Interview

Bloggerin und Make-up Artist Sarah Feingold: "Das gängige YouTube-Image gefällt mir nicht!"

28.02.2016 / 14:00 Uhr

Mit ihrem persönlichen Blog No Basic Girls Allowed gehört Sarah Feingold mittlerweile zu den führenden Beauty-Influencern Deutschlands. Und der Name ist Programm. Vom Basic Girl ist die studierte Psychologin und Make-Up Artist meilenweit entfernt. Ihr neuester Coop: Die Zusammenarbeit mit Tweezerman. Pünktlich zum Valentinstag veranstaltete die Marke, die für ihre messerscharfen Pinzetten berühmt wurde, ein Event im Berliner Douglas-Store. Vor Ort konnten sich die Gäste beraten lassen und bekamen auf Wunsch ein romantisches Make-Up von Sarah Feingold geschminkt, die uns auch einige Fragen beantworten konnte.

styleranking: Du schminkst heute für Tweezerman die Gäste. Aber die meisten Besucher besitzen eine eigene Vorstellung von ihrem Ideallook. Wie findest du heraus, was jemandem steht?

Sarah Feingold: Das Problem ist, dass viele Frauen gar nicht wissen, was ihnen steht, und daher auch nicht, welches Ergebnis sie wollen. Da muss man einfach herumprobieren und mit dem Look experimentieren. Ganz wichtig ist es, die Farben auf den jeweiligen Typ abzustimmen. Das heißt, bei einer ganz blassen Person sollte ein tiefer, pinker Rougeton eher vermieden werden – da passen eher Terrakotta sowie sanfte Töne. Auch Extreme sind etwas, was man möglichst vermeiden sollte.

styleranking: Was macht für dich ein gutes Make-up aus? Oder anders gefragt: Gibt es etwas, worauf du nicht verzichten könntest?

Sarah: Gloss, Augenbrauengel... Mascara ist auch wichtig, und auch der Concealer. Okay, du merkst schon: DAS ultimative Produkt gibt es für mich nicht.

styleranking: Und gibt es auch No-Gos? Was geht für dich in Sachen Make-up gar nicht?

Sarah: Vorweggesagt: Ich finde es toll, wie man sein Gesicht allein durch die richtige Schminktechnik komplett transformieren kann. Aber im Alltag, erst recht bei Tageslicht, geht so mancher dick aufgetragener Look gar nicht. Viel schöner, als sich bis zur Unkenntlichkeit zuzukleistern, ist es, die eigenen Attribute hervorzuheben und subtil zu betonen. Weitere Horrorszenarien: Den Hals nicht zu verblenden oder die falsche Foundationfarbe zu wählen.

Schauspielerin Janina Uhse und Make-up-Artist Sarah Feingold sind ein tolles Team. Heute wird der GZSZ-Star von der bloggenden Visagistin erneut geschminkt.   Copyright: Leni Garibov für styleranking

styleranking: Auf deinem Blog präsentierst du dich oft edgy und experimentierst mit deinen Looks. Achtest du privat sehr auf dein Äußeres oder lebst du deine Leidenschaft für unterschiedliche Looks eher vor der Kamera aus?

Sarah: Ich muss tatsächlich sagen, dass ich privat oft so auftrete, wie ich es bei Jobs wie heute nicht immer kann: Sehr viel Schwarz, hohe Schuhe, Oversized-Looks und dunkelbrauner oder violetter Lippenstift. Ganz zu schweigen von meinen extravaganten Frisuren, die ich auch sehr mag.

styleranking: Das lässt vermuten, dass du nie ohne Make-up aus dem Haus gehen würdest?

Sarah: Ach, absolut nicht! Es gibt auch genügend Jogginghosen-Tage, die sieht man nur weder auf dem Blog noch während meiner Jobs – wäre ja sonst auch seltsam.

styleranking: Heute pendeln wir uns aber genau in der goldenen Mitte ein. Es stehen weder extrem düstere Looks noch Sweatpants auf dem Programm, sondern romantisches Valentinstags-Make-up. Welche Produkte kommen da ins Spiel?

Sarah: Hauptsächlich geht es darum, dass sich jede Frau frisch und vor allem wohlfühlt. Ich würde nicht unbedingt zu falschen Wimpern greifen – gerade am Valentinstag kann es etwas gefährlich werden. (lacht) Ganz klar dürfen aber Rot- und Rosétöne nicht fehlen.

