Interview

Leonie Hanne im Interview: „Meine Follower wissen nicht, wie viel ich arbeite"

06.05.2018 / 18:00 Uhr

Ein breites Grinsen und ein sehr sympathisches Auftreten. Auf der Colgate White Night in Hamburg treffen wir auf einer der bekanntesten Influencer Deutschlands Leonie Hanne aka. Ohh Couture. Es ist nicht nur ihr geniales Trendgespür, welches sie so erfolgreich gemacht hat, sondern auch die Liebe zum Detail auf ihren Instagram-Bildern. Stolze 1,7 Millionen Menschen folgen ihr auf der Fotoplattform. Sie nimmt ihre Follower mit auf Reisen und teilt stets wunderschöne Einblicke aus ihrem Leben. Wir sprechen mit der 28-Jährigen darüber, wie man den perfekten Instagram-Feed kreiert, wer vor dem Posten über ihre Bilder schaut und wie das Influencer-Leben eigentlich hinter den Kulissen aussieht.

All Over White: Passend zum Thema erscheint Influencerin Leonie Hanne in einem strahlend weißen Kleid.   Copyright: styleranking

styleranking: Glaubst du, dass Blogs heutzutage noch relevant sind?

Leonie Hanne: Ich glaube momentan ist Instagram tatsächlich am beliebtesten. Aber da diese App gerade so boomt und es so viele Instagram-Accounts gibt, ist es langfristig gedacht gut einen Blog zu haben. Gerade, wo Instagram gefühlt wöchentlich seinen Algorithmus ändert und alle sich darüber ärgern. Es ist gut, wenn man weiß, das man nicht komplett davon abhängig ist.

styleranking: Deine Bilder auf Instagram sind sehr inspirierend. Kannst du uns Insider Tipps verraten, wie man den perfekten Feed kreiert?

Leonie Hanne: Tatsächlich habe ich in letzter Zeit aufgehört, das Feed Design zu kreieren. Auch wegen des neuen Algorithmus. Ich habe gemerkt, dass die Nutzer sich mehr über authentischere und Real Time Bilder freuen. Das Wichtigste ist, dass man einen einheitlichen Filter und eine einheitliche Bearbeitung wählt. Dann passen die Bilder automatisch zusammen. Ich arbeite zum Beispiel super gerne mit Light Room und bearbeite die Farben immer in Richtung Orange und Gelb. Ich achte auch darauf, dass ich in einer Reihe nicht nur Upper Body Shots aufzeige, sondern unterschiedliche Einstellungsgrößen.

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styleranking: Viele Influencer arbeiten auch nur mit bestimmten Farben in ihrem Feed. Hast du das nicht auch eine Weile lang getan?

Leonie Hanne: Ja, aber mittlerweile nicht mehr. Ich finde, dass irgendwann einfach die Zeit dafür fehlt. Man ist so oft unterwegs und dann denkt man sich: Oh mein Gott, ich kann jetzt nicht posten. Das Bild ist nicht blau! Das ist doof und verlangsamt auch den Prozess. Wenn man anfängt zu sagen Eigentlich bräuchte ich noch eins in dieser Farbe, dann macht man es sich zu schwer. Ich denke, dass mittlerweile viele gar nicht mehr auf den gesamten Feed schauen, sondern nur die Home-Funktion nutzen.

styleranking: Gibt es für dich ein Fashion No-go?

Leonie Hanne: Ja, zum Beispiel diese albernen Regenhütchen oder die Buffalo Schuhe, die wieder zurückkommen. Wenn man etwas selbst hässlich findet, dann sollte man dieser Intuition auch wirklich treu bleiben. Nur, weil es ein Trend ist, muss man es nicht tragen.

styleranking: Gibt es drei Dinge, die deine Follower nicht über dich wissen?

Leonie Hanne: Die wenigsten wissen, dass ich vor der Kamera schüchtern bin. Ich bin für einen Blogger sehr zurückhaltend. Es fällt mir nicht leicht im Mittelpunkt zu stehen und auf Knopfdruck gut zu posen. Viele wissen gar nicht, dass ich vorher als Strategy Consultant gearbeitet habe. Das gerät oft in den Hintergrund. Und das Dritte: Viele meiner Follower wissen gar nicht, wie viel ich arbeite. Man versucht schließlich in einem Bild das Beste einzufangen. Allerdings gibt es auch Tage, an denen es nicht so läuft.

styleranking: Wann zum Beispiel?

