Interview

Mirjam Dietz und Aline Schade: "Mode verhält sich wie ein immer schneller drehendes Karussell“

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
02.08.2017 / 11:00 Uhr

Zwei Blondinen, ein Business, witzeln Aline Schade und Mirjam Dietz. Sie sind die weiblichen Gesichter der Supreme Group. Einer Messeplattform, die in München ihre Anfänge nahm und nun seit 10 Jahren zwischen der Bayrischen Landeshauptstadt und Düsseldorf Mode und deren Einkäufer zusammenbringt. Während der Supreme in Düsseldorf haben wir Aline Schade und Mirjam Dietz zum Interview getroffen, um mit ihnen über Messen und die Trends von morgen zu sprechen. Das war jedenfalls der Plan…

Aline Schade ist Mitbegründerin der munichfashion.company GmbH. Unter der Dachmarke Supreme finden jährlich insgesamt elf Ordermesse statt.   Copyright: foto@susanne-diesner.de

styleranking: 10 Jahre Supreme. Worauf sind Sie besonders stolz?

Aline Schade: Wir haben zu dritt angefangen, heute sind wir 15 Leute. Mein Team und ich haben Nachwuchskräfte ausgebildet. Wir blicken auf ein kontinuierliches, wenn auch nicht zu schnelles Wachstum zurück. Darauf sind wir sehr stolz.

styleranking: Was hätten sie im Nachhinein anders gemacht?

Aline Schade: Es gibt nichts, was ich anders gemacht hätte.

styleranking: An der Spitze der Supreme stehen drei Powerblondinen. Ist das ihr Erfolgsgeheimnis?

Aline Schade: Ich glaube, das Geheimnis liegt im Team. Manchmal sind die Jungs ein bisschen neidisch, weil wir uns so gut verstehen. Mein Vater sagt immer ‚Ach Gott, die Hühner“.

styleranking: Hat man es als Frau schwerer, in diesem Business ernst genommen zu werden?

Mirjam Dietz: Nein.

Aline Schade: Da bin ich anderer Meinung. Wir sind anfangs sehr kritisch, beziehungsweise schmunzelnd beäugt worden. Aber wir sind Profis und konnten mit Inhalten überzeugen. Deswegen haben wir das Belächeln ins Anlächeln verwandelt.

Mirjam Dietz: Das hast du sehr schön gesagt. Aline macht mit ihrem Charme sehr viel wett. Das kriegen die Herren gar nicht so mit. Plötzlich macht es schwupp und sie sind um den kleinen Finger gewickelt.

styleranking: Warum haben Sie sich für diesen Job entschieden?

Aline Schade: Ich muss mit Menschen arbeiten und bin kein Typ, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt. Mir gefällt es, zu reisen, obwohl ich mit zunehmendem Alter lieber rückenschonend daheim schlafe, als im Hotel. Aber im Großen und Ganzen inspirieren mich dieser Job, die Menschen die ich kennen lerne, und die Orte, die ich bereise. Bei Mirjam verhält sich das genauso. Die ist lieber unterwegs, als zu Hause.

Mirjam Dietz: Ich bin schon gern daheim. Aber fühle mich auch gut, wenn ich wieder im Flieger sitze.

Aline Schade: Kennst du die Stewardessen nicht schon persönlich, Mirjam?

Mirjam Dietz: Ja, die sagen öfter mal: „Ach, sind Sie wieder an Board?“

Mirjam Dietz steht der Supreme seit vielen Jahren in beratender Tätigkeit zur Seite und besucht jede Saison zahlreiche Messen von London bis Moskau.   Copyright: foto@susanne-diesner.de

styleranking: Können Sie einen Trend für die kommende Saison benennen?

Aline Schade: Mädels holt eure Broschen raus, kann ich da nur sagen. Betrachtet man die Mode, muss man aber feststellen, dass es richtige Trends gar nicht mehr gibt. Als wir angefangen haben, wurde die Teppichfarbe für die Messe tatsächlich auf die Farbe der Saison abgestimmt. Das haben wir vor vier Jahren aufgegeben, da gab es schon keinen speziellen Farbton mehr. Ist dir das auch aufgefallen?

