Interview

CEO Dirk Graber: "Mister Spex sucht kleinere Blogger mit Potenzial!"

Von Lara Schwitalla
27.03.2017 / 10:30 Uhr

Kleider machen Leute, Brillen machen Typen! Egal ob Lese-, Mode- oder Sonnenbrille: Das funktionale Accessoire dient schon lange nicht mehr nur der Sehkorrektur. styleranking besucht die Shoperöffnung des ersten Mister Spex-Stores im CentrO Oberhausen. Neben zwei erfolgreichen Offline-Stores in Berlin weitet Mister Spex sein erfolgreiches Multichannel-Konzept nun auch in Nordrhein-Westfalen aus. Im ersten Obergeschoss des größten Einkaufs- und Freizeitzentrums Europas erwartet die Besucher auf einer Fläche von rund 80 Quadratmetern eine Auswahl von beinahe 1000 Marken- und Sonnenbrillen, eine vielfältige persönliche Beratung, kostenlose Sehtests und mehr. Im Interview mit dem Geschäftsführer von Europas führendem Online-Optiker Dirk Graber und der Leitung der Public Relations Katharina Berlet erfahren wir, welchen Imagewechsel die Brille vom medizinischen Zweckgegenstand zum individuellen Accessoire erlebt hat und wie Mister Spex seine Kundschaft von rund zwei Millionen Brillenträgern durch das Multichannel-Konzept noch erweitern möchte. Außerdem: Warum dem Online-Optiker die enge Zusammenarbeit mit Bloggern so am Herzen liegt und welche vier Trends die Brillendomäne 2017 dominieren...

Zur Eröffnung des ersten Mister Spex-Stores in Nordrhein-Westfalen trifft Redakteurin Lara den Geschäftsführer des Online-Optikers Dirk Graber zum Interview im Shop im CentrO Oberhausen.   Copyright: styleranking

styleranking: Warum fiel die Wahl für den ersten Mister Spex Store auf das CentrO Oberhausen?

Dirk Graber: Wir führen bereits zwei Stores in Berlin und ziehen daraus einige Learnings. Für uns zählen diverse Aspekte, wie die hohe Frequenz an Laufkundschaft. Außerdem sollte der Standort eine gute Präsenz unseres Stores ermöglichen und in einem großen Einzugsgebiet liegen. Zusätzlich sollte unsere Kundschaft bereits vor Ort vertreten sein. Das CentrO Oberhausen verbindet all diese Aspekte bestmöglich.

styleranking: Wie unterscheidet sich Mister Spex von anderen Optiker-Fachgeschäften?

Dirk Graber: Sowohl optisch als auch konzeptionell. Mister Spex betreibt ein Multichannel-Konzept. Wir kombinieren die besten Aspekte aus dem Onlinegeschäft, wie Warenverfügbarkeit, Sortierung und attraktive Preise, mit Serviceleistungen vor Ort, also einem Sehtest oder der Kontaktlinsenanpassung. Diese Umsetzung ist europaweit einzigartig.

styleranking: Wie integriert Mister Spex das bekannte Online-Konzept im Offline-Store, um einen Wiedererkennungswert zu schaffen?

Dirk Graber: Dafür kommen mehrere Komponenten zusammen. Die visuellen Aspekte spielen eine besondere Rolle. In einem Shopping-Center wie dem CentrO Oberhausen bietet es sich an, die Front des Stores möglichst offen zu gestalten. Ähnlich wie auf der Webseite betritt man den Store und weiß sofort, wo man ist und wie man sich zurechtfindet. Als zweites berücksichtigen wir das Thema Sortierung und Struktur. Im Store findet der Kunde links die Damen- und rechts die Herrenbrillen nach Formen und Größen sortiert. An der Mister Spex-Wand des Stores befinden zusätzlich unsere Premiumprodukte.