Make-up-Artist Sarah Feingold erzählt styleranking-Redakteurin Leni von ihren Erfahrungen sowie Do's und Dont's in Sachen Make-up.   Copyright: Leni Garibov für styleranking

styleranking: Neben Events und deinem Blog No Basic Girls Allowed findet man dich mittlerweile auch auf YouTube – sind Videos der nächste Schritt oder eine Spielerei neben dem Blog?

Sarah: Ich hätte richtig Lust, viel mehr Videos zu drehen. Erst letzte Woche sind zwei weitere fertig geworden, die demnächst erscheinen. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass mir das gängige YouTube-Image nicht wirklich gefällt. Ich bin kein Mensch, der gern Privates mit der ganzen Welt teilt. Ich habe aber das Gefühl, dass genau das verlangt wird. Viel wichtiger ist es für mich, dass die Videos künstlerisch anspruchsvoll werden und die Kernaussage bei den Zuschauern ankommt. Allerdings spüre ich derzeit ein Umbruch und dass es vom Schreiben eher Richtung Videos geht. Ich finde das ziemlich cool, weil wir im Grunde alle ein bisschen YouTube-süchtig sind und uns bei den Strobing-Videos wiederfinden, oder?

styleranking: Wenn du privat im Internet surfst oder auch mal auf der Suche nach Inspiration für deine Posts bist: Sind es eher Blogs und Texte, die dich ansprechen oder schaust du dir lieber Videos an?

Sarah: Zeit für Geständnisse: Ich bin ein richtiger Tumblr-Addict. Ich folge bestimmt drei Tausend Menschen und könnte Stunden damit verbringen, mir all die Blogs anzusehen.

styleranking: Die Sucht hat sich anscheinend ausgezahlt: Seit Mitte 2015 bist du nun Markenbotschafterin für Tweezerman. Was meinst du, wo wären die Schnittpunkte zwischen der Bloggerin Sarah Feingold und der Marke? Was macht dich zur idealen Spokesperson?

Sarah: Da wären beispielsweise meine Augenbrauen. (lacht) Die sind mein Markenzeichen schlechthin. Aber da Tweezerman nun auch Brushes auf den Markt gebracht hat, wurde ein Make-up-Artist gesucht. So kam ich ins Gespräch, der Rest ist Geschichte. Ich denke jeder, der eine gewisse Ausbildung in der Richtung genossen hat, würde sich über eine Kooperation mit so einer großen Marke freuen!

styleranking-Redakteurin Leni und Make-up-Artist Sarah Feingold auf dem Tweezermann Event.   Copyright: Leni Garibov für styleranking

styleranking: Das wäre meine nächste Frage gewesen: Wie sieht dein Werdegang aus? Hast du dir alles selbst beigebracht oder war es dir wichtig, alles professionell zu erlernen?

Sarah: Nach meinem Abitur habe ich eine eineinhalbjährige Ausbildung zum Make-up-Artist absolviert – dafür bin ich sogar nach Madrid gezogen. Als ich fertig war, begann mein Psychologiestudium, das ich ebenfalls abgeschlossen habe.

styleranking: Die Kombi ist wohl unschlagbar! Schließlich musst du auf die Kunden eingehen können, da kommen dir gerade deine Psychologiekenntnisse bestimmt zugute, oder?

Sarah: Ich versuche nicht, jemanden zu therapieren. Aber es ist sicher von Vorteil, den Menschen einschätzen zu können, um zu erkennen, wie man ihm am besten weiterhilft. Eigentlich kann und sollte jeder alles tragen. Dabei gilt es nur, das richtige Maß zu finden und zu erkennen, was am besten zu einem passt.

styleranking: Dieses Talent ist tatsächlich essenziell. Dann verrate uns doch zum Schluss: Welche Tweezerman-Produkte sind für dich unverzichtbar, um die passenden Looks zu kreieren?

Sarah: Ganz klar stehen die Pinzetten an erster Stelle. Man kann sie nachschärfen lassen und sie greifen auch die feinsten Härchen. Das Augenbrauengel ist auch toll – und der spitze Pinsel für das untere Lid!

styleranking: Wir danken dir für das Gespräch und wünschen dir weiterhin das Allerbeste!

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