchen) erst viel später begonnen. Das bemängelt Herjavec, da Mode gerade für den Onlinehandel eine überragende Rolle spiele. „Neben Reisebuchungen wird im Internet immer noch primär Kleidung bestellt ", sagt der Unternehmer. Er betont: „Dies erfordert auch in den dahinter gelagerten Prozessen eine verstärkte Digitalisierung".

Ivan Herjavec ist seit über 20 Jahren in der Modebranche tätig.

Bis wir die neue Must-have-Bluse bei Zara entdecken, durchläuft das Kleidungsstück zahlreiche Stationen: Erstellung eines Prototyps, Auswahl durch Händler in Showrooms oder Tradeshows, Bestellung, Lieferung, Verkauf. Damit dabei alles glatt läuft, ist die Kommunikation zwischen der Marke und dem Einzelhändler von großer Bedeutung. Dass viele Vorgänge nicht digital ablaufen, erschwert diesen Austausch. Die Konsequenz: „Viele Prozesse in der Modeindustrie sind ineffizient", findet Herjavec. Er kritisiert lange Bestellvorgänge, verzögerte Bezahlungen, hohe Kosten durch zahlreiche Reisen zu Tradeshows und Showroom-Präsentationen. Diese und weitere gravierendende Probleme des derzeitigen Modehandels konkretisiert er in zehn 10 Thesen.

Unternehmen wie Zara setzen auf Fast Fashion - ein Konzept, das viele Herausforderungen mit sich bringt.   Copyright: Shutterstock.com

Bereichern digitale Konzepte den Modehandel?

Plattformen wie Buying Show können nach Herjavec die Großhandelsprozesse in der Modebranche vereinfachen. Auf einen Blick finden Markenvertreter genau die Händler, die für das Label in Frage kommen. Pluspunkt des Internets ist auch das schnelle Vergleichen von Angeboten. Da Ordern und Bezahlen an einer Stelle digital abgewickelt werden, ist der Vorgang bequemer und übersichtlicher. Außerdem sollen die gespeicherten Daten Nachbestellungen vereinfachen. Dies kann ein großer Vorteil sein, denn nach dem klassischen Prinzip geben Unternehmer laut Herjavec am Jahresanfang eine enorme Sammelbestellung auf. Läuft die Saison schlecht, bleiben Bestände übrig. Wer online einfach nachordern kann, muss keine Großbestellung einplanen. Man bestellt, sobald sich die Lager leeren.

Ein Portal wie Buying Show weckt aber auch die typischen Zweifel an einer reinen Internetplattform: Das fehlende haptische Erlebnis und die Skepsis gegenüber der Datensicherheit. In Zeiten von Datenklau und Hacking, müssen Onlineunternehmer wie Ivan Herjavec ihre Kunden von den Zweifeln befreien. „Wir nehmen die Gefahr von Angriffen im Internet sehr ernst und kontrollieren regelmäßig unserere Sicherheitsvorkehrungen", sagt er. Und die fehlende Haptik? Ganz auf Showrooms könne man nicht verzichten. Ivan Herjavec führt fort: „Häufig reicht es, eine Auswahl von Samples einer Marke zu sehen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Man muss nicht für jede (Nach-)Bestellung alle Teile begutachten." Mode-Großhandelsportale wie Buying Show ermöglichen effiziente Chancen - ohne einige Risiken vollkommen eliminieren zu können.

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