Am 10. März gewinnt Mister Spex im Rahmen der 63. iF Design Award Verleihung die Auszeichnung in der Disziplin "Interior Architecture" in der Kategorie "Shops/Showrooms" für die Inszenierung ihrer Offline-Stores.   Copyright: Mister Spex

styleranking: Mister Spex hat eine Blogger for Mister Spex-Kollektion veröffentlicht. Wie ist es zu dieser Kooperation gekommen?

Dirk Graber: Wir haben bereits vorher eigene Kollektionen entwickelt wie Michalsky for Mister Spex. Letztes Jahr kam uns die Idee, eine Blogger-Kollektion zu entwickeln. Mister Spex steht für einen bestimmten Look und Stil. Blogger vertreten auf ihren Social Media-Kanälen intensiv ihren persönlichen Style. Wir haben Marina The Moss, Magdalena von Hoard of Trends, Jamina von Jamina1404, Desi und Nisi von Teetharejade, Ricarda von Cats & Dogs und Nina Suess angeboten, mit Mister Spex zusammen eine eigene Kollektion zu entwickeln. Die Blogger haben sofort mit positivem Feedback reagiert. Während des Designprozesses konnten sie für ihre eigenen Brillenmodelle aus allen möglichen Formen und Designs wählen und zusätzlich mit Materialien und Farben spielen. So ist die Kollektion schließlich entstanden. Für uns hat das gut funktioniert, weil die Blogger sehr stolz auf ihre selbst designten Produkte waren und das natürlich auch promotet haben. Wir waren superzufrieden mit dem Ergebnis, weil dabei einzigartige Brillen entstanden sind. Die Kreationen sprechen speziell modeaffine Leute an. Mit einem Preis von unter 100 Euro waren sie auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis sehr attraktiv. So eine Kollektion ist immer auch ein Experiment. Eine Blogger-Kollektion ist zusätzlich etwas Besonders, weil sie von acht unterschiedlichen Personen designt wird und damit verschiedene Extreme besetzt. Man lernt daraus, welche gewagten Trend- und Stylethemen funktionieren.

Katharina Berlet: Einzelne Brillen waren sehr schnell ausverkauft, weil wir nur eine bestimmte Anzahl herstellen, sodass wir einige Modelle noch aufstocken und nachproduzieren mussten. Der Startschuss für die zweite Blogger-Kollektion fiel am 23. März, als sich wieder Blogger im Rahmen eines Designs-Days in Berlin getroffen und eine neue Kollektion entwickelt haben. Dabei haben wir den Bloggern auch dieses Mal großen Spielraum für ihre Designs gelassen. Im Herbst werden die Brillen gelauncht und in unseren Shops erhältlich sein.

"Mit Marina The Moss hat Mister Spex bereits zusammengearbeitet, als sie noch kaum jemand kannte."

styleranking: Mit Bloggern wie Marina the Moss handelt es sich bei der Blogger for Mister Spex-Kollektion primär um große, etablierte Influencer. Kooperiert Mister Spex auch mit kleinen Bloggern?

Katharina Berlet: Ja, machen wir! Und das tatsächlich bereits seit recht langer Zeit. Mit Marina hat Mister Spex bereits zusammengearbeitet, als sie noch kaum jemand kannte. Es handelt sich also um eine gewachsene Beziehung. Davon profitieren beide Seiten. Marina steht zu uns als Marke. Wir suchen immer wieder nach kleineren Bloggern mit Potenzial, mit denen Mister Spex zusammenarbeiten und gemeinsam wachsen kann.

styleranking: Welchen Nutzen zieht Mister Spex aus Blogger-Kooperationen?

Katharina Berlet: Wir schätzen den Unique Content. Die Blogger posten sehr individuell in einer hohen Qualität. Das, was die Blogger transportieren, könnte Mister Spex als Marke so nicht rüberbringen. Deshalb kooperieren wir mit Markenbotschaftern, die Mister Spex schätzen und ihren Followern zeigen möchten, wie unkompliziert sich der Brillenkauf bei uns gestaltet. Die Blogger berichten ihre individuellen Geschichten und Erlebnisse. Mister Spex inszeniert auch spezielle Blogger-Shootings für bestimmte Brillenmarken.