Mirjam Dietz: Ja. Von den Trendbüros werden regelmäßig Farbkarten rausgegeben. Aber die sind überall unterschiedlich. Natürlich versucht man Themen auszuarbeiten…

Aline Schade springt plötzlich auf, spricht hektisch mit einer Mitarbeiterin. Sie muss gehen. Es gibt einen Notfall. Im Gehen ruft sie „Die Mirjam macht einfach mit den Trends weiter.“

Mirjam Dietz: So, wir zwei schaffen das schon. Wo waren wir? Bei den Trends. Neben den Haute-Couture oder Ready-to-wear Kollektionen nimmt besonders der Streetstyle großen Einfluss. Der sieht aber in jeder Stadt anders aus und verändert sich sehr schnell. Wie will man da einen Trend generieren? Das stellt für viele Hersteller eine Herausforderung dar. Umso wichtiger ist es, den Endverbraucher zu kennen.

styleranking: Vertikale Anbieter bieten Trends innerhalb kürzester Zeit zum Kauf an.

Mirjam Dietz: Gegen die haben unsere Aussteller keine Chance. Fast Fashion benötigt ganz andere Strukturen, allein im Preisgefüge. Viele unserer Kollektionen sind handmade und das hat natürlich seinen Wert. Die Schlüsselidee ist Storytelling, man muss eine Geschichte zur Kollektion erzählen. Die Labels versuchen nicht, anderen nachzueifern. Draußen, beim Endkonsumenten vermischt sich dann alles. Der Verbraucher kauft ein T-Shirt von H&M und die Hose kommt von einem unserer Aussteller

styleranking: Für die Einkäufer gibt es momentan viel Input. Berlin, München, Düsseldorf. Wie bleibt man da als Marke relevant?

Mirjam Dietz: Das A und O ist die Positionierung. Man muss den Kunden nicht nur zur Messe, sondern das ganze Jahr über betreuen. Es gibt aber kein Patent-Rezept. Manche Kollektionen gehen durch die Decke, andere bleiben liegen.

Auf der Supreme in Düsseldorf haben Einkäufer und Labels die Möglichkeit, sich in persönlichem Rahmen auszutauschen, kennenzulernen und ins Geschäft zu kommen.

styleranking: Wer ist denn richtig durch die Decke gegangen?

Mirjam Dietz: Philipp Plein hat ganz klein bei uns angefangen und auf der Supreme seine erste Fashion-Kollektion gezeigt. Heute geht sein Label richtig durch die Decke. Er eröffnet einen Laden nach dem anderen. Philipp Plein hat eine klare Positionierung, eine klare Handschrift, man erkennt ihn sofort.

styleranking: Sie sind der Mode auch mal überdrüssig?

Mirjam Dietz: Nein. Ich freue mich höchstens, wenn ich abends meine High-Heels ausziehen kann. Aber überdrüssig wird mir die Mode nicht. Dazu ist sie viel zu schön.

styleranking: Ein echter Traumjob also?

Mirjam Dietz: Ja, das ist Passion. Ich lerne gern neue Menschen kennen und Mode präsentiert sich einfach als schönes Produkt. Schrankmessen fände ich doof. Dennoch bleibt es ein Beruf. Fashion ist Business.

styleranking: Sie wohnen hier in Düsseldorf. Was ist das Besondere an dieser Stadt?

Mirjam Dietz: Ich fühle mich hier zu Hause. Die Stadt ist vielfältig und überschaubar, ich bin schnell an der belgischen Küste. Und man spürt hier die Kreativität. Düsseldorf ist das Filetstück der Mode. Düsseldorf ist easy to live. Außerdem mag ich die Rheinländer.

styleranking: Schätzen das auch die Einkäufer?

Mirjam Dietz: Ja. Die schätzen aber vor allem die kurzen Wege in Düsseldorf. Manche sind so verwöhnt, denen ist sogar der Hafen zu weit weg. Unsere Kunden genießen hier einen sehr individuellen Service, schließlich arbeiten die Einkäufer hier.

styleranking: Wagen Sie bitte einen Ausblick in die Zukunft. Der Modekalender ist immer schnelllebiger. Reichen zwei Messen im Jahr auf Dauer aus?

Mirjam Dietz: Gesetzt ist nichts. Es gibt Bewegung im Markt, das schreckt viele auf. Aber sich zwei Mal im Jahr zu treffen ist wichtig. Deshalb glaube ich, dass das Netzwerk so weiterbestehen wird. Ansonsten ist die Supreme in der Lage sehr schnell zu reagieren, wie auch immer sich der Markt entwickeln wird. Mode verhält sich wie ein Karussell, das sich immer schneller dreht und wer nicht angeschnallt ist, fliegt raus.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch.

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