Leonie Hanne: Wir waren für vier Wochen am Stück nicht zu Hause. In New York habe ich mir leider eine Grippe eingefangen und in Mailand hatte ich dann eine Magen-Darm-Grippe. Ich konnte nie einfach in meinem Bett schlafen. Wenn man weiß, dass der morgige Tag 14 Stunden dauern wird und nachts noch ein Event ansteht, bei dem man nicht fehlen darf, dann kann man erst recht nicht mehr richtig schlafen. Das zeige ich natürlich nicht gerne in meinen Instastories, weil ich möchte, dass die Leute sich unterhalten fühlen. Trotzdem weiß ich, dass das Leben so viele Vorzüge hat. Da denke ich mir, darüber zu meckern ist auch blöd. Daher behalte ich so etwas immer für mich.

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styleranking: Wie ist das für dich, wenn manche User Fotos von dir mit unschönen Bemerkungen kommentieren, obwohl so viel Arbeit dahinter steckt?

Leonie Hanne: Ich finde es immer ganz lustig, wenn Leute fragen: Wie finanzierst du dir das alles? Dann merke ich, dass es den Leuten nur nach Spaß aussieht. Oder letztens habe ich gelesen Wie ermöglichst du dir das Reisen? Natürlich fällt es einigen schwer zu glauben, dass ich da nicht mit geerbten Geld oder so verreise. Das ist nun mal mein Job. Meine Mama ist Lehrerin und mein Papa arbeitet bei der Versicherung. Alles, was ich zeige, habe ich mir selbst erarbeitet und nicht, weil mir irgendjemand ein großes Sparbuch in die Hand gedrückt hat.

styleranking: Ich habe auch das Gefühl, dass es vielen noch nicht bewusst ist, dass das Blogger- und Influencer-Dasein für jemanden wie dich ein Job ist und es sich dabei nicht um Freizeit handelt.

Leonie Hanne: Ja, das ist aber auch die Schuld von uns Bloggern. Deswegen möchte ich mehr authentischere und Real Time Bilder teilen. Eine Zeit lang habe ich es echt geliebt Bilder zu stylen. Dann hat man aber auch gemerkt, dass das auf Instagram zugenommen hat. Es hat nun mal funktioniert und kommt bei vielen gut an. Ich habe das Gefühl, wenn jetzt Bilder schön inszeniert sind, dann kommen sie schlechter an, als wenn es einen natürlichen, glücklichen Moment darstellt.

styleranking: Wie genau hat deine Instagram-Karriere begonnen?

Leonie Hanne: Am Anfang habe ich neben der Arbeit Sachen auf Kleiderkreisel verkauft und fand das Bloggen schon da immer super. Ich hatte auch mal eine Domain gesichert. Aber erst als ich auf Kleiderkreisel so viel Zuspruch fand, habe ich das Selbstbewusstsein bekommen auch etwas zu starten. Die Leute fanden es cool, wie ich die Sachen style, die ich eigentlich loswerden wollte. Viele haben auch oft gefragt, ob ich auf Instagram sei und ob ich einen Blog führe. Dann habe ich einfach beschlossen: go for it!

styleranking: Was motiviert dich auf Instagram aktiv zu sein?

Leonie Hanne: Tatsächlich ist es so, dass ich nicht ein selbstbewusster Typ bin. Ich stehe morgens nicht auf und denke als erstes Wow, du bist so großartig! Meine Community ist sehr nett. Ich bekomme liebe Nachrichten von meinen Followern, die Dinge loben, die mir selbst nicht bewusst waren. Oder wenn in der Branche gesagt wird, dass ich immer so blöd lächele, dann schreibt mir jemand, dass er durch mein Lächeln happy wird. Wenn ich so etwas lese, motiviert mich das.

Bei dem Colgate Event zeigt uns die Bloggerin ihre Lieblingspose: ihr Lächeln.   Copyright: styleranking

styleranking: Nach welchen Kriterien suchst du dir deine Bilder aus?