Als Leitung der Public Relations von Mister Spex steht auch Katharina Berlet bei Kooperationen in engem Kontakt mit den Bloggern.   Copyright: styleranking

styleranking: Was zeichnet die Mister Spex Collection aus?

Dirk Graber: Sie ist unterteilt in diverse Segmente. Zum Einen gibt es die klassische Mister Spex Collection. Sie soll traditionelle Designs modern beleben und ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Den Preiseinstiegsbereich haben wir komplett abgetrennt in unserer Smart Collection. Darüber hinaus bieten wir Michalsky for Mister Spex an, wo primär aktuelle Designthemen, spezielle Materialien und Farben im Fokus stehen.

Katharina Berlet: Demnächst wird Mister Spex eine neue Range im Premiumbereich launchen. Genauso wie bei der Mister Spex Collection im Allgemeinen schreiben wir das Thema Qualität ganz groß. Auch im Feedback unserer Kunden wird die Wertigkeit, Haptik und Verarbeitung der Brillen oft gelobt. Das können wir in unserer eigenen Kollektion stärker beeinflussen. Stichwort: Qualitätskontrolle!

Trends 2017: Sportliche Kontraste, Safari Chic, moderne Gradlinigkeit und luftiges Farbspiel

styleranking: Welche Trends finden sich aktuell im Lese- und Sonnenbrillenbereich?

Dirk Graber: Wir haben vier Trends festgestellt und für uns definiert: Sportliche Kontraste, Safari Chic, moderne Gradlinigkeit und luftiges Farbspiel.

Katharina Berlet: Wir schauen uns an, was die Händler in der kommenden Saison auf den Markt bringen. Zusätzlich berücksichtigen wir, was in der Mode allgemein im Trend liegt und definieren daraus unsere neuen Kollektionen und Keytrends. Der sportliche Look ist ganz klar angesagt, noch stärker als in den vergangenen Jahren. Man findet sehr sportliche, minimalistische aber auch dynamische Formen. Dazu zählen auch verspiegelte Gläser in lauten Blautönen. Beim Thema Safari-Chic geht es um Muster und Farbverläufe. Die moderne Gradlinigkeit zählt wohl zu den Evergreens, die wir immer anbieten. Luftiges Farbspiel zeichnet sich durch Pastelltöne und transparente Materialien aus. Bei Sonnenbrillen etabliert sich der Doppelsteg weiter. Die verspiegelten Brillengläser werden zunehmend weniger, außer im sportlichen Bereich. Gold war lange ein Trend und hält sich aktuell bei klassischen Sonnen- und Pilotenbrillen. Sonnenbrillen mit integrierter Sehkorrektur gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wer eine Sehschwäche hat, lässt sich die Sonnenbrille verglasen. Damit wird auch die Sonnenbrille zum Alltagsgegenstand und bleibt nicht mehr nur ein reines Modeaccessoire.

Dirk Graber: Das Gute ist, dass Mister Spex viele Sonnenbrillen bestmöglich in der Originalfarbe verglast. In der Vergangenheit bestand das Problem, dass meist nur drei Farben zur Verfügung standen - Grau, Braun oder Grün und immer zu 85 Prozent getönt. Wir arbeiten mit einem Glashersteller zusammen, der deutlich mehr Farben ermöglicht, sodass wir einen großen Anteil der Sonnenbrillen in der Originalfarbe verglasen. Zum einen, weil es einfach besser aussieht. Zum anderen, weil der Kunde diesen Service erwartet und dementsprechend wenigere Retouren entstehen.

Beide Geschäftsführer von Mister Spex Dirk Graber und Mirko Caspar eröffnen den neuen Offline-Store im CentrO Oberhausen.   Copyright: Mister Spex

styleranking: Welchen Wert legt der typische Mister Spex-Kunde auf modische Aspekte und Zweckmäßigkeit?

Dirk Graber: Der eine typische Kunde existiert nicht. Zum einen gibt es den modeaffinen Kunden, der den Fokus auf den Style seiner Brille legt und sich bei uns inspirieren lässt. Gerade durch unsere Style- und Trendthemen und die starke Markenfokussierung bietet Mister Spex relativ vielen modebegeisterten Leuten die Möglichkeit, die ideale Brille zum fairen Preis zu finden. Daneben gibt es immer auch die Kunden, vor allem Männer, die genau wissen, was sie wollen. Sie suchen gezielt nach einem bestimmten Produkt und kaufen es oft sogar mehrfach.

styleranking: Merken Sie an Kundenanfragen oder Umsätzen, dass Brillen immer mehr von Menschen getragen werden, die gesundheitlich gar keine Brille benötigen?

Dirk Graber: Bei Sonnenbrillen definitiv! Bei Korrektionsbrillen gibt es diesen Fall auch ab und zu. Hier kommt es auch häufiger vor, dass Kunden Modelle mit Fensterglas bestellen. Zu Anfang haben wir in solchen Fällen oft nachgefragt, ob die Kunden absichtlich oder aus Versehen auf die Sehstärke verzichtet haben.

Katharina Berlet: Wir haben gerade eine Studie zusammen mit einer Personalberatung durchgeführt zum Thema Brille und Beruf. Ist es noch so, dass man als Brillenträger eher als Nerd angesehen wird? Oder ist die Brille sogar eine Hilfestellung, weil man dadurch smarter aussieht? Das Ergebnis war sehr spannend. Vielen tragen ihre Brille bewusst beim Bewerbungsgespräch anstelle ihrer Kontaktlinsen, weil sie das Erscheinungsbild prägt und den eigenen Stil ausmacht. Es zeigt sich also ein unglaublicher Umschwung. Die Brille entwickelt sich zu einem Accessoire als Hilfsmittel, um sich als Typ und im Beruf zu platzieren.

Im Rahmen des umfangreichen Serviceprogramms bietet Mister Spex im Store kostenlose Sehtests an.   Copyright: Mister Spex

styleranking: Wie wichtig ist ein gezielter Offline-Auftritt für einen Optiker?

Dirk Graber: Wir haben in unseren ersten beiden Stores in Berlin festgestellt, dass 70 bis 80 Prozent der Personen den Laden betreten und Mister Spex durch die Fernsehwerbungen kennen. Die Werbung schalten wir seit acht bis neun Jahren und dennoch zählen nur 20 Prozent bereits zu unserer Kundschaft. Gerade bei Brillen muss man die Größe und Passform exakt auswählen. Außerdem benötigen die Kunden einen Sehtest, um ihre Korrektionswerte zu ermitteln. Das stellt einige Hürden für den reinen Onlinekauf für viele Zielgruppen dar. Zwar kaufen einige Kunden online. Im Offline-Auftreten haben wir allerdings die Möglichkeit entdeckt, die etablierte Marke Mister Spex noch stärker einzusetzen, um viele Neukunden zu gewinnen. Vom Konzept her arbeiten die Mitarbeiter auch im Offline-Store auf Laptops und Tablets und bestellen ebenso wie Onlinekunden auf MisterSpex.de. Wir verdeutlichen den Kunden die Vorteile vom Onlinekauf. Wer einmal seine Refraktionswerte und seine Brillengröße kennt, kann online einfach nachbestellen.

styleranking: Wie planen Sie, den Multichannel-Ansatz in Zukunft auszuweiten?

Dirk Graber: Zum einen wird Mister Spex weitere Offline-Stores eröffnen. Auf der Webseite haben wir bereits drei Shops angekündigt: In Bochum, Dortmund und Bremen. Wir suchen weiter nach frequenzstarken Lagen, die unsere Kriterien erfüllen. Zum Anderen möchten wir unsere Stores noch stärker mit der Online-Welt verknüpfen. Wir sind noch nicht da angekommen, wo wir uns langfristig platzieren möchten. Daran arbeiten wir Schritt für Schritt.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch.

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