Leonie Hanne: Man muss sich immer mit sich selbst wohlfühlen. Ich habe das ganz oft, dass Brands ein bestimmtes Bild wollen. Wenn ich das Gefühl bekomme, dass es nicht zu mir passt, dann will ich es auch nicht teilen. Ich habe ein Smiley Gesicht und wenn ich jetzt ganz ernst gucken müsste, dann würde ich mich selbst nicht erkennen. Bevor ich meine Bilder poste, schicke ich sie meiner Mama und meinen beiden Schwestern. Wenn die sagen, die mögen mich da nicht, dann poste ich es auch nicht.

styleranking: Was ist wichtiger für das perfekte Bild? Ein stylishes Outfit oder eine atemberaubende Location?

Leonie Hanne: Es ist immer ein Mix. Ich achte darauf, das es zusammenpasst. Wenn die Outfits auf den Fashion Weeks komplizierter sind, dann ist eine tolle Location häufig zu viel. Ein Designer Look vor dem Eiffelturm ist too much. Man weiß dann nicht, wo man als erstes hingucken soll. Wenn eine Brand sagt, dass sie mir einen Seidenkimono schicken und ich das auf den Straßen von Paris shooten soll, dann passt das doch nicht. Ganz oft sage ich zu Alex, wenn ich es selber nicht glaube und die Geschichte nicht verstehe, dann mache ich es auch nicht.

styleranking: Ein Accessoire, welches jedes Outfit aufpeppt?

Leonie Hanne: Eine Handtasche. Nie ohne! (lacht)

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styleranking: Ein Beauty Must-Have, das man immer in deiner Tasche findet?

Leonie Hanne: Irgendwas für die Lippen. Sowas, wie ein Kiehl’s Lippenbalm oder eine andere Lippenpflege. Gerade im Flugzeug merkt man, dass die Luft so trocken ist. Dann habe ich diesen nervösen Beauty-Tick und muss ein Balsam auftragen.

styleranking: Hast du Instagram-Vorbilder?

Leonie Hanne: Natürlich finde ich Chiara Ferragni unglaublich bewundernswert. Auch, weil sie die Branche mit aufgebaut hat. Sie hatte damals Bock sich zu inszenieren und hat daher auch mit dem Bloggen begonnen. Camila Coelho aus Brasilien finde ich auch toll. Sie ist wahnsinning erfolgreich und einer der wenigen Frauen, die sich über die Talente anderer freut und unterstützt. Mich inspirieren solche Frauen total, insbesondere, weil es in der Branche nicht viele von ihnen gibt.

styleranking: Mir hat Adam Gallagher in einem Interview verraten, dass er gerne bei deinem Account vorbeischaut.

Leonie Hanne: Awww! Den Adam habe ich auch mal glücklicherweise kennengelernt. Ich mag ihn auch richtig gerne. Er ist ja auch einer von diesen, die das schon ewig machen. Er ist ein richtiger Vollprofi und einer der besten, wie ich finde. Und als ich ihn getroffen habe, hat er mir sogar gezeigt, bei welchem Bild er mir damals angefangen hat zu folgen. Er ist ein super wertschätzender Typ. Genau solche Leute meinte ich. Das ist inspirierend.

styleranking: Wenn du mal ein Buch über dich schreiben müsstest, wie würde der Titel lauten?

Leonie Hanne: Leonie rennt. (lacht)

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Leonie.

Leonie verrät im Interview nicht nur ihre Instagram-Tricks, sondern auch die Influencer, die sie inspirieren.   Copyright: styleranking

Leonie Hanne ist am 31. Juli 1988 geboren. Ihren Blog Ohh Couture startet die Influencerin 2014 in Hamburg. Vor ihrer Karriere als Modeinfluencerin studiert die Hamburgerin BWL und arbeitet danach als Strategieberaterin. Gemeinsam mit ihrem Freund und Businesspartner Alexander Gallevsky reist die 28-Jährige um die Welt und inspiriert Millionen Menschen. Sie hat bereits mit großen Marken, wie Dior, Cartier, Tommy Hilfiger, Lufthansa und vielen weiteren Brands gearbeitet